26.08.2016 - 11:34 Uhr
EnsdorfOberpfalz

30000 Euro für das Torhaus in Hirschwald Lottogewinn für Sanierung

"Dieses Geld ist absolut willkommen und gut angelegt", betonte Willi Schmid. Der Architekt und seine Kollegin Birgit Rieger sanieren das Torhaus in Hirschwald (Gemeinde Ensdorf). Sie haben dafür jetzt einen besonderen Zuschuss bekommen.

Das Torhaus, dessen Durchfahrt derzeit gesperrt ist, von der Ostseite aus gesehen. 125 000 Euro habe der erste Bauabschnitt für das Gebäude Hirschwald 4 gekostet, berichtete Architekt Willi Schmid, weitere 400 000 Euro seien für den zweiten Schritt veranschlagt. Bilder: sön (2)
von Hubert SöllnerProfil

Hirschwald. Für die Instandsetzung des Gebäudes stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) über die Glücksspirale 30 000 Euro zur Verfügung. Den symbolischen Fördervertrag überreichte Petra Schöllhorn vom Ortskuratorium Fränkische Stadtbaumeister der DSD im Beisein von Hans Menzl von Lotto Bayern den Denkmaleigentümern Birgit Rieger und Willi Schmid.

Das im Dorfkern gelegene, spätgotische Torhaus, durch dessen Bogen noch ein Sträßchen führt, wurde Mitte des 16. Jahrhunderts als Teil der Schlossmauer errichtet. Der zweigeschossige Bruchsteinbau mit Satteldach, Steingewänden und rundbogiger Tordurchfahrt ist das letzte bauliche Zeugnis der um 1530 errichteten Hofanlage, die eine Dependance der Wittelsbacher in der Oberen Pfalz war. Nach 1795 wohnte eine Bauernfamilie darin.

Reste des Jagdschlosses

Das Jagdschloss ließ Pfalzgraf Friedrich II. auf den Ländereien des im Zuge der Reformation säkularisierten Klosters Ensdorf errichten. Umgebaut wurde es nach einem Brand 1916. In den 1970er-Jahren brach man das ehemalige Jagdschloss ab: Heute sind von der einstigen Anlage nur noch die Kirche und einige Nebengebäude vorhanden, so der südlich angebaute, eingeschossige Steinstadel. Zu Kurpfälzer Zeiten war im Torhaus eine Schmiede untergebracht. Die heutige Scheune war die dazugehörige Stallung.

Kurpfälzer Zeugnis

Von den Gebäuden ist nur das Torhaus denkmalgeschützt. Seine Umfassungsmauern stammen noch aus der Zeit Friedrichs II., während das Innere und das Dachwerk 1916 nach dem Band in traditioneller Bauweise neu errichtet wurden. Trotz der Veränderungen des 20. Jahrhunderts ist das Torhaus ein wichtiges Zeugnis der kurpfälzischen Epoche der Oberpfalz. Nunmehr gehört es zu den über 350 Projekten, die die private Denkmalstiftung dank Spenden und Mittel der Glücksspirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Bayern fördern konnte.

Hintergrund

Über Jahrhunderte sei die Oberpfalz von Hirschwald aus regiert worden - davon ist Architekt Willi Schmid überzeugt: "Die Kurfürsten wohnten zwar im Schloss in Amberg, oft aber wurden Beschlüsse bei Jagden in Hirschwald gefasst".

Die Eigentümer Birgit Rieger und Willi Schmid wollen den historischen Bau mit der Anschrift Hirschwald 4 denkmalgerecht nutzbar machen und dabei sein kulturelles Potenzial wecken. Im Erdgeschoss des Torhauses ist eine kleine gastronomische Einrichtung, eine sogenannte Hutzastubn mit etwa 20 Plätzen geplant. Sie soll Besuchern des Naturparks und den Gästen des Torhauses eine gemütliche Einkehr bieten - und die Gelegenheit, Spezialitäten aus der Region zu genießen. Im Obergeschoss sind drei Gästezimmer vorgesehen.

Der Steinstadel als Teil des historischen Ensembles soll künftig für kulturelle Zwecke genutzt werden. Als geschichtsträchtiges Biotop sei er für unterschiedliche Kunst- und Kulturinteressierte von Bedeutung, sagen die Eigentümer. (sön)

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