16.08.2014 - 00:00 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Kräuterbuschen: Ensdorfer Frauenbund pflegt Tradition seit 25 Jahren - Verkauf für guten Zweck Ein Segen für Mensch und Haus

Karin Scharl hat extra in der Chronik nachgeschaut - und war selbst überrascht: Seit genau 25 Jahren pflegt der Ensdorfer Frauenbund nun schon das Kräuterbuschenbinden zu Mariä Himmelfahrt. Die Tradition an sich reicht natürlich noch viel weiter zurück. Nur in der heutigen Form, mit dem Verkauf der Sträußchen für einen guten Zweck, existiert sie in der Vilstal-gemeinde seit 1989.

In vielen Pfarreien wird die Kräuterbuschen-Tradition zur Mariä Himmelfahrt gepflegt. Die AZ hat stellvertretend dem Ensdorfer Frauenbund beim Binden der Sträuße über die Schulter geschaut - und von Katharina Hafenbradl (Dritte von links) einiges über das Brauchtum erfahren. Bild: gf
von Heike Unger Kontakt Profil

Damals hat der Frauenbund diesen Brauch aufgegriffen und ihn in den Dienst einer guten Sache gestellt: Vor 25 Jahren band der Verein zum ersten Mal die Marien-Sträußchen, um vom Erlös die Anschaffung von Krippenfiguren für die Pfarrkirche zu unterstützen. Weil die Aktion so gut ankam und auch ihren Zweck erfüllte, ist der Verein bis heute dabei geblieben.

Viele helfen seit 25 Jahren

Viele der fleißigen Helferinnen, die am Donnerstag wieder Blüten, Kräuter und Getreide zusammenstellten, sind Frauen der ersten Stunde. Und sie können einiges erzählen über den Kräuterbuschen-Brauch. Katharina Hafenbradl berichtet beispielsweise, dass er in Ensdorf ursprünglich in der Landwirtschaft zu Hause war. "Die, die Tiere gehabt haben, haben Kräuterbuschen gebunden." Das sei zunächst keineswegs eine solch gesellige Aktion gewesen, wie sie es heute beim Frauenbund ist: Jede Bäuerin band zu Hause ihren eigenen Strauß, um ihn segnen zu lassen - davon erhoffte man sich Schutz für Menschen, Vieh und Haus.

Ein Gedanke, der den Brauch auch heute noch umrankt. Deshalb ist es wichtig, dass die Buschen an Mariä Himmelfahrt gesegnet werden. "Sonst hilft's nicht", erklärt Hafenbradl lächelnd. Und natürlich darf man das Sträußchen deshalb auch nicht einfach wegwerfen: Es wird unters Dach gehängt - und muss verbrannt werden, wenn es im nächsten Jahr durch ein neues ersetzt wird.

Getreide muss sein

An der Zusammenstellung hat sich nichts geändert: Die Ensdorferinnen verwenden Kräuter wie Minze und Lavendel, dazu Wildgewächse wie Rainfarn und Johanniskraut und als Farbtupfer Gartenblumen wie Phlox oder Heidekraut. Nicht fehlen dürfen Getreideähren. Auch wenn die Frauen damit sparsam umgehen müssen, weil sie nicht allzu viel davon haben: Mindestens drei Ähren pro Buschen müssen sein, heuer sind es Hafer. Dinkel und Roggen. Früher, erinnert sich Katharina Hafenbradl, gehörte unbedingt auch ein Runkelrübenblatt dazu. "Wir freuen uns, dass das Interesse so zugenommen hat", sagt Karin Scharl vom Führungsausschuss des Ensdorfer Vereins. Sie meint damit sowohl die Nachfrage beim Verkauf der Buschen vor den Gottesdiensten am Feiertag als auch die Bereitschaft, Pflanzen zu stiften und beim Binden mitzuhelfen.

So sei es auch diesmal kein Problem gewesen, Material und rund 20 Helfer um den großen Tisch im Durchgang des Klosters zur Bücherei zu scharen, die am Donnerstag in rund zwei Stunden etwa 200 Buschen banden. Der konkrete Zweck ist noch nicht bestimmt, sicher ist aber schon, dass der Verkaufserlös wieder einem guten Zweck zufließt.

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