27.01.2017 - 20:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Naturschützer stärken Basis

Mit dieser Entwicklung war nicht zu rechnen. Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) ist landesweit als Naturschutzverband anerkannt. Er gibt Stellungnahmen zu neuen Skigebieten, Windparks, Straßenbauprojekten und anderen sensible Maßnahmen ab. Die Fäden dazu laufen in einem Wohngebiet in Erbendorf zusammen.

von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Landesvorsitzender des Verbands ist der Erbendorfer Johannes Bradtka. Von Beruf Förster. Zu seinem verantwortungsvollen Amt kam er fast wie die Jungfrau zum Kind. Alles begann mit dem Widerstand gegen eine angedachte Autoteststrecke im Hessenreuther Wald. Bradtka engagierte sich in einer BI gegen das Vorhaben. Als sich abzeichnete, dass die Rennstrecke nicht realisiert würde, gründeten Bradtka und seine Mitstreiter den Verein "Unser Hessenreuther Wald", um sich weiter zusammen für das schützenswerte Gebiet einsetzen zu können. Daraus wurde schließlich der bayernweit agierende VLAB. "Wir hatten so großen Zulauf, dass sich das irgendwie von selbst ergab", blickt Bradtka auf die unglaublich Entwicklung zurück.

Viele Videokonferenzen

Neben drei Geschäftsstellen in Bayern hat der VLAB mittlerweile Regionalbeauftragte in allen Regierungsbezirken. "Es gibt auch schon zwei assoziierte Landesverbände in Baden-Württemberg und in Mecklenburg-Vorpommern. Das Verfahren, bundesweit als Naturschutzverband anerkannt zu werden, läuft", erläutert Bradtka. Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Bradtka räumt ein, "dass der Verein von der Entwicklung ein bisschen überrannt wurde". Vor allem nach der Anerkennung als landesweiter Naturschutzverband habe es einen gewaltigen Zulauf gegeben, der alle Erwartungen übertroffen habe.

"Die Arbeit war fast nicht mehr zu bewältigen", erläutert der Erbendorfer, während er im "Hauptquartier", der gemütlich eingerichteten guten Stube der Bradtkas vor dem knisternden Kaminfeuer an einer dampfenden Tasse Tee nippt.

Das liege wohl auch daran, dass sich die Positionen bei der Windkraft und der Energiewende deutlich von denen anderer Naturschutzverbände unterscheide, mutmaßt der Leiter des Forstreviers Kemnath. "Wir lehnen die Energiewende in der derzeitigen Form klar ab, da sie mit zu schneller Nadel gestrickt ist", betont Bradtka. Und auch bei der Windenergie hat der Verein eine äußerst kritische Haltung. Damit ließen sich die Probleme nicht wirklich lösen. Der Schaden an der Natur stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Präsenz in der Fläche

Mittlerweile habe der Verein rund 12 000 Mitglieder, darunter auch viele Bürgerinitiativen, Vereine und Verbände sowie neun Stiftungen, die kurioserweise alle außerhalb Bayerns liegen, erläutert Bradtka. "Die Arbeit vor Ort ist zuletzt ein bisschen auf der Strecke geblieben", gibt Bradtka unumwunden zu. Das möchte der eingetragene Verein nun korrigieren und den Unterbau stärken. Der VLAB forciert die Gründung von Kreisgruppen in Bayern. "Nur mit einer möglichst bayernweiten Flächenpräsenz lassen sich unsere vielfältigen und anspruchsvollen Naturschutzaufgaben meistern", betont der Erbendorfer.

Im März 2016 wurde die erste Kreisgruppe in Rhön-Grabfeld aus der Taufe gehoben. Am Freitag, 3. Februar, um 19 Uhr soll im Café Kohr in Erbendorf mit der Kreisgruppe Neustadt-Tirschenreuth Nummer vier folgen. Vor dieser Gründungsversammlung ist dem Landesvorsitzenden überhaupt nicht bange. "Da bereitet mir die Windkraft schon eher schlaflose Nächte", schmunzelt der Erbendorfer. Der 59-Jährige ist sich sicher, dass sich auf Anhieb eine gute Führungsmannschaft finden wird.

Wunsch der Basis

"Für unseren Verein ist das ein bisschen zurück zu den Wurzeln", erzählt der Förster. Der Verein habe hier nicht nur seine Landesgeschäftsstelle, sondern auch viele Mitglieder, die sich gerne wieder mehr "vor Ort" engagieren würden. Das sei auch der Anlass für die Gründung: "Der Wunsch kam von der Basis", betont der Erbendorfer.

Chronologie des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern

Die Wurzeln des Vereins liegen im Kampf gegen eine Motorsporttestanlage im Hessenreuther Wald.

20. März 2009

Am 20. März 2009 wird der Verein von den Gegnern der Motorsportanlage im Hessenreuther Wald als Verein "Unser Hessenreuther Wald" im Gasthof "Forellenhof" in Glashütte aus der Taufe gehoben.

28. Juli 2015

Staatliche Anerkennung als Umwelt- und Naturschutzvereinigung in Bayern. Der Verein hat damit besondere Rechte, wie zum Beispiel das Verbandsklagerecht.

1. Oktober 2015

Mit Diplom-Agrarbiologe Andreas Schmiedinger wird ein eigener Geschäftsstellenleiter angestellt. Der Verein trägt dem neuen Aufgabenbereich durch eine Namensänderung Rechnung und benennt sich in Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) um.

11. Oktober 2015

Umweltschützer und Dirigent Enoch Freiherr zu Guttenberg und Hubert Weinzierl, der langjährige Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland, werden in der Jahreshauptversammlung zu Ehrenpräsidenten des Vereins gewählt und in das neu geschaffene beratende Ehrenpräsidium berufen.

19. Januar 2016

Die naturschutzrechtliche Genehmigung für die Wiederansiedelung des Habichtskauz-Projekts wird erteilt. Insgesamt dürfen in den Jahren 2017 bis 2026 maximal 150 Tiere ausgewildert werden.

3. März 2016

Der Verein gründet die erste Kreisgruppe Rhön-Grabfeld Es folgen Kreisgruppe Forchheim/Erlangen-Höchstadt (4. Mai 2016) und Regen-Freyung Grafenau (12. November 2016).

13. September 2016

Der Vorstand der Heinz-Sielmann -Stiftung unterzeichnet mit dem VLAB eine Vereinbarung zur Wiedereinbürgerung des Habichtskauzes.

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