14.07.2010 - 00:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

28 Fischteiche an der Grenzmühle beseitigt - Bessere Lebensbedingungen für Flussperlmuscheln Bagger bringen Natur zurück

Forellen können überall gezüchtet werden, Flussperlmuscheln dagegen nicht. In Bayern stehen sie ganz oben auf der Roten Liste. Und nur wenige Kommunen können sich mit dem Prädikat eines intakten Landschaftsteils schmücken, in dem diese vom Aussterben bedrohte Art noch eine Heimat hat. Der Grenzbach ist so ein Gewässer.

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von Bernhard KreuzerProfil

Jedoch machte die Forellenzucht der Grenzmühle in der Vergangenheit dem Bestand sehr schwer zu schaffen. Eine Verjüngung des Muschelbestandes fand aufgrund der Schadstoffeinträge nicht mehr statt. Eine grundlegende Änderung ist nunmehr eingetreten.

Durch den Erwerb der Grenzmühle durch den Verein zum Schutz wertvoller Landschaftsbestandteile in der Oberpfalz (VSL) vor über einem Jahr konnte nunmehr die Talaue renaturiert werden. Der Erhalt der einmaligen Landschaft lag auch im Interesse des vorhergehenden Besitzers Dietmar Janner.

Kosten niedriger als erwartet

Die Arbeiten für die Beseitigung der Fischzuchtgewässer sind nun abgeschlossen. Von den einst 37 Teichen, die der Forellenzucht dienten, blieben noch neun erhalten. Am Montag war Bauabnahme. Die erste erfreuliche Nachricht war, dass die Baufirma Braun aus Hahnbach die Arbeiten in der halben Zeit schaffte. Zudem blieb die Maßnahme unter den veranschlagten Kosten.

VSL-Vorsitzender Peter Hausbeck aus Kemnath hieß neben den Firmenvertreter ganz besonders Bauleiter Robert Mertl aus Friedenfels sowie von der Höheren Naturschutzbehörde aus Regensburg Regierungsdirektor Norbert Dirscherl und die Biologin Christine Raps willkommen. Sie betreute und wickelte die Maßnahme für die Regierung der Oberpfalz ab. Dabei zeigte sie sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
In der Vergangenheit wurde dem Grenzbach zusätzliches Wasser zur Versorgung der Forellenteiche entnommen und dem Grenzbach schließlich wieder zugeführt. Durch die intensive Fischzucht reicherte sich das Wasser sehr stark mit Nährstoffen aus der Fütterung und den Verdauungsprodukten der Forellen an. Ein Umstand, der dem Flussperlmuschelbestand sehr schadete und ihn gefährdete.

Das Wasser des Grenzbaches nimmt nun keinen Umweg mehr durch einen der verbliebenen Teiche. Die ersten Gewässer besitzen jetzt die Funktion von Absetzteichen, die sehr schnell wieder entlandet werden können. Eine reinigende Wirkung besitzen ebenso die übrigen Teiche, die ausgewaschenen Dünger aus den Drainagen aufnehmen, filtern und binden.

Alle neun Teiche sind miteinander verbunden. Durch sie fließen alle Wasser, bis sie letztlich dem Grenzbach zugeführt werden. Die unterschiedlich gestalteten Uferbereiche gewährleisten die Entwicklung einer vielfältigen Flora und Fauna mit einer typischen Altwasservegetation in der Talaue. Damit wird gewährleistet, dass keine Verunreinigungen mehr in den Grenzbach gelangen.
Noch erweckt die Talaue den Eindruck einer Baustelle. Nackter Boden zeigt sich dem Wanderer. Einer ersten Begrünung in den kommenden Tagen gegen Erosionen folgt im zweiten Schritt ein "Nachimpfen" mit Mähgut aus den naturnahen Grünflächen des zwölf Hektar großen Areals. Der in dem gemulchten Mähgut enthaltene Samen wird dafür sorgen, dass in zwei bis drei Jahren die ursprüngliche Vegetation auf den Trocken- und Feuchtflächen wieder Einzug halten wird.

Einmalige Flora und Fauna

Einen wichtigen Beitrag leistet dabei Pächter Josef Schmidt mit seiner biologischen Landwirtschaft und dem in der Grenzmühle betriebenen Hofladen. Sein Rotvieh auf den trockenen Hangwiesen sichert den Lebensraum für eine einmalige Flora und Fauna des Steinwaldes.

In Absprache mit Peter Hausbeck werden für Ringelnattern und Waldeidechsen zusätzliche Räume geschaffen. Sie sind ein Teil kleinerer, in den kommenden Wochen anstehender Arbeiten. Dann wird der Steinwald um ein Stück intakter Natur bereichert, das mit seiner Üppigkeit an Pflanzen und Tieren besticht.

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