26.09.2017 - 20:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Ärger in Erbendorf Nazis kapern Kirwa-Zug

Vor 75 Jahren war die Wolfsangel ein gängiges Symbol - bei der Hitlerjugend. Heute ist sie deshalb verboten. Weil sie beim Erbendorfer Kirwa-Zug dennoch zu sehen war, ermittelt nun die Polizei.

Symbolbild: Friso Gentsch/dpa
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

So lustig es beim Kirwa-Umzug am Sonntag zuging - für die Polizei endete der Spaß, als einem Beamten an einem der Umzugswagen zwei Fahnen mit einem eindeutig rechtsradikalen Symbol auffiel. Auf halber Strecke, beim Wendepunkt am Aldi-Parkplatz, stellte die Polizei beide Flaggen sicher.

Den Rückweg absolvierte der Wagen ohne Fahnen. Am Ende des Zuges nahmen die Beamten der Kemnather Polizei die Personalien auf. Die Ermittlung habe die Kriminalpolizei in Weiden übernommen. Konkret geht es dabei um die sogenannte Wolfsangel. Das runenartige Symbol spielte unter anderem als Rangabzeichen bei der Hitlerjugend eine Rolle. Noch prüfen die Beamten, ob das Zeigen der Fahnen tatsächlich einen Straftatbestand darstellt. Es sei bei Rechtsradikalen gängige Praxis, verbotene Symbole leicht abzuwandeln, um sie öffentlich zeigen zu können, erklärt Polizeisprecher Albert Brück. "Derzeit ermitteln wir wegen eines Anfangsverdachts."

Experten eingeschaltet

Experten der Polizei prüfen, ob auf den Fahnen die verbotene Version der Wolfsangel zu sehen ist. Abgesehen von der problematischen Fahne liegt der Polizei keine Meldung zu Zwischenfällen mit rechtsradikalem Hintergrund bei der Kirwa vor. Auch die Männer und Frauen auf dem Wagen seien sonst nicht aufgefallen. Brück warnt dennoch davor, den Vorfall zu verharmlosen. "Das ist ein Bereich, bei dem man sicher nicht von missglücktem Scherz sprechen kann."

Dass die Fahnen nicht aus Unwissenheit am Wagen angebracht waren, belegen Bilder vom Zug. Mehrere Mitfahrer tragen Kleidungsstücke mit eindeutigen Aufdrucken: "Hol dir dein Land zurück." Andere Kleidung stammt von der Marke "Glaube, Wille, Tat", die ein Hammer mit gekreuztem Schwert ziert. Ebenfalls ein einschlägiges Symbol.

Auf den Bildern ist außerdem der bekannte Rechtsextremist und frühere NPD-Bundestagskandidat Patrick Schröder zu sehen. Augenzeugen berichten zudem, dass sich die Gruppe das gesamte Wochenende auf verschiedenen Kirwa-Veranstaltungen gezeigt hätte und dabei ihre Gesinnung mehr oder weniger offen zur Schau stellte. Zerknirscht über den Vorfall ist Organisator Martin Kastner. Dem Jugendbeauftragten der Stadt ist wichtig, dass der Umzug sonst ohne Zwischenfall abgelaufen sei. Den betroffenen Wagen habe eine Privatperson angemeldet. Als Motto habe der Anmelder den Spruch angegeben: "Wer Hopfen sät, wird Bier ernten". Anzeichen zu den Hintergründen und Absichten des Wagens habe es nicht gegeben. "Hätte ich das gewusst, wäre der Wagen nie zugelassen worden."

Nichts mitbekommen

Laut Kastner habe die Polizei die Wagen vor dem Umzug begutachtet. Zu diesem Zeitpunkt seien die Fahnen nicht zu sehen gewesen. "Sie wurden wohl erst angebracht, als sich der Zug in Bewegung gesetzt hatte", vermutet Kastner. Er selbst habe von dem Vorfall nichts mitbekommen. Nach dem Zug sei der Wagen schnell verschwunden, weshalb er die Verantwortlichen nicht zur Rede habe stellen können. Kastner setzt nun darauf, dass die Polizei den Vorfall aufklärt. "Wir wollen kein extremes Gedankengut beim Umzug."

Dass sie nicht nur mit allem Fremden, sondern auch mit ihrer Muttersprache auf Kriegsfuß steht, bewies die zweifelhafte Besatzung des Kirwa-Wagens gleich mit dem Transparent an der Seitenwand ihres Hängers: Wer Hopfen säht, wird Bier ernten", war dort zu lesen. Welche Bedeutung das eigentlich überflüssige "h" im Wort säen hat, ist noch nicht ermittelt.

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