Windkraft: Bürgerbewegung richtet offenes Schreiben an Bürgermeister Hans Donko
"Zur Vernunft zurückfinden"

Lokales
Erbendorf
23.04.2013
2
0
"Ihre Geringschätzung von Mensch und Natur" steht in der Betreffzeile des Briefs, der an Erbendorfs Bürgermeister Hans Donko adressiert ist. Absender des Schreibens, das vorab per E-Mail unsere Redaktion erreichte, ist Max Stadler aus Berlin. Bezug nimmt der Verfasser auf die Dienst- und Fachaufsichtsbeschwerde des Vereins Hessenreuther Wald gegen Bürgermeister Donko (wir berichteten).

"Vernunftkraft. Die Bürgerbewegung für Besonnenheit in der Energiepolitik" steht im Briefkopf, im Anhang des Schreibens sind nicht weniger als 319 Namen von Unterzeichnern fast aus der ganzen Bundesrepublik aufgelistet.

"Mit großer Sorge ..."

"Sehr geehrter Herr Donko, mit großer Sorge verfolgen wir die Entwicklung in Ihrer Gemeinde und wie Sie auf die Ausführungen der Naturschützer des Vereins Hessenreuther Wald zu den geplanten Windkraftanlagen in Ihrer Region (nicht) reagiert haben", beginnt das Schreiben. Weiter heißt es in dem Brief: "Vorrangiges Anliegen eines Bürgermeisters sollte - da werden Sie mir zustimmen - das Wohl der Gemeinde sein."
"Sie sind offenbar nicht bereit, sich mit den erheblichen und belegten Nachteilen des geplanten Windkraftprojekts im Hessenreuther Wald auseinanderzusetzen und sehen nur die Pachteinnahmen, die Ihnen dadurch winken. Erhebliche Einbußen für das touristische Potenzial der Gegend, die riesigen Schäden für Flora und Fauna und nicht zuletzt der scharfe Protest aus der Bevölkerung scheinen Sie nicht zu kümmern."

Die vom Verein Hessenreuther Wald eingereichte Dienstaufsichtsbeschwerde sei nur eine logische Folge, fährt der Verfasser fort. Ein Stadtoberhaupt müsse zu einer kritischen Auseinandersetzung mit seinen eigenen Entscheidungen fähig sein und diese notfalls auch korrigieren, wenn Sachverständige und besorgte Bürger einen anderen Weg aufzeigen.

"Die von Ihnen in die Wege geleitete Planung ist hochgradig unvernünftig. Ökologischer Schaden und energetischer Nutzen des Projekts stehen in keinem Verhältnis. Die geplanten Anlagen werden wohl kaum wesentlich bessere Dienste verrichten als ihre Pendants in anderen Teilen des Freistaats."

7200 Stunden lang pusten

Der Brief wartet auch mit statistischen Zahlen auf: "Im Mittel erbrachten bayerische Windkraftanlagen im Jahr 2011 (das ein besonders gutes war) ganze 1560 Volllaststunden. Das bayerische Jahr dauert regelmäßig 8760 Stunden. Wenn Sie bereit sind, 7200 Stunden lang die Rotoren der geplanten Anlagen zu ihrer Nennleistung zu pusten oder per Hand zu drehen, können Sie mit Fug und Recht von regionaler Unabhängigkeit träumen.

Wir hoffen daher sehr, dass Sie zur Vernunft zurückfinden. Diese Hoffnung teilen zahlreiche Bürger quer durch Deutschland", fährt der Schreiber fort.

"Selbstverständlich werde ich als Oberpfälzer im Herzen ein ganz besonderes Augenmerk auf die Vorgänge haben und über die Seite www.vernunftkraft.de auf dem Laufenden halten. Mit freundlichen Grüßen aus Berlin, Max Stadler", schließt der Brief. (Hintergrund)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.