22.06.2017 - 20:00 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Klimaveränderungen Thema bei Waldspaziergang Pinien künftig auch im Oberpfälzer Wald?

Gibt es in Jahrzehnten Pinienarten aus dem Mittelmeerraum auch in unseren Wäldern? Dieses Szenario ist zwar noch weit entfernt - aber wenn es mit den Klimaveränderungen so weitergeht, "werden wir uns auch mit diesem Thema befassen müssen", meinte Revierförster Werner Lang.

Eggenberg bei Ensdorf war der Ausgangpunkt für einen Rundgang durch Teile des Hirschwaldes. Eingeladen hatte dazu die Umeltstation des Klosters Ensdorf mit ihrer Leiterin Gloria Reithmaier (links)
von Paul BöhmProfil

(bö) Der Fachmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Amberg griff dieses Thema bei einer Exkursion durch Teile des Hirschwaldes auf. Ausgangspunkt war die Wallfahrtskirche auf dem Eggenberg bei Ensdorf. Eingeladen hatte dazu die Umweltstation des Salesianerklosters Ensdorf mit ihrer Leiterin Gloria Reithmeier. Forstbetreuer Werner Lang und der Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten, Thomas Verron, informierten über "Naturschutz im Wald".

Welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Natur hat, war ebenso Diskussionsthema wie die Pflege des heimischen Waldes, der Wegebau und die künftige Gliederung der Waldbestände. Ein Picknick bot Gelegenheit, diese Aspekte noch zu vertiefen. Wie Förster Lang, für Privat- und Körperschaftswald zuständig, anmerkte, komme der beratenden Tätigkeit und der Bewirtschaftung der Wälder künftig große Bedeutung zu. "Wir möchten den Menschen erklären, was wir draußen machen und warum wir dies tun."

Der ausgeprägte Waldwegebau sei in den vergangenen Jahren immer wieder ein Thema gewesen, sagte Beate May vom Kreisverband des Bund Naturschutz: Dass der dachmäßige Aufbau der Waldwege besonders für Radfahrer und Wanderer nicht besonders einladend sei, höre man immer wieder.

Thomas Verron verwies darauf, dass aus dem Forst ein Unternehmen geworden sei, das wirtschaftlich geführt werden müsse: "Dazu gehören ordentlich hergerichtete Waldwege." Für eine Bewirtschaftung habe es sich als sehr zweckmäßig herausgestellt, wenn die Wege dachförmig ausgerichtet sind: "Unser Ziel ist es, den Graswuchs auf den Waldwegen zu beseitigen, um so die Wegekörper gut in Schuss halten zu können."

Zur Maschinen-Bewirtschaftung des Waldes hörte man bei der Exkursion, dass diese Art der Baumfällung mit einem Für und Wider betrachtet werden könne: "Wir können aber vermeiden, dass durch einen fallenden Baum eine Schneise geschlagen und andere Bäume beschädigt werden", erläuterte Verron.

Ziel: Mischwald

Ein Schwerpunkt der Waldbewirtschaftung der kommenden Jahre sei es, die Fichten-Monokulturen zurückzufahren, erläuterte Förster Werner Lang. Dass diese Baumart in unserer Region hervorragend wachse und schnell gut zu verarbeitendes Bau- und Brennholz liefere, sei der Grund dafür gewesen, dass man hier sehr viele Fichtenbestände finde. Der Nachteil sei die Versauerung des Bodens durch diesen Flachwurzler. Dazu komme der zunehmende Befalls mit Borkenkäfer, Buchdrucker und Kupferstecher.

"Unser Ziel ist es, einen guten Übergang zu Mischwäldern zu finden", betonte Lang. Insgesamt seien aber in der Oberpfalz noch Kiefern dominant. Wichtig sei es, wegen des fortschreitenden Klimawandels die Waldstruktur von Grund auf zu verändern und den neuen Bedingungen anzupassen: "Der Klimawandel lässt grüßen, wir stecken schon mittendrin." Künftige Wälder müssten mit weniger Wasser bis hin zu monatelanger Trockenheit zurechtkommen und auch Stürme aushalten. Aber: "Wir wissen leider nicht, wie die Zukunft aussieht". Die Stärkung der natürlichen Vielfalt sei die Herausforderung für die Wald- und Forstwirtschaft.

Während viele Forstwirte bei uns auch auf die nordamerikanische Douglasie setzen, weil sie mit geringeren Niederschlägen und höheren Temperaturen gut zurechtkommt, halten andere die Buche und andere Laubbäume für die bessere Lösung, war in der Diskussion zu hören. Man könnte darüber glatt vergessen, dass der Wald auch Natur ist: Grüne Lunge, Lebensraum, Wasserreservoir, Holzlieferant. In Bayern gibt es besonders viel davon - mit fast 25 000 Quadratkilometern zusammenhängenden Baum-Arealen und damit fast 30 Prozent der Fläche des Freistaats. (bö)

Thema Borkenkäfer

Von den in Bayern lebenden Borkenkäfer-Arten haben zwei eine besondere große Bedeutung für den Wald - der Buchdrucker und der Kupferstecher. Beide leben fast ausschließlich an der Fichte. Unter günstigen Bedingungen können sie sich innerhalb eines Jahres massenhaft vermehren. Mehrjähriger starker Befall habe zwischen 2003 und 2006 im westlichen Mittelfranken Tausende Hektar Fichten vernichtet, sagte Werner Lang - eine Folge des Klimawandels und der daraus resultierenden Witterungsextreme, die zunehmen würden. Wichtigste Maßnahme sei eine Waldwirtschaft, die möglichst wenig Brutraum biete - "geschwächte Fichten oder frische Resthölzer, Gipfelstücke und Äste, die nach einer Holzernte liegengeblieben sind". Befallene Bäume sollten schnellstmöglich, spätestens aber bevor die Käfern ausfliegen, geschlagen und aus dem Wald abgefahren werden. (bö)

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