18.10.2017 - 17:08 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Christian Schröfl hat mit 15 Jahren den Segelflugschein bestanden Spiel mit den Wolken

Christian Schröfl ist 15 Jahre alt und Besitzer eines Segelflugscheins. Damit ist er der jüngste Segelflieger in der Geschichte der Flugsportgemeinschaft Steinwald.

Christian Schröfl nach seinem ersten Alleinflug.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Erbendorf/Grafenwöhr. Alleine Auto fahren darf er erst mit 18 Jahren, fliegen allerdings bereits mit 16 Jahren. "Die Zeit vergeht wortwörtlich wie im Flug", schwärmt Christian Schröfl über sein Hobby. Der 15-jährige Erbendorfer hat seit September seinen Segelflugschein. "Der Aufwand hat sich gelohnt. Die Lernerei klingt abschreckend, aber das Fliegen entschädigt für alles", lautet sein Fazit. Und der Aufwand hatte es in sich. Neben der Schule lernte der Erbendorfer für die Prüfungen: Funksprechen, Luftrecht, Meteorologie, Navigation, Luftfahrzeugkunde, Flugplanung und weitere Fächer musste der Schüler pauken. "Vor allem Meteorologie und Navigation sind schon anspruchsvoll. Das hat viel mit Physik und Mathematik zu tun", erklärt er, "allerdings hat ihm das in der Schule auch weitergeholfen", sagt sein Vater.

Auf die Idee kam er durch einen Bekannten seiner Schwester, erzählt Christian. "Beim Flugplatzfest 2015 bin ich das erste Mal mitgeflogen und war infiziert", erinnert sich der 15-Jährige. Die Familie selbst hat keine Verbindung zur Fliegerei. Christian zeigte aber schon als Kind viel Interesse an Flugzeugen. "Der Sport ist schön anzusehen, aber wir waren schon überrascht", erzählen die Eltern über den Tag, als ihr Sohn sich das Hobby Segelfliegen aussuchte. Ungefährlich ist das nicht, dessen sind sich die Eltern bewusst. Als Christian im August 2016 den ersten Alleinflug absolvierte, rief der Fluglehrer die Eltern an und teilte ihnen mit, dass ihr Sohn in diesem Augenblick zum ersten Mal alleine starten werde. "Wir sind sofort zum Auto und in Richtung Flugplatz gefahren, haben ihn dann aus dem Auto bereits fliegen sehen", berichtet die Mutter. Ihr Mann stimmt zu: "Natürlich macht man sich seine Gedanken, aber man darf sich einfach nicht überschätzen." Christian beruhigt, denn er mache nur Dinge, die er auch beherrsche.

In einer Höhe zwischen 500 und 2000 Metern fliegt er dann mit etwa 100 Kilometern pro Stunde. "Man sieht seinen Ort von oben, manchmal kann man bis Weiden, Tirschenreuth oder Marktredwitz sehen. Das ist Wahnsinn", beschreibt er. Vor allem hat es ihm aber die Ruhe angetan: "Kein Motorengeräusch, keine Kopfhörer. Man spielt mit der Natur und hört nur die Winde pfeifen." Tatsächlich sind Segelflieger mit der Natur im Einklang, denn Auftrieb gibt die richtige Thermik. Deswegen muss der Pilot die Wolken beobachten, um die besten Stellen zu finden, und diese ansteuern, um den Gleitflug zu verlängern. "Ein gutes Zeichen sind immer Greifvögel, denn die zeigen meist gute Thermik an. Deswegen halte ich auch nach ihnen Ausschau", erklärt Christian.

Um nach oben zu kommen, braucht sein Segelflieger allerdings die Hilfe einer Seilwinde oder eines Schleppflugzeugs. Mit einem Seil wird er dann in die Luft gezogen, klinkt sich aus und bleibt dank der thermischen Aufwinde in der Luft. "Es ist schon ein Mannschaftssport, denn ohne Hilfe kommt man nicht in die Luft", erklärt Christian. Dann kann stundenlang geflogen werden, wenn der Pilot die passenden Aufwinde erwischt. Das ist anstrengend, denn ständig müssen der Luftraum, die Wolken, die Luftverkehrsregeln beachtet und der Funkverkehr mitgehört werden. Wichtig ist auch, die Orientierung nicht zu verlieren. Zum Landen ordnet sich der Segelflieger in die Platzrunde ein, ordnet sich zunächst parallel versetzt zur Landebahn ein und steuert dann die Landebahn an. Dafür gibt es nur einen Versuch, denn ein Durchstarten ist ohne Motor nicht möglich. Die meisten Segelflieger landen auf Wiesen oder Äcker, weil es schonender für die Räder ist.

Bei der praktischen Prüfung absolvierte Christian zwei Flüge mit dem Prüfer und musste verschiedene Übungen meistern. Langsamflug, Schnellflug, Kurvenflug mit Steilkurven bis zu 70 Grad Neigung und das Trudeln waren einige Herausforderungen für den jungen Nachwuchsflieger. Vor allem das Trudeln, ein Notverfahren, bei dem der Segelflieger zur Seite abkippt, machte seine Mutter nervös. "Aber da haben mich die Kollegen am Boden schnell beruhigt", meint sie schmunzelnd.

Im Februar 2018 wird Christian 16 Jahre alt und erhält von der Landesluftfahrtbehörde in Nürnberg die Segelfluglizenz. Immerhin zwei Jahre bevor er alleine Autofahren darf. Für die Zukunft hat Christian schon Pläne. Wenn er in der Saison 2018 zehn weitere Flugstunden absolviert, darf er auch Passagiere im Doppelsitzer mitnehmen.

"Der Flugschein ist aufbaufähig, was bedeutet, dass ich zum Beispiel einen Motorseglerschein machen kann." Entschieden hat er das noch nicht. Dass der Segelflugschein nicht billig ist, gibt der 15-Jährige zu: "Klar, es ist ein teueres Hobby, aber ich habe mir das Geld selbst zusammengespart und auf einige Dinge verzichtet."

Nach der Schule will er studieren und kann sich vorstellen, sein Hobby irgendwann auch zum Beruf zu machen. Aber das ist Zukunftsmusik, denn im Winter steht erstmal die theoretische Auffrischung an und danach haben sich Vater und Opa bereits als Mitflieger angekündigt.

Info

Die Flugsportgemeinschaft Steinwald fliegt auf dem Segelfluggelände Erbendorf-Schweißlohe. Der Aero-Club Erbendorf bildet Interessierte zur Ultraleicht-Lizenz aus. Der Partnerverein Sfv Grafenwöhr bildet zur Segelflug-Lizenz aus, anschließend kann der Segelflugscheininhaber zur Motorsegler-Lizenz weiter ausgebildet werden.

Voraussetzung für eine Ausbildung ist die Mitgliedschaft im entsprechenden Verein. Bei Jugendlichen ist die Zustimmung der Erziehungsberechtigten erforderlich.

Die jetzt gültige europäische Regelung erlaubt einen Beginn der Ausbildung auch unter 14 Jahren. Der Ausbildungsleiter muss beurteilen, ob der Flugschüler die notwendigen Voraussetzungen erfüllt.

Die Ausbildung dauert im Regelfall mindestens zwei Flugsaisons. Zunächst fliegt ein Flugschüler mit den ehrenamtlichen Vereinsfluglehrern bis zur Alleinflugreife. Vor dem ersten Alleinflug muss die Fliegertauglichkeit durch eine medizinische Untersuchung bei einem Facharzt nachgewiesen werden. Im Winter findet der kompakte Theorieunterricht statt.

In der zweiten Saison fliegt der Flugschüler weiterhin alleine und wird parallel bis zur praktischen Prüfungsreife weiter geschult. Nach dem theoretischen Unterricht folgt die Theorie-Prüfung beim Luftamt Nordbayern in Nürnberg. Wenn die Flugausbildung abgeschlossen ist, folgt die praktische Prüfung mit einem Prüfer vom Luftamt Nürnberg.

Die Kosten einer Segelflugausbildung können variieren. Insgesamt ist mit etwa 3000 Euro zu rechnen. Ansprechpartner für Interessierte ist Gerd Döhrling, Telefon, 0171/5269285. (gdö)

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Weitere Informationen:

www.fsg-steinwald.de

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