21.07.2017 - 12:02 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

Kirwatradition in Ebermannsdorf: Bär, Bier und Musik

20 Burschn und Moidla blockieren die Durchgangsstraße von Ebermannsdorf. „Geld oder schwarz“ ist die Parole am Kirwamontag. Der Kirwabär Patrick Schwabl ist unterwegs und schmiert alle an, die nicht zahlen.

Bei der Tour durchs Dorf treffen die Kirwaleit Heike Fruth (hinten, rechts). Fruth spielt auf und die Moidla und Burschn tanzen zum Klang ihrer Quetschn.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Wenn ein Autofahrer nicht bereit ist, Wegzoll zu zahlen, bekommt er vom Kirwabär zur Strafe eins mit der schwarzen Tatze mit. Oder ein Bursch oder Moidl aus der Kirwagesellschaft schmiert den Fahrer mit Ruß an. Seit dem Vormittag sind alle Kirwaleit voller Ruß und im Dorf unterwegs.

„In der Regel läuft es so, dass ich alle anschmier und sich dann alle gegenseitig anschmieren“, meint Kirwabär Patrick Schwabl zwischen zwei „Auto-Stopps“. Er trägt ein graues Fell. Jedes Jahr ist jemand anders Kirwabär. „Das Teil geht rum“, sagt er über seinen Anzug. „Das muss ich danach wahrscheinlich waschen – oder meine Mutter.“

Der Ebermannsdorfer torkelt in Richtung eines BMW, den seine Kollegen aufgehalten haben. „Geld oder schwarz“, sagt er und lehnt sich dabei ans Fenster des Autos. Der Fahrer zahlt einen Euro und darf passieren.

Es ist bereits später Nachmittag, als die Ebermannsdorfer Kirwaleut die Hauptstraße blockieren und es ist schon einiges an Alkohol geflossen. „Wir saufen seit halb neun“, sagt ein Kirwamoidl. „Und seit halb elf sind alle angeschmiert.“

Kirwabursch Simon Liebl erklärt den Ablauf: „Wir haben so fünf bis sechs Stationen. Das sind meistens befreundete Familien. Mit denen klären wir das vorher ab. Da gibt’s Wraps oder Weißwürste.“ Auf ihrem Spaziergang durchs Dorf halten die Kirwa-Bär-Treiber Passanten und Autofahrer an und bitten um eine kleine Spende. Manchmal gehen sie auch spontan in Gärten, um Hallo zu sagen. In einem dieser Gärten treffen sie auf Heike Fruth. Die kann Quetschn spielen und das erweist sich als Glücksfall für die Truppe. Sie setzt sich mit ihrem Instrument vors Haus. Die Moidla und Burschn tanzen spontan, zerlumpt und voller Ruß die einstudierten Kirwatänze. „In Emerschdorf is Kirwa“, singen sie dazwischen. „Drei Tog gehn ma nimmer ham, drei Tog saff ma ummanand.“ In der Mitte hüpft der Kirwabär und langt alle an.

Nach fünf oder sechs Tänzen hört die Quetschn-Heike auf und die Truppe setzt sich gemächlich, singend und Bier trinkend wieder in Bewegung. „Das ham wir so noch nie g’habt“, sagt Oberkirwabursch Simon Wendl, der den Proviantwagen mit Bier und Schnaps zieht. „Das war eigentlich total schön.“

Endstation ist am späten Nachmittag Kirwa-Mama Petra Maiwald. In ihrem schattigen Garten ruhen sich die Bär-Treiber aus und sammeln Kräfte für den Abend. Die Sprechchöre klingen schon recht heiser. Der Kirwabär liegt ausgepowert in der Wiese. „Jetzt ist Schluss. Jetzt geht’s zum Waschen“, sagt Wendl. Um sieben ist Einzug ins Festzelt mit Tracht. „Der Kirwabär, das ist wie eine Einstellung zum kompletten Leben“, ruft Patrick Schwabl noch. Und: „Ich hab es scheinste Kirwa-Moidl!“

Das wilde Treiben

Das Kirwabärtreiben ist ein uralter Heischebrauch. Heischen bedeutet so viel wie betteln. Die Kirwaleute heischen um Spenden, Speis und Trank – vor allem in früherer Zeit war das von großer Bedeutung.

Der Kirwabär erscheint am Morgen des Kirwamontags insbesondere im Landkreis Amberg-Sulzbach. Er kommt dabei in verschiedenen Varianten vor. Um nicht erkannt zu werden, schwärzt sich ein junger Bursche sein Gesicht mit Ruß oder bedeckt es mit einer „Larvan“ (Maske). Mitunter ist er mit einem langen Strohumhang oder alten abgetragenen Klamotten verkleidet. Zuweilen hat er um seinen Bauch eine lange, eiserne Kette geschlungen, die er schwingt. Mit lauten Schreien und Schlägen mit einem Stecken, an dem eine prall aufgeblasene, getrocknete „Saubloudern“ (Harnblase eines Schweins) befestigt ist, jagt und erschreckt er vor allem Kinder und junge Mädchen in den Straßen. Mit den Kirwaburschen zusammen wird daraus ein besonderer Umzug, der das ganze Dorf belustigt. Am Kirwamontag ist der Bär schon ab dem frühen Morgen im Dorf unterwegs. Begleitet wird er von seinen Treibern, oder, je nach Ortschaft, von einer „Sau“ oder „Hexe“. Meist sind auch Musikanten und eine Kinderschar mit dabei. Die Treiber verscheuchen die Kinder und beschmieren sie und andere Passanten mit Ruß.

Der Rundgang durchs Dorf wird immer wieder unterbrochen von der Einkehr bei Wirten und spendierfreudigen Familien. Der Bär hat bei seinem Auftritt die sogenannte „Schmier“ dabei. Hauptsächlich besteht sie aus Ruß. Ihr können aber auch Fett, Bier oder Schuhcreme beigemischt werden. Der Name „Bär“ hat nichts mit einem Braun- oder Eisbären zu tun, sondern kommt vom „Saubärn“. (upl/dko)

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