09.08.2017 - 21:18 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Pragmatiker Johannes Bradkta vom VLAB "Anwalt der Natur"

Weiden/Erbendorf. "Der Name ist etwas sperrig", gibt Johannes Bradtka unumwunden zu: Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB). Doch das Pflänzlein des Försters aus Erbendorf (Kreis Tirschenreuth) wächst und gedeiht zwei Jahre nach der Gründung prächtig. Rund 10 000 Mitglieder haben sich Bradtka schon angeschlossen. Er sieht sich und seine Organisation als "Anwalt der Natur". Die Erfolgsgeschichte erfordert viel Einsatz. Neben einem hauptamtlichen Geschäftsführer wird ab November noch eine zweite Kraft den VLAB unterstützen.

"Stromtrassen sind halt ein notwendiges Übel, wenn wir auf erneuerbare Energien bauen." Zitat: VLAB-Vorsitzender Johannes Bradtka
von Frank Werner Kontakt Profil

Los ging alles mit dem Kampf gegen eine Auto-Teststrecke durch den Hessenreuther Wald. Der große Widerstand von Bradtka und Gleichgesinnten verhinderte das Projekt. Aus dem Verein "Unser Hessenreuther Wald" wurde der VLAB. Im Sommer 2015 erfolgte dann der Ritterschlag mit der Anerkennung als Naturschutzverband. Mit der Wiederansiedlung des Habichtskauzes gelang ein viel beachtetes Projekt, Mitglieder stoßen mittlerweile bundesweit zu der Initiative.

Der 60-jährige Bradtka hat eine interessante Öko-Vita hinter sich. Mehr als 30 Jahre war der gebürtige Neusorger Mitglied beim Bund Naturschutz. Diesen hat er mittlerweile wegen dessen Politik in Sachen erneuerbarer Energien, vor allem wegen des Pro-Windkraft-Kurses, verlassen. Auch Greenpeace hat er lange Jahre unterstützt: "Aber sie haben ihre originären Ziele vernachlässigt, setzen vor allem auf spektakuläre Aktionen. In erster Linie mit dem Ziel Akquise von jungen Leuten".

"Klassischer Naturschützer"

Seine Organisation sieht er dagegen als "klassische Naturschützer". Es gehe um den Kampf gegen Eingriffe in den "wunderschönen Oberpfälzer Wald oder den Steinwald". Landschafts- und Artenschutz hat sich der VLAB auf die Fahnen geschrieben. Und da sei nun einmal Fakt, dass Windräder eine tödliche Gefahr für Greifvögel oder Fledermäuse darstellten. Auch im Meer würde die Windanlagen durch den Schall verheerende Auswirkungen auf die Fauna haben. Kurzum: "Windkraft ist ein Irrweg." In Ordnung sei dagegen ein "maßvoller Umgang" mit Photovoltaik, Biogasanlagen, Wasserkraft und Geothermie. "Wir brauchen einen Mix aus alternativen Energien."

Kernfusion als Chance

Auch auf Kernfusion setzt der VLAB-Vorsitzende. Bei entsprechendem Einsatz von Forschungsgeldern wären bis zum Jahr 2050 mit dieser Energiequelle einige Probleme vom Tisch. Bradkta macht aber auch klar: "Atomkraft ist keine Lösung." Er habe in den 80er Jahren schließlich gegen die WAA in Wackersdorf gekämpft und sich "CS-Gas ins Auge sprühen lassen".

Beim Streitthema Stromtrassen liegt der 60-Jährige "auf einer Linie mit den Grünen", wie er feststellt: "Sie sind halt ein notwendiges Übel, wenn wir auf erneuerbare Energien bauen." Die Trassen müssten unter der Erde verlegt werden. Der Oberpfälzer Pragmatiker Bradtka ist dafür, "Augenmaß zu bewahren". Denn schließlich dürfe "unsere Wirtschaft nicht kaputt gemacht werden".

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Weitere Informationen:

www.landschaft-artenschutz.de

Habichtskauz-Projekt

Zwei Jahre Vorarbeit, ein Etat von 650 000 Euro für zehn Jahre: Mit der Wiederansiedlung des Habichtskauzes in Nordbayern hat sich der VLAB ein Mammutprojekt vorgenommen, das es so in Deutschland noch nie gegeben hat. Vor zwei Wochen öffneten die Naturschützer nun die Voliere. Aus Sicherheitsgründen halten sie deren Standort geheim. Nach fast 100 Jahren gibt es so wieder sechs freilebende Exemplare in Nordbayern. 2018 Jahr sollen weitere Tiere freigelassen werden. Mit bis zu 60 Zentimetern Größe und 125 Zentimetern Spannweite ist der Habichtskauz die größten Kauzart Mitteleuropas. Als Leitart soll er die gesamte Flora und Fauna positiv beeinflussen. Weil der Habichtskauz von Mäusen lebt, wird es keine Konflikte mit Jägern, Land- und Fischwirten geben. Finanziert wird das Projekt aus Eigenmitteln und Spenden, unter anderem von der Heinz-Sielmann-Stiftung. (wüw)

Stromtrassen sind halt ein notwendiges Übel, wenn wir auf erneuerbare Energien bauen.VLAB-Vorsitzender Johannes Bradtka

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