Tiere der Wüste in der schneebedeckten Oberpfalz
Kamele die zwei Könige

In Eberhardsbühl, Gemeinde Edelsfeld, leben die Kamele Ali (links) und Said (rechts) bei Alfons Heindl. Der 53-Jährige ist fasziniert von der Ruhe, die die Tiere der Wüste ausstrahlen. Bilder: Steinbacher (2)
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Edelsfeld
04.01.2017
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Ein Gewusel wie auf einem orientalischen Basar: Die Kamele von Alfons Heindl trotteten heuer an den Adventswochenenden mit stoischer Gelassenheit über den Weihnachtsmarkt auf Schloss Guteneck. Bild: hfz

Ein Tier der Wüste in der schneebedeckten Oberpfalz? Kein Problem für Ali (21) und Said (7). Die beiden Kamele leben in Eberhardsbühl bei Uschi Garhammer und Alfons Heindl. Kälte bis zu minus 50 Grad könnten die Trampeltiere wegstecken.

Ihre Vorfahren passten sich eben nicht der heißen Sonne Afrikas an, sondern den rauen Weiten Asiens. "Ali wurde in Russland geboren", erklärt Alfons Heindl, Said stamme aus einem Zoo in Heidelberg. Der 53-Jährige ist gemeinsam mit seiner Frau seit sechs Jahren stolzer Kamelbesitzer im Landkreis Amberg-Sulzbach.

Fünf Pferde, acht Rinder

Aber nicht nur: Auch fünf Pferde und acht Rinder residieren auf dem fünf Hektar großen Areal, das das Paar seit einem Jahr bewirtschaftet. Derzeit wohnen Ali und Said unter einem Hangar in der kleinen Ortschaft Eberhardsbühl in der Gemeinde Edelsfeld. Auf ihrer Wiese liegt eine fünf Zentimeter dicke Schneedecke. Als ihr Herrchen sie lockt, stapfen die braunen Gesellen munter an den Zaun. "Sie haben so eine unglaublich beruhigende Art und sind aber überhaupt nicht aufdringlich", beschreibt Heindl den Charakter seiner Schützlinge. Das habe ihn enorm fasziniert. Zwei Jahre in Folge beobachteten Garhammer und Heindl die Kamele auf einem Weihnachtsmarkt in Guteneck. Die großen Augen und das sanfte Gemüt der Tiere ließen sie nicht mehr los. Heute sind sie selbst zu Gast an den Adventswochenenden auf dem Gutenecker Weihnachtsmarkt. Wenn Hunderte von Menschen über das weiche Fell streicheln und die Kinder auf den Kamelen reiten, bleiben die Tiere trotz des Trubels gelassen. Für ihre Auftritte werden die beiden Burschen besonders farbenfroh geschmückt. Die Troddeln und Quasten näht Uschi Garhammer selbst. Für Mittelaltermärkte ziehen Herrchen und Frauchen die passenden Gewänder an: "Mongolisch oder arabisch." Wie viele Kamele es in der Oberpfalz gibt, weiß Heindl gar nicht. In Bayern sind es nur wenige.

Mit einer langen, zweigeteilten Schnute tasten sie die Hand behutsam nach Fressen ab. "Das sind wie zwei Finger." Erfolglos wenden sie sich wieder ihrem Heu zu. "Kamele sind sehr gute Futterverwerter. Noch bessere als Rinder", erklärt Heindl die kargen kulinarischen Vorlieben von Ali und Said - "und sie sind richtige Energiesparer. Wenn sie nicht müssen, bewegen sie sich auch nicht."

Bis zu 40 Jahre alt

Bis zu 40 Jahre alt können die Tiere werden. Wer auf einem Kamel durch den Landkreis reiten will, bucht bei Heindl eine geführte Trekking-Tour. Bei weiteren Strecken reitet er auf einem Pferd mit. Auch Kindergeburtstage können bei den Kamelen gefeiert werden. Aus der Ruhe bringt das Said und Ali allerdings genauso wenig wie die Ankündigung, dass sie vielleicht noch Zuwachs bekommen könnten. Heindl träumt von einer kleinen Zucht. Zumindest auf ihrer Ranch sind Said und Ali die unangefochtenen Könige.

Balthasars ReittierWer brachte die Kamele eigentlich mit in die Krippe? Die drei Weisen aus dem Morgenland? Im Matthäusevangelium (Kapitel 2) ist allerdings nicht von Königen, sondern lediglich von "Sterndeutern" die Rede. Überhaupt nicht erwähnt werden die Wüstentiere. Die Namen Caspar, Melchior und Balthasar kommen in einem Nachschlagewerk aus dem 6. Jahrhundert ("Excerpta Latina Barbari") zum ersten Mal vor. Bis ins 12. Jahrhundert sind Ursprung und Geschichte der Reliquien der Heiligen Drei Könige nur in legendarischer Form überliefert.

Das Bild der drei Weisen aus dem Morgenland, die Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen ist heute fest in biblischen Darstellungen verankert. Doch von wem ist das Kamel? Willi Herdegen von den Amberger Krippenfreunden klärte diesbezüglich auf. Zumindest nach vereinsinternen Überlieferungen werde die Krippenszene zum Dreikönigstag immer gleich dargestellt: Melchior bringt Gold und kommt als Europäer mit Pferden. Caspar vertritt Afrika, reist mit einem Elefanten an und bringt Weihrauch. Balthasar repräsentiert das Morgenland, bringt Weihrauch und hatte Kamele als Transportmittel dabei. (roa)


In einer Pferdeherde wird der Neue erst einmal verdroschen. Das gibt's bei Kamelen nicht. Da wenn ein Neuer kommt, haben die die Ruhe weg.Kamelbesitzer Alfons Heindl aus Eberhardsbühl
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