22.05.2018 - 20:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Islam und Christentum Ein junges Phänomen

Beim Vortrag "Islam und Christentum - Brüder oder Feinde?" begeisterte Pfarrer Dr. Werner Konrad im Erbendorfer Kolpinghaus die Zuhörer. Für das Problem des Islamismus sieht er einen Lösungsansatz.

Pfarrer Dr. Werner Konrad aus Viechtach referierte beim Vortrag "Islam und Christentum - Brüder oder Feinde?" im Kolpinghaus Erbendorf. Organisiert hatten den Termin die Pfarrei in Zusammenarbeit mit der KEB. Bild: njn
von Jochen NeumannProfil

"Hoffnung sehe ich in der Entwicklung eines 'europäischen Islam', der die starren Fronten aufweicht und den Islam reformieren kann." Das stellte Pfarrer Dr. Werner Konrad aus Viechtach beim Vortrag "Islam und Christentum - Brüder oder Feinde?" im Kolpinghaus fest. Neben den gemeinsamen Wurzeln der Religionen schlug er eine Brücke zu den gegenwärtigen Problemen.

Pfarrei und KEB

Es war interessanter und kurzweiliger Vortrag, den der Islam-Kenner Pfarrer Dr. Werner Konrad im Kleinen Saal des Kolpinghaus mit dem Thema "Islam und Christentum - Brüder oder Feinde?" hielt. Initiiert wurde die Veranstaltung durch die katholische Pfarrei in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Erwachsenenbildungswerks (KEB) Tirschenreuth.

"Das Thema Brüder oder Feinde kennt man auch unter Geschwistern", sagte der Pfarrer zum Einstieg ins Thema. "Denn manchmal sind die beiden Begriffe gar nicht weit voneinander weg." So, wie es unter Geschwistern Rangkämpfe gebe und sie um die Liebe der Eltern buhlten, müsse man sich auch das Verhältnis zwischen den Weltreligionen Islam und Christentum vorstellen.

Auf eine Reise durch die Geschichte nahm Dr. Konrad die Zuhörer mit, als er über die Grundlagen des Christentums und des Islams sprach. Dabei sparte er auch die Probleme des Islamismus nicht aus. "Was für das Christentum die Person Jesu Christi ist, ist für den Islam die Heilige Schrift des Koran." Im Christentum werde Jesu als das fleischgewordene Wort Gottes gesehen und entsprechend verehrt. Der Pfarrer stellte fest, dass im orthodoxen Islam keine Veränderung beziehungsweise Übersetzung des Koran möglich sei. "Nur der Koran in der arabischen Sprache, wie sie zur Zeit des Propheten Mohammed gesprochen wurde, ist in der strengen Auslegung des Islam gültig", so Dr. Konrad.

Die Frage, was der entscheidende Unterschied zwischen islamischem und christlichem Denken sei, beantwortete er mit dem Verweis auf ein unterschiedliches Geschichtsverständnis. "Wir Christen sind heute überzeugt, dass die Bibel über einen Zeitraum von mehreren Hundert Jahren entstanden ist und sich der Glaube an Jesus als den Christus und Sohn Gottes auch entwickelt hat", betonte der Referent. "Das heißt, während sich die Geschichte und damit auch die Glaubensgeschichte im christlichen Verständnis entwickelte, geht der islamische Glaube von einem statischen Geschichtsverständnis aus." An der Religion könne sich daher nichts verändern.

Durch Jahrtausende

In einem Flug durch zwei Jahrtausende Geschichte legte der Referent eindrucksvoll dar, dass Islam und Christentum die gleichen Wurzeln haben. "Sie sind im gleichen Kulturraum entstanden sind und haben sich miteinander entwickelt."

Nach seinen Worten herrschte über Jahrhunderte hinweg mehrheitlich ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Muslimen. Im frühen Mittelalter war zunächst die arabische Kultur der westlichen weit überlegen, während in späteren Jahrhunderten und vor allem im Zeitalter des Kolonialismus die Welt als "Hinterhof Europas" verstanden wurde. Als "junges Phänomen" bezeichnete Dr. Werner Konrad den Islamismus und den islamistischen Terror. "Dahinter steht die wahhabitische Ideologie aus Saudi-Arabien, die seit rund 100 Jahren die ideologische Grundlage des Islamismus liefert", so der Pfarrer. "Der Islamismus pervertiert den Islam und benutzt eine Religion, um gegen den Westen zu kämpfen."

"Nicht nur die christlichen Minderheiten, die in den Ländern des Nahen Ostens gerade ausgerottet werden, sondern auch liberalere Strömungen des Islam, wie zum Beispiel der Sufismus, werden von islamistischen Terroristen angegriffen." Hoffnung sieht der Referent in der Entwicklung eines "europäischen Islam", der reformieren kann.

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