25.09.2017 - 13:16 Uhr
EbnathOberpfalz

Viele Bulldogbegeisterte beim Traktorclub Fichtelnaabtal Freiheit auf 19 PS

Fendt, Deutz, Massey Ferguson oder Rabeneick. Um diese Oldtimer dreht sich die Welt von Johannes Pöllath, Rainer Seeharsch und Michl Kärmer. Die drei Bulldogbegeisterten brennen für ihren Traktorclub Fichtelnaabtal.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Der Verein ist in Ebnath zu Hause. Im Vereinslokal "Bergblick" erzählen die drei Traktorfreunde von ihrem entschleunigenden Hobby, während Chefin Valerie Pausch noch ein Kristall, Hefe und Pils bringt.

Pöllath ist Vorsitzender des Traktorclubs und hat gleich mehrere Bulldogs zu Hause stehen. Sein Herzstück: Ein Fendt fix 2, Baujahr 1961, 19 PS, mit Luftkühler. Vor 20 Jahren hat er ihn für 2000 Mark gekauft. Getauft hat er den Schlepper "Bavaria". "Der gibt nicht auf", sagt Pöllath und nickt anerkennend Richtung Fendt. Der 37-Jährige ist beeindruckt von der Leistung und Lebensdauer seines Fendt. Unzerstörbar. Wie die meisten Oldtimer im Verein ist auch seine Machine noch im Einsatz. Pöllath kommt aus einer kleinen Landwirtschaft und benutzt den Schlepper zum Holzfahren und für Gartenarbeiten. Blitzblank müssen die Bulldogs nicht sein, ist ja schließlich ein Arbeitsgerät. Der Fendt sei ganz pflegeleicht. "Ich bin ohne Macken durch den TÜV gekommen." Ab und zu erneuert der Fahrer die Bremse oder das Licht. "Alles gut mit meiner Schildkröte."

Die Idee für den Club entstand Ende 2008, als sich fünf Bulldogbegeisterte im Dorfwirtshaus trafen. Im Februar 2009 folgte die Gründung. Der Verein zählt mittlerweile 41 erwachsene Mitglieder, 5 Kinder und 21 Schlepper und Motorräder. Die Gefährte sind allesamt Historisch. Der Besitz eines Traktors ist keine Pflicht. "Manche Fahrer haben auch zwei Schlepper, da kann man auch mal tauschen oder zum Traktortreffen einem Mitglied einen ausleihen. Das sehen wir nicht so eng", sagt Pöllath.

Zusammenhalt wichtig

"Wir haben schon viele Feste gemacht, die kommen immer auf Anhieb gut an", freut sich der Vorsitzende. Alle zwei Jahre veranstaltet der Club abwechselnd ein Traktortreffen und ein Hoffest. Auch der Hamburger-Verkauf beim Weihnachtsmarkt oder das Zoiglfest seien beliebte Anlaufstellen. So kommt etwas Geld in die Vereinskasse, für Club-Polo-Shirts oder um den Mitgliedern zur Weihnachtsfeier eine Kleinigkeit überreichen zu können. Die Mitglieder versuchen, sich mindestens einmal im Monat zu treffen. Meist nur der "harte Kern", wie Pöllath sagt, "aber wenn was Größeres ansteht, halten alle zusammen." Und das sei das wichtigste.

Mit viel Zusammenhalt kämpft sich der Verein auch durch schlechte Zeiten. Wie vor einigen Jahren, als der damalige Vorsitzende Knall auf Fall zurückgetreten ist. "Der Traktorclub wäre fast eingeschlafen." Viel zu Schade, findet der 37-Jährige. Heute ist er stolzer Vorsitzender des Traktorclubs. Ein Club ist auch viel Arbeit: "Am Sonntag ist die Familie dran, ich habe kleine Kinder, da ist es schwierig, auf jedes Traktortreffen zu fahren", erklärt Pöllath und lacht dabei. Auch Rainer Seeharsch und Michl Krämer finden, dass die Zeit vorbei ist, auf jedes Fest zu rennen. "Aber wenn wir mal mit den Traktoren unterwegs sind, haben wir immer eine mords Gaudi!", sind sie sich einig.

Alte Rarität

Seeharsch ist super-stolz auf sein Fendt Dieselross F236. Der Schlepper wurde in der Zeit zwischen 1957 bis 1959 hergestellt. Insgesamt gibt es nur 1171 Stück. Und eines davon steht in der "Weberhalle" in Ebnath. Zwei Jahre lang hat er nach dem richtigen Traktor gesucht. "Der hat mir schon als Kind gefallen, wenn man sich früher draufsetzen durfte, war man glücklich", erklärt der 48-Jährige. Es sollte unbedingt ein Dieselross mit Rundhaube und außenstehenden Lampen sein. "Alles was ich angeschaut habe, war entweder Schrott oder unbezahlbar." An einem Samstagabend fand er dann dieses Modell.

Dass der Fendt eine Seltenheit ist, hat Seeharsch erst später mitbekommen. Einen Sonderstatus hat der Oldtimer-Bulldog deswegen nicht: Er muss genauso für Garten- und Holzarbeiten herhalten. Aber am allerliebsten sitzt Seeharschs dreijährige Tochter hinter dem Lenkrad. "Sie ist absolut bulldogverrückt!", schwärmt der Papa.

Michl Krämer ist lange Zeit von einem Motorradtreffen aufs andere gefahren. "Das brauche ich heute nicht mehr, auf vier Rädern fühle ich mich wohler", lieber sitzt der 53-Jährige lässig auf seinem roten Massey Ferguson, Baujahr 1961 oder seinem Rabeneick Motorrad von 1953. "Die Atmosphäre auf Traktortreffen ist gemütlicher", sagt Krämer. Dort fachsimpelt er mit Gleichgesinnten, wenn er nicht bei seinen Hühnern und Wachteln zu Hause ist.Die drei sind sich einig: Auf dem Bulldog zu sitzen ist ein Lebensgefühl, Freiheit, Selbstständigkeit und ein erfüllter Kindheitstraum.

Auf vier Rädern fühle ich mich wohler.Michl Krämer (53)

Hintergrund

Der Club feiert 2019 sein zehnjähriges Bestehen und hebt sich das Traktortreffen für das Jubiläum auf. 2018 gibt es dafür wieder ein Hoffest. Am Freitag, 6. Oktober, ab 19 Uhr steht noch ein Zoiglfest beim "Bistl" an. Der Traktorclub Fichtelnaabtal erhält viel Unterstützung, vor allem bei Veranstaltungen durch den Baumaschinenhändler Karl Weileder aus Erbendorf mit Bauzaun und Absperrschildern, oder durch Land- und Forsttechnik Howa aus Neusorg, was Ersatzteile und technische Fragen angeht. "Unserem Hauptsponsor können wir nicht genug danken. Er hat immer ein offenes Ohr", erklärt Club-Vorsitzender Pöllath. (szl)

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