18.02.2018 - 20:00 Uhr
Ensdorf

Gefahr für Spaziergänger im Hirschwald Alte Eiche "schweren Herzens" gefällt

Palkering. Der Taubenbacher Staatswaldrevierleiter Hubert Hecht hatte diesen stattlichen Baum im Hirschwald schon seit Monaten genau im Blick. Jetzt musste die Eiche in Palkering gefällt werden - aus Sicherheitsgründen.

Ein stattliches Exemplar, aber auch eine Gefahr für alle, die hier vorbei kommen: Diese alte Eiche bei Palkering musste deshalb gefällt werden. Bild:Thomas Verron/exb
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Seit Monaten hatte Hecht diesen Baum am Rand des Wegs zum ehemaligen Reviersitz Palkering nach jedem Sturm und Starkregen begutachtet. "Die Eiche barg drei Sicherheitsrisiken in sich", erklärt Thomas Verron, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten: Durch die steilen Ansätze "mit bis zu 15 Meter langen Ästen waren äußerlich schon beidseits Sollbruchstellen bis zum Stammfuß erkennbar". Auch eine beginnende Fäule im Stamm sei zu sehen gewesen - "die Eiche drohte sich zu spalten". Damit sei die Gefahr immer größer geworden, "dass bei einem Sturm ein Ast abbricht". Da der Baum an einem vielbewanderten Forstweg steht und Spaziergänger durch einen herabstürzenden Ast "schwerste bis tödliche Verletzungen" erleiden könnten, fiel laut Verron "schweren Herzens die Entscheidung für die Fällung".

Hubert Hecht beriet sich zuvor noch mit dem Forstbetriebsleiter und auch mit Forstwirtschaftsmeister Martin Lehmeier, die zu dem gleichen Urteil kamen. "Einem Förster fällt es nicht leicht, so einen imposanten Baum fällen zu lassen", sagt Verron: "Man steht schon ehrfürchtig und demütig vor so einer alten dicken Eiche. Mit rund 170 Jahren hat sie zwei Menschengenerationen erlebt und könnte von vielen Ereignissen in Palkering erzählen."

"Im Naturschutzkonzept der Bayerischen Staatsforsten werden solche alten, dicken Laubbäume prinzipiell als Methusaleme geschützt", betont Verron. Doch in diesem Fall "gehen die Verkehrssicherungspflicht und die Sorge für Leib und Leben der Spaziergänger vor. Glücklicherweise stehen weitere zahlreiche alte Eichen und Buchen im Revier, die der Natur überlassen werden. Generationen von Förstern hielten ihre schützende Hand über sie und werden es auch weiter tun."

Neuer Lebensraum

Zur Fällung der alten Eiche wurde zuerst die Forststraße gesperrt. Um die Gefahr für die Arbeiter zu entschärfen, brach ein Rückezug dürre Äste herunter. Dann wurde der Stamm mit einer Presse gegen Aufplatzen gesichert und der Baum in sechs Metern Höhe mit einer Seilwinde angehängt.

Hubert Hechts Idee war es, den Baumstock in 70 Zentimetern Höhe abzuschneiden und den Hauptstamm dahinter gesichert in einer gegrabenen Mulde zu lagern. Besucher des Naturparks Hirschwald, Kindergarten- und Schulkinder, die Amts- und Privatwaldförster Anton Preischl hier durchführt, können sich auf Stock und Stamm setzen, Brotzeit machen, die Jahrringe der alten Eiche zählen und den Baum am Geruch erkennen. Von hier aus hat man auch eine schöne Aussicht auf die Wiesenlandschaft Palkerings mit ihren Streuobstbäumen.

Etwa acht Kubikmeter Holz bleiben so in der Natur - mit Grün- und Dürrästen. Sie werden Lebensraum für Moose, Flechten, Pilze und Insekten. Es wird Jahrzehnte dauern, bis der Stamm verrottet. Mit etwas Glück siedelt sich dort auch der seltene Hirschkäfer an, der altes Eichenholz als Brutraum benötigt. Der Eichenmulm in der späteren Zersetzungsphase bietet zahlreichen anderen seltenen Käferarten einen Lebensraum. (exb)

Einem Förster fällt es nicht leicht, so einen imposanten Baum fällen zu lassen.Thomas Verron
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