07.05.2013 - 00:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Obst- und Gartenbauverein feiert sein 100-jähriges Bestehen - Lob von Landrat und Bürgermeister "Garten steigert die Lebensqualität"

Petunien und Schneegestöber auf den Tischen, Blumen entlang der Bühne und kleine Gartenmöbel im Gasthof Helgert in Erbendorf verrieten schon beim Eintreten, wer dort seine Versammlung abhält. Der Obst- und Gartenverein Erbendorf hatte die Mitglieder zur Feier des 100-jährigen Bestehens eingeladen.

Der Vorstand hält sprichwörtlich seine Passion in den Händen. Als einziger Mann stärkt Beisitzer Ernst Stahl den weiblichen Vorstand, dem (von links) Beisitzerinnen Heidi Fütterer, Agnes Schieder-Grünbauer, Schriftführerin Monika Stock, Beisitzerin Gerlinde Fürst, zweite Vorsitzende und Kassiererin Elisabeth Ockl sowie Vorsitzende Lucia Heindl angehören. Bild: hdl
von Theresa HeindlProfil

Die Gemeinschaft scheute zum großen Jubiläum keine Mühen und Kosten. Florale Dekoration, Musik vom Zitherclub Erbendorf und "geheime" Apfelproben am Tisch der Kreisfachberater sowie des Landrats luden zum Träumen ein. Ein Höhepunkt war das riesige Schlemmerbüfett mit allen erdenklichen Variationen rund um die Kartoffel, Gemüse und Salat sowie verschiedenen Fleischsorten. Der Nachtisch, verziert mit Erdbeeren, Minze und sogar Gänseblümchen, war ein regelrechter Blickfang. Erfreulich war auch der Beitritt eines Mitgliedes. Nun zählt der Verein 141 Personen.

Garten für Grundversorgung

Vorsitzende Lucia Heindl eröffnete den Festabend mit dem Gedenken an verstorbene Mitglieder. Daraufhin blickte sie auf Geschichtliches zurück, denn vor 100 Jahren legten die Menschen einen Garten mit einem anderen Hintergrund an als heute. Damals war der Gemüse- und Obstanbau für die Grundversorgung der Bevölkerung fast unumgänglich. Heute, in Zeiten der Massenproduktion, aber auch der Lebensmittelskandale, sei dies eher ein Trend.
"Es ist immer wieder ein Erlebnis zuzusehen, wie Gesätes aufgeht, wächst und gedeiht, welcher Schmetterling oder welche Biene dort seine Nahrung findet", sagt Heindl voller Begeisterung. Zweite Vorsitzende Elisabeth Ockl präsentierte Bilder, die zeigten, was der Verein schon alles auf die Beine gestellt hat und welche Aktivitäten gemeinsam unternommen wurden. Dazu zählten die Pflanzung des Millenniumbaums im Stadtgebiet, eine Kräuterwanderung mit Kostproben in Sassenhof, ein Wünschelrutengang im Garten der Familie Wallner, ein Blumenschmuckwettbewerb und ein Beitrag zum Kreisjugendtag 2012 unter dem Motto "Unkraut".

Darüber hinaus veranstalten die Gartenliebhaber jedes Jahr im Herbst, heuer am 28. September, eine Pflanzentauschbörse am Festplatz. Absoluter Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war der Tag der offenen Gartentür zur 900-Jahr-Feier der Stadt Erbendorf 2009. Drei Gärten in Erbendorf und zwei in Schadenreuth öffneten ihre Pforten für Neugierige. Die drei Bürgermeister und der ehemalige Landrat Karl Haberkorn pflanzten zur Erinnerung an dieses Erlebnis in Schadenreuth zwei Birnbäume.
Ehrengast und Kreisverbandsvorsitzender Landrat Wolfgang Lippert lobte das breite Angebot des Vereins. Er verwies dabei auf das neue Mitteilungsblatt "Marienkäfer". Auch gesellschaftlich sei der Verein ein wahres Juwel, sagte Lippert. Die Umwelt naturbelassen zu gestalten ist seiner Meinung nach "in". Ein Garten könne auf vielfältige, individuelle Art und Weise gestaltet werden. Dies steigere die Lebensqualität. "Gartenarbeit ist Seelenheil und eine Entschleunigung der sonst hektischen Welt", erklärte der Kreisverbandsvorsitzende.

Knapp 4900 Mitglieder

In Zeiten, in denen der Supermarkt um die Ecke tropische Früchte aus aller Welt günstig anbietet, werde es immer wichtiger, die Menschen an den heimischen Anbau heranzuführen. "Auch vor dem Obst- und Gartenbauverein hat der demografische Wandel leider keinen Halt gemacht", stellte der Landrat fest. Sterbefälle und Wegzug führten dazu, dass die 5000-Mitglieder-Hürde nicht erreicht werden konnte. Heute seien es knapp 4900 Mitglieder, in ganz Bayern 550 000.
Er setzt seine Hoffnung auf die Jugendarbeit und stellte als Beispiel zwei Jugendgruppen in Mitterteich vor, die durch ihr Engagement 60 neue Mitglieder gewinnen konnten. Auch den Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" hat in den Augen Lipperts ein großes Potenzial. Aus eigener Erfahrung konnte er beobachten, was eine solche Aktion bewirken kann. Primär nannte er den entstehenden Zusammenhalt der Bevölkerung durch die gemeinsame Aufhübschung des Dorfes.

Die diesjährige Gartenschau bezeichnete Lippert als eine Chance für die gesamte Region, denn nicht nur das Tirschenreuther Gelände blühe auf, sondern auch die umliegenden Städte und Gemeinden. Die Gartenschau diene zudem als Anregung, andere Gärten zu besuchen, so den Resl-Garten in Konnersreuth oder private Gärten im Landkreis. Bürgermeister Hans Donko findet, dass ein Apfel aus dem heimischen Garten am besten schmeckt. Nur so wisse der Konsument, wie die Frucht gewachsen ist und ob mit chemischen Mitteln nachgeholfen wurde.

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