20.07.2017 - 15:52 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

Im Herbst wird asphaltiert: Ausbau der B 85 schneller als geplant

Da nahm mancher vorbeikommende Fahrer vorsichtshalber lieber mal den Fuß vom Gas: Das Stativ mit den Antennen am Straßenrand hielt mancher wohl für einen Blitzer. Tatsächlich aber ist beim vierspurigen Ausbau der B 85 bei Schafhof einfach moderne Technik im Einsatz.

Es geht gut voran auf der Baustelle zum vierspurigen Ausbau der B 85 zwischen Schafhof und Pittersberg. Im Bereich dieser Kuppe könnten Sprengungen im felsigen Untergrund erforderlich sein: Dafür müsste die Straße dann kurzzeitig gesperrt werden. Der Untergrund ist auch in anderer Hinsicht nicht ganz problemlos für den Straßenbau. So müssen etwa 800 Tonnen Zement zur Stabilisierung eingebracht werden. Bild: Hartl
von Heike Unger Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Das GPS-Gerät auf dem Stativ ist mit einem Computer im Bagger verbunden: Dessen Fahrer kann dank dieser Technik zentimetergenau am Niveau der neuen Straße arbeiten - Abstecken mit Pflock und Schnur war gestern. Nicht nur deshalb kommen die Arbeiten an der vielbefahrenen Bundesstraße zwischen Schafhof und Pittersberg (beides Gemeinde Ebermannsdorf) gut voran. Auf 2,6 Kilometern werden hier rund 9,6 Millionen Euro investiert. Der aktuelle Stand war am Donnerstagmorgen Thema eines Ortstermins mit Vertretern von Politik und Staatlichem Bauamt.

Asphaltieren im Herbst

"Wir kommen gut voran", informierte Amtsleiter Henner Wasmuth die Bundestagsabgeordneten Alois Karl (Amberg-Sulzbach) und Karl Holmeier (Cham). Die Baufirma Seebauer (Landkreis Schwandorf) lege sich ordentlich ins Zeug, so dass man voraussichtlich im Herbst schon mit dem Asphaltieren der beiden neuen zusätzlichen Fahrspuren beginnen könne. Diese entstehen momentan in Fahrtrichtung Schwandorf direkt neben der B 85. Der Verkehr kann trotz der Bauarbeiten ohne Umleitung weiterfließen. Lediglich ein Tempolimit von 70 km/h war nötig.

Dass es so gut läuft, ist nach Wasmuths Worten nicht selbstverständlich. Umso erfreulicher sei es, dass dieses Millionen-Projekt "ohne Rechtsverfahren" umgesetzt werden konnte, während andernorts aufwendige Planfeststellungen solche Vorhaben bremsen. In absehbarer Zeit werde dem Ausbau der B 85 auch der Umbau des Autobahnkreuzes bei Schafhof folgen: Auch das sei ein wichtiger Schritt, zumal parallel dazu eine Radwegeverbindung zwischen der Panzerstraße beim Haidweiher und Schwandorf geplant ist. Ein Teil davon entsteht bereits: Richtung Schwandorf wird neben der B 85 ein asphaltierter Weg angelegt, den neben Landwirten auch Radler nutzen können. Auf der anderen Seite, neben den beiden neuen Fahrspuren, wird ein Schotterweg für die Forstwirtschaft gebaut. Ganz "im Wahlkampfmodus", wie er selbst sagte, scherzte MdB Alois Karl angesichts des schnellen Baufortschritts mit Blick auf den Tag der Bundestagswahl, "es wäre natürlich schön, wenn die neue Straße zum 24. September befahrbar wäre". Ganz so schnell wird es wohl nicht gehen, aber die Asphaltierung könnte zu diesem Zeitpunkt schon laufen, informierte Stefan Noll, der zuständige Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt.

B 85 als Schlagader

MdB Holmeier sprach von der B 85 als einer "Schlagader zwischen Amberg und Cham", in deren Ausbau, auch im Bereich Roding/Cham, insgesamt 100 Millionen Euro investiert würden. "Geld ist genügend da", für solche Projekte, betonte Holmeier - "was wir brauchen, sind Planung und Baurecht". Dies werde eine vorrangige Aufgabe für die neue Wahlperiode - die Planung solcher Vorhaben zu beschleunigen, um schneller Baurecht zu erlangen.

"Sehr froh", dass das beim Ausbau der B 85 kein Problem war, ist Ebermannsdorfs Bürgermeister Josef Gilch. Dieser dankte dafür ganz besonders auch im Namen seiner Gemeindefeuerwehr: Deren Aktive hätten es in den vergangenen Jahrzehnten auf diesem Teil der Bundesstraße schon mit "vielen tödlichen Unfällen und vielen Verletzten" zu tun gehabt - Einsätze, die den Rettern fast "Übermenschliches" abverlangt hätten. Gilch ist sich sicher, dass Unfälle hier nach dem vierspurigen Ausbau "gegen 0 gehen werden": Damit sei "jeder Euro gut investiert". Auch mit Blick auf das Industriegebiet Schafhof und seine Arbeitsplätze.

Hintergrund

"Tagtäglich sieht man eine Veränderung", stellte Stefan Noll, der zuständige Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt, zum Ausbau der B 85 fest. Der schnelle Fortschritt sei auch darauf zurückzuführen, dass man so geplant habe, dass sich der "Erdbau in Grenzen hält". Schwerpunkt in diesem Jahr seien die beiden zusätzlichen Fahrspuren in Richtung Schwandorf, 2018 werde dann die "alte" B 85 erneuert. "Spätestens im Herbst nächsten Jahres sind wir komplett fertig."

Eine Besonderheit ist die Wildkatzen-Sicherung, die auf etwa drei Kilometern zu beiden Seiten des vierspurigen Abschnitts angebracht wird: Ein spezieller Zaun, der verhindern soll, dass Wildkatzen darüber klettern oder sich unten durchgraben. Untersuchungen hatten diese bei uns seltene Tierart im Bereich von Ebermannsdorf nachgewiesen.

Von den 9,6 Millionen Euro, die in diesen Abschnitt der B 85 investiert werden, fließen rund sechs Millionen alleine in den Bau. Für 2017 sind Kosten von vier Millionen Euro veranschlagt.

Auf der relativ großen Rodungsfläche zu beiden Seiten der Bundesstraße wurden viele Wurzelstöcke entfernt. Anders, als zunächst erwogen, wurden diese nicht geschreddert, um daraus Pellets zu machen: Das Holz dient auf Ausgleichsflächen und beim ökologischen Gewässerausbau des Wasserwirtschaftsamts Weiden Tieren wie Schmetterlingen, Spinnen und Zauneidechsen als Unterschlupf. (eik)

Zitate

"Wir haben auch ein Herz für den langsamen Verkehr."

Bauamtschef Henner Wasmuth zum geplanten Radweg entlang der B 85 Richtung Schwandorf

"Da reicht ja ein Radweg. Es muss ja kein Radschnellweg sein."

Scherzhafte Entgegnung von MdB Karl Holmeier. (eik)

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