02.10.2017 - 20:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Unterwegs auf dem Simultankirchen-Radweg Ökumenische Radltour

Trotz düsterer Vorhersage passte das Wetter bei der ersten Tour auf dem Simultankirchen-Radweg im Landkreis Tirschenreuth der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB), des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Kreisverband Wunsiedel sowie der Evangelischen Erwachsenenbildung (EBW) Weiden.

Fit und mit einem Lachen im Gesicht startet die Radlergruppe ihre Tour in Erbendorf. Bild: Werner Zuleger
von Autor LEKProfil

Elf Radler erkundeten mit Tourenleitern Werner Zuleger vom Fichtelgebirgsverein (FGV) Friedenfels und Klaus Gottfried vom ADFC Wunsiedel sowie dem Organisator, Hans Stelzl von der KEB Tirschenreuth, vier Simultankirchen, drei ehemalige sowie eine noch aktive.

Evangelische und katholische Gemeinden nutzten die Kirchen gemeinsam. Pfalzgraf Christian August von Sulzbach hatte dies 1652 verordnet. Pfarrer Martin Besold (Erbendorf), Pfarrerin Nadine Schneider (Thumsenreuth und Krummennaab) und Pfarrer Manuel Sauer (Wildenreuth) zeigten ihre Kirchen und erzählten von deren Geschichte. So bekam die katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Erbendorf (Simultaneum von 1663 bis 1918) nach 16 Jahren Auseinandersetzung 1849 eine Drehkonstruktion mit einem zweiten Altarbild, um der evangelischen Seite gerecht zu werden.

In der evangelisch-lutherischen Kirche St. Ägidius in Thumsenreuth (Simultaneum von 1663 bis 1930) beeindruckten die Kassettendecke mit Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament sowie der "Triumphzug der Bundeslade" an der Emporenbrüstung. Nach der Teilung der protestantischen Pfarrgründe zu Thumsenreuth und Krummennaab per Los, musste der Pfarrbauer mit Gewalt aus dem Pfarrhaus vertrieben werden. Das wiederholt notwendige Umdecken des Chrorraums und Altars war in der heute evangelisch-lutherischen Kirche St. Leonhard in Krummennaab (Simultaneum 1663 bis 1930) Anlass für Reibereien zwischen den Konfessionen. Auch wenn der Gottesdienst der anderen Gemeinde dringend vorbereitet werden sollte, wurde gemächlich nach dem Motto "Jetzt sind wir noch da" abgedeckt. Das Simultaneum in St. Jakobus in Wildenreuth musste 1663 mit bewaffneten Reitern eingeführt werden - es hält aber noch immer. Heute gibt es regelmäßig ökumenische Wortgottesdienste.

Eine Bereicherung waren die Akanthusaltäre in den katholischen Kirchen Herz Jesu Thumsenreuth und St. Katharina Reuth, sowie die ökumenische Auferstehungskapelle in Kohlbühl, bei der die linke Wand zur katholischen, die rechte zur evangelischen Kirche zeigt.

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