01.05.2018 - 20:48 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Kerstin Homberg setzt sich in Kampfabstimmung als Vizepräsidentin durch Fränkischer Sängerbund bemüht sich um harmonischen Gleichklang

Die Harmonie unter den Sangesbrüdern weist noch Potenzial auf. Bei der Hauptversammlung des Fränkischen Sängerbunds (FSB) kippten die Delegierten die vom Präsidium vorgeschlagene Beitragserhöhung von 9,50 auf 9,90 Euro im Jahr für die fast 40 000 Mitglieder zählenden Chöre in Nordbayern. Die "Basis" probte erfolgreich mit 100 von 197 Delegiertenstimmen den Protest: Weil die Anhebung im Vorfeld offenbar nicht ausreichend kommuniziert wurde und der saftige Aufschlag des Deutschen Chorverbands von 1,80 auf 2,60 Euro pro Mitglied jährlich einfach an den Gliederungen durchgereicht werden sollte.

40 Jahre lang gehörte Erich Hiltl (links) aus Kümmersbruck dem Präsidium des Fränkischen Sängerbunds an. Dessen neuer Präsident, Professor Friedhelm Brusniak, dankt ihm für das "unglaubliche Engagement". Bild: cf (2)
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

In der Stadthalle Erbendorf (Kreis Tirschenreuth) appellierte der seit 24 Jahren amtierende Präsident Peter Jacobi, an das "große Ganze" zu denken - und "Kritik nicht der Kritik willens" zu üben. Der Vorsitzende des gastgebenden Sängerkreises Nordoberpfalz, Georg Ebenhöch, brachte das Unbehagen über das Finanzgebaren deutlich zum Ausdruck. Im Hintergrund schwelt eine ernsthafte Auseinandersetzung im Deutschen Chorverband, an dessen Spitze der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff steht. Etliche Landesverbände sind bereits ausgetreten.

Immerhin einstimmig - per Akklamation - votierten die Delegierten für Professor Friedhelm Brusniak als neuen Präsidenten. Der eloquente Musikwissenschaftler (Uni Würzburg) empfindet das Singen im Chor als Herzensangelegenheit und kostbares Kulturgut unter dem Motto "traditionsbewusst und zukunftsorientiert". "Es geht um die Chor-Landschaft in Bayern und in Deutschland", unterstrich er nach seiner Wahl. Wie berichtet, leiden besonders die Männerchöre an bedrohlicher Überalterung, zahlreiche Chöre "sterben" (Ebenhöch). Die finanzielle Unterdeckung von mindestens 40 000 Euro im laufenden Haushalt - durch die verweigerte Beitragserhöhung - dürfte deshalb das geringste Problem für den Sängerbund darstellen. Der neue Präsident Brusniak versprach, "rasch nachzudenken, wie wir die Probleme anpacken".

Nach sechs Jahrzehnten Zugehörigkeit zum Fränkischen Sängerbund - davon 40 Jahre im Präsidium - verabschiedete Präsident Brusniak den Medienbeauftragten Erich Hiltl: Die Leistungen dieses "Urgesteins" werde man noch in Jahrzehnten zu schätzen wissen. Brusniak lobte die Würde und das menschliche Feingefühl Hiltls. Die ganztägige Bundesversammlung bescherte den Oberpfälzern erfreuliche personelle Resultate: Mit den am Abstand meisten Stimmen (161) setzte sich Kerstin Homberg aus Etzenricht in geheimer Abstimmung bei der Wahl der drei Vizepräsidenten durch. Bis 2010 hatte die aus Erbendorf stammende Elisabeth Liedl 17 Jahre lang als Vizepräsidentin im FSB gewirkt - und dann Homberg für die Verbandsarbeit gewonnen. Bereits am Vormittag wählten die Delegierten Rechtsanwalt Hans-Peter Lang vom Männergesangsverein Pleystein als Beisitzer. Eingangs bescherte der Chor "Mixtura Cantorum" unter Leitung von Karl-Heinz Malzer dem scheidenden Präsidenten Peter Jacobi ein klangvolles Geschenk.

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