Wie sich Menschen auf Veränderungen einstellen können - Vortrag beim Frauenbund
Abhängig durch Festhalten

Gertraud Kuhn, Mitarbeiterin der Kommission Sozial-caritativ, und Referentin Helga Kuttner (von links) freuten sich beim Vortrag "Tu dir was Gutes - lass los!" über zahlreiche Zuhörer. Bild: sön
Lokales
Ensdorf
23.04.2013
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"Ob ein Neuanfang im Beruf ansteht, ob eine neue Situation im persönlichen Leben oder in der Familie zu bewältigen ist - in allen Lebensbereichen müssen Menschen sich immer wieder auf Veränderungen einstellen." Dies betonten Gertraud Kuhn, Mitarbeiterin der Kommission Sozial-caritativ, und Referentin Helga Kuttner beim Vortrag "Tu dir was Gutes - lass los!" des Frauenbundes.

"Vieles gelingt uns sehr gut, doch gibt es immer wieder Situationen, wo unser Lebensrad knirscht", betonte Helga Kuttner im voll besetzten Pfarrsaal. Die einzelnen großen Lebensabschnitte, wie Kindheit, Erwachsener, älterer Erwachsener, erläuterte sie, seien vergleichbar mit sammeln, festhalten und auch loslassen. Daneben seien noch die einzelnen Lebensbereiche, zum Beispiel das Materielle wie Geld oder Besitz, das Emotional-mentale, so die Einstellungen, Vorstellungen, Bedürfnisse und Wertungen, aber auch das Soziale, etwa Beziehungen, Ansehen, Leistungen, Beruf und Stellung zu sehen, "an denen wir in allen Bereichen unseres Lebens festhalten können". Festhalten jedoch, führte die Referentin weiter aus, habe mit dem Ego zu tun und sei eine Abhängigkeit, "denn indem wir festhalten suchen wir Halt".

Zustand des Klammerns

Abhängigkeit sei daher ein gefühlsmäßiger Zustand des Klammerns, der aus der Überzeugung entstehe, dass man ohne einen bestimmten Menschen, einer Sache, einer Situation oder eines Ansehens nicht glücklich sein könne. An Beispielen und mit Übungen verdeutlichte Helga Kuttner die Auswirkungen des Festhaltens und beleuchtete die Wirkmechanismen, die hinter dem Festhalten stecken, und erläuterte, "warum es uns so schwer fällt loszulassen".
Das biologisch verankerte Grundbedürfnis nach Sicherheit, die Urängste und unser Gehirn, "das uns belohnt, wenn wir gewohnte Alltagshandlungen ausführen, doch bei einschneidenden Veränderungen denselben Botenstoff ausschüttet wie bei körperlichem Schmerz", seien hier zu sehen. Die Referentin führte auch die Symptome und folgendes Nichtloslassen den Zuhörern vor Augen und erläuterte die einzelnen Phasen des Loslassens. "Wenn wir loslassen, entscheiden wir uns, unseren Blick weg von der belastenden Situation nach vorne zu richten", so ihr Credo.

Verschiedene Phasen

Loslassen sei zwar eine reine Kopfsache und eine willentliche, jedoch keine Ad-hoc-Entscheidung, sondern ein Prozess der folgende Phasen durchlaufe: Das Nicht-wahrhaben-wollen, das Erkennen des Blockierenden, das Ansehen und Bewusstmachen der damit zusammenhängenden Gefühle, die Bilanz, das Akzeptieren der Situation, das Wertschätzen der Vergangenheit und das Verzeihen, die Entscheidung über das Loslassen, die innere Distanzierung und die Neuorientierung.

Sie erläuterte die einzelnen Phasen, zeigte Hilfen auf, die bei diesem Prozess helfen, zum Beispiel körperliches Abreagieren, Malen oder Aufschreiben: "Je mehr wir lernen zu vertrauen, desto leichter gelingt es uns auch loszulassen. Loslassen macht unabhängig, schenkt Gelassenheit, Sicherheit und inneren Frieden."
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