23.02.2018 - 11:06 Uhr
Erbendorf

Jürgen Buchner ("Haindling") im Interview "Es geht nur ums Geld, nicht um Schönheit“

Jürgen Buchner (73) ist Gründer, Leadsänger und kreativer Kopf der Bayernpop-Kultband „Haindling“. Gerade ist er von der Jubiläumstour zum 35-jährigen Bestehen der weit über Bayerns Grenzen hinaus bekannten Formation in den schönen niederbayerischen Wallfahrtsort, Namensgeber der Band, zurückgekehrt. Dort bewohnt er zusammen mit seiner Frau Ulrike mehrere, liebevoll restaurierte und fantasievoll eingrichtete historische Häuser.

Jürgen Buchner. Bild: helloconcerts
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Immer wieder engagiert sich Buchner in seinen mundartlich-humoristischen Texten für den Schutz seiner bayerischen Heimat. Vor kurzem wurde er Mitglied des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) mit Sitz in Erbendorf. Mit VLAB-Beiratsmitglied Georg Etscheit sprach er über den aktuellen Heimatboom, die Invasion der Windräder in bayerischen Landschaften und seine Erwartungen an den designierten Ministerpräsidenten Markus Söder.

Herr Buchner, Sie sind zusammen mit Ihrer Kultband Haindling Mitbegründer eines neuen, bayerischen Heimatgefühls. Freuen Sie sich darüber, dass jetzt plötzlich alle von Heimat sprechen und in Deutschland reihenweise Heimatministerien gegründet werden? Buchner: Mit Heimat, wie ich sie verstehe, hat das nicht viel zu tun. Eigentlich geht’s nur um Geld. Ich hab das doch alles schon mitgemacht: Sie bauen und bauen, hier muss noch eine Straße her, dort ein Flughafen, da einen Kanal. Da muss der Wald weg, da kommt der Beton her. Und dann heißt es, der Trachtenanzug passt doch so gut und dann ziehen sie ihn an. Die Leute, die alles betonieren, laufen alle im Trachtenanzug herum und schwärmen von unserer Heimat.

Frage: Überall neue Shoppingcenter auf ehemals grüner Wiese, Gewerbegebiete, Logistikparks, Solarfelder, Windräder - touren Sie eigentlich noch gerne durch Bayern? Buchner: Im Sommer schon noch, im Winter weniger . Wissen Sie, über was ich mich zur Zeit wahnsinnig ärgere?

Frage: Wir sind gespannt! Buchner: Ich beobachte seit einigen Jahren, dass im Winter überall in Bayern alle Bäume und Büsche entlang von Gleisen und Straßen rigoros beseitigt werden. Die werden oft mit Stumpf und Stiel einfach herausgerissen. Und wenn dann im Frühjahr die Zugvögel kommen, haben sie nix mehr zu fressen und keinen Platz, um ihre Nester zu bauen. Dabei redet doch jeder vom Bienensterben, vom Insektenstreben und dass die Vögel immer weniger werden. Ich versteh das nicht.

Hier bei Ihnen zu Hause in Haindling haben die Fälltrupps auch ganz schön gewütet …

Buchner: Sieht aus wie nach einem Bombenanschlag. Ich könnte ja noch verstehen, dass sie sagen, es ist wegen der Sicherheit, dass keinem ein morscher Ast auf den Kopf fällt. Aber warum müssen dann auch die Büsche weg? Die tun doch niemand was!

Sie haben das jüngst auch öffentlich kritisiert, im Frühschoppen des Bayerischen Fernsehen. Wie waren die Reaktionen? Ich hatte mich eigentlich direkt an die Politiker gewandt, aber von denen hat sich natürlich niemand gemeldet. Dafür habe ich viele Zuschriften aus ganz Bayern bekommen von Leuten, denen das auch auf den Keks geht.

Auf dem Weg zu Ihnen kommt man zwischen Nürnberg und Regensburg an vielen Wind- und Solarparks vorbei. Freut es Sie, dass es offenbar vorangeht mit der Energiewende? Über die vielen Windradl ärgere ich mich. Man kann doch unsere bayerischen Landschaften nicht mit diesen Maschinen vollstellen. Wenn sich überall alles nur noch bewegt, das sind doch keine schönen, ruhigen Landschaften mehr.

Wenn es nach dem Willen der Erneuerbaren Energien-Lobby ginge - und übrigens auch des Bundes Naturschutz - müssten in Bayern und andernorts noch viel mehr Windräder gebaut werden. Für mich ist das alles nur ein großes Geschäft. Die größte Energiewende wäre doch Energie einzusparen. Wenn ich allein sehe, wie nachts jedes Geschäft, jede Fabrik alles hell beleuchtet ist, das kostet doch wahnsinnig viel Energie. Wenn man da sparen würde, wäre viel gewonnen. Aber leider steigt unser Energiebedarf ja immer weiter an. Das ist ein Krebsgeschwür ohne Ende.

Sie sind ein Umweltschützer der ersten Stunde, haben gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf gekämpft und für die frei fließende Donau.

Ja, das mit der Donau war eine tolle Sache. Das stand in jeder Zeitung. Mein Donaulied, das ich dem Seehofer vorgesungen habe, hat ihm wirklich zu denken gegeben. Danach hat er entschieden, die Staustufen abzublasen.

Ärgert es sie, wenn jetzt bei der Energiewende im Namen des Umweltschutze schon wieder die Landschaften und die Umwelt zerstört werden? Natürlich ärgert mich das. Aber man kann das gewissermaßen als Evolution begreifen. Der Mensch muss alles fröhlich ausprobieren und wird, wenn überhaupt, erst hinterher schlauer. Damit muss man leider fertig werden. Kennen Sie diesen Song von mir: Mein Gott, wie sind wir lustig, so lustig warn wir fast noch nie, wir kemma ausm Lachen gar nicht mehr heraus, da können wir nix dafür, uns tut schon vor lauter Lachen, lauter Lachen alles weh. Wir liegen schon am Boden und kommen nicht mehr in die Höh, helfts uns, helfts uns, so kann es nicht weitergehn. Und wenns nicht grad so lustig wär, dann wärs schon fast zum Weinen. Das Lachen das ist viel zu laut, aber des hört keiner. Rückwärts können mir nimmer gehen und vorwärts gehts nicht weiter. Hättn mir das vorher gewusst, dann wärn wir jetzt viel gescheiter.

Uns wird gesagt, dass mit der Energiewende neue „Energielandschaften“ entstehen, die man bald auch als schön empfinden wird. Überzeugt Sie diese Argumentation? Diese Monster sollen schön sein? Lächerlich. Wenn überhaupt, könnte ich sie mir auf Industriebrachen vorstellen oder entlang von Autobahnen, wo eh schon alles kaputt ist. Aber nicht überall in der Landschaft.

Fürchten Sie, dass nachfolgende Generationen vielleicht gar nicht mehr wissen, wie schön Bayern einmal war?

Das wird wohl so sein. Wer Schönheit, wer Romantik noch kennt, braucht das. Aber wer das nicht mehr kennen gelernt hat, empfindet natürlich keinen Verlust. Also müssen wir, die es noch kennen, alles dafür tun, damit noch was übrig bleibt.

Sie kritisieren bei Ihren jüngsten Konzerten auch den übermäßigen Handygebrauch. Haben Sie selbst ein Handy? Meine Frau hat ein uraltes Handy nur zum Telefonieren. Und im Auto habe ich ein Autotelefon.

Was stört Sie daran? Mich stört das Menschenbild der Smartphone-Generation. Wenn alle nur noch in das kleine Rechteck starren. Oder wenn man Leute trifft, wird zuerst gewischt: geh, schau mal her. Und wenn beim Essen die Handys auf den Tisch gelegt werden, finde ich das entsetzlich. Ein totaler Kulturwandel. Krank!

Denken Sie da nicht zu konservativ? Das ist jetzt eben mal so.

Ich finde es schrecklich, wenn alles Neue widerspruchslos angenommen wird. Wenn damit ein Riesengeschäft gemacht wird und die Leute gar nicht merken, wie sie manipuliert werden.

Was erwarten Sie sich eigentlich von unserem künftigen Ministerpräsidenten Markus Söder? Ich erwarte von ihm das, was ich von ihm schon kenne. Er hat das Anbindegebot in der Raumplanung aufgeweicht, das Riedberger Horn für einen neuen Lift geöffnet, den dritten Nationalpark zu den Akten gelegt. Und er will die 3. Startbahn in München bauen. Söder wird rigoros die Wirtschaft bedienen. Nach vier Jahren wird man fragen, wie hat sich unter ihm die Wirtschaft entwickelt, aber nicht, wie hat sich die Schönheit entwickelt. Es geht ihm nur ums Geld.

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