19.01.2018 - 21:24 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Ausbauplan für B299 rechtskräftig Endlich übern Berg

Wie lange "ein bis zwei Jahre" doch dauern können: Als der Ausbau der B299 von Riggau bis Hessenreuth anlief, sollte es noch ebenso lange dauern, bis der Ausbau über den Hessenreuther Wald in Angriff genommen wird. Am 21. August 1985 vermeldete dies "Der neue Tag". Aus "ein bis zwei Jahren" sind 32 geworden - nun gibt es kein zurück mehr. Wie die Regierung der Oberpfalz bestätigt, liegt seit der zweiten Kalenderwoche ein rechtskräftiger Planfeststellungsbeschluss vor, nachdem in der entsprechenden Frist keine Klage gegen den Beschluss eingegangen war.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Der Ausbau über den Abspann-Gipfel soll 21 Millionen Euro kosten, 19,75 Millionen für die Bauarbeiten. "Der Rest ist für den Grunderwerb eingeplant", erklärt Baudirektor Gerhard Kederer vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach. Vom Grunderwerb hängt auch ab, ob der anvisierte Baubeginn im Sommer 2018 zu halten ist. "Die Gespräche laufen", erklärt Kederer, Einigung bestehe bisher lediglich mit dem Staatsforst. Die Zeit drängt, denn vor Baubeginn müssen einige Hektar Wald gerodet werden. "Dies ist aber nur bis 28. Februar möglich", erklärt Kederer. Weil dann die Vogelbrutzeit beginnt, wäre bis Oktober kein Holzeinschlag mehr möglich

Verläuft alles nach Plan, folgen nach Grunderwerb und Holzeinschlag geotechnische Untersuchungen, die Bauvorbereitung, die Ausschreibung und dann als erster Abschnitt der Ausbau eines zwei Kilometer langen Stücks von Erbendorf bis zum ersten Brückenbauwerk. Dem Ausbau in einem Abschnitt erteilt Kederer eine Absage. "Der Bau der Straßen wird schneller vorangehen als der der Brücken. Es ist deshalb sinnvoll, die Straße vorzuziehen. Für den Anliegerverkehr soll die Straße während der Arbeit offen bleiben, für den Durchfahrtsverkehr wird der Abschnitt während der Arbeit gesperrt sein.

Mit dem rechtskräftigen Feststellungsbeschluss endet die lange Diskussion um den Straßenausbau. Befürworter argumentierten mit dem engen, kurvigen und steilen Verlauf der Straße, auf der es regelmäßig zu Unfällen kommt. Umweltschützer hielten mit der Bedeutung des Gebiets für den Naturschutz dagegen. Der Hessenreuther Wald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in der Region und bietet vielen seltenen Tierarten Lebensraum.

Außerdem verweisen Ausbaugegner auf das für eine Bundesstraße niedrige Verkehrsaufkommen. Unfälle sind zwar häufiger, wegen der niedrigen Geschwindigkeit der Autos auf der engen Straße in der Regel aber weniger schwerwiegend. Im März 2014 einigten sich Umweltverbände, Kommunalpolitik und Bauamt auf einen Kompromiss, der die Grundlage für die neue Planung bildete. Diese ist nun seit einer Woche rechtskräftig - die mehr als 30-jährige Auseinandersetzung beendet.

Ausbau in Zahlen

4,75 Kilometer Baulänge.

Fahrbahnbreite: 7,5 Meter plus zweimal 1,5 Meter Bankett.

4 Brückenbauwerke.

21 Millionen Euro Kosten (19, 75 Bau; 1,25 Grunderwerb).

9 Prozent maximale Steigung (bisher 19).

157 Meter Höhenunterschied (von 538 bis 695 Meter über NN.)

10 Meter tief wird der Geländeeinschnitt am Abspanngipfel.

50 Meter breit wird die Brücke, auf der ein Forstweg die B299 am Gipfel überquert. Auch Wildtiere sollen den Übergang nutzen.

70 km/h beträgt die Höchstgeschwindigkeit an der Bergkuppe.

8 Hektar Ausgleichsfläche sollen den Flächenverbrauch kompensieren.

Rund 1700 Autos passieren täglich die B299 bei Hessenreuth (zum Vergleich: Die B22 bei Erbendorf nutzen 4400 Fahrzeuge. (wüw)

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