23.06.2017 - 20:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

175 Jahre Wiederannahme der Bezeichnung "Stadt" Mit königlicher Bewilligung weg vom Markt

Mal Markt, mal Stadt, mal Städtlein. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich der Status Erbendorfs oft. Nicht zuletzt waren daran auch Brände schuld, die manche wertvolle Urkunde vernichtete. Fast auf den Tag genau kann nun die "Wiederannahme der Bezeichnung als Stadt vor 175 Jahren" gefeiert werden. Das Heimat- und Bergbaumuseum widmet diesem bedeutenden Anlass eine Sonderausstellung.

Museumsleiter Manfred Klöble eröffnet am morgigen Sonntag um 14 Uhr die Sonderausstellung "175 Jahre Wiederannahme der Bezeichnung Stadt" im Heimat- und Bergbaumuseum. Bilder: njn (4)
von Jochen NeumannProfil

(njn) "Seine Majestät der König haben dem in neuerer Zeit als Markt bezeichneten Orte Erbendorf die Wiederannahme der früher geführten Bezeichnung als Stadt huldvollst zu bewilligen geruht." So stand es am 21. Juni 1842 in der Entschließung des Ministeriums des Innern. Auf ein Ersuchen des Magistrats hin bewilligte König Ludwig I. von Bayern mit Schreiben vom 6. Juni 1842 dem damaligen Markt Erbendorf die Wiederannahme des Stadtrechts. Das Rand-Signat des Königs datiert "Rom, den 6. Juni 1842". Die Erbendorfer mussten sich aber noch gedulden. Denn im Vollzug dieser königlichen Bewilligung erging erst am 21. Juni 1842 die Entschließung des Ministeriums des Innern an die oberpfälzische Kreisregierung.

Historische Urkunden

"Die Veröffentlichungen der Entschließung sind in unserer Sonderausstellung zu sehen", sagte Museumsleiter Manfred Klöble. "Ergänzt wird die Ausstellung durch Urkunden, aus denen hervorgeht, ob mit Stadt oder Markt gestempelt oder tituliert wurde." Auch Siegel und Siegelabdrücke sind zu sehen. So stammt das alte große Stadtsiegel aus der ersten Hälfe des 16. Jahrhunderts.

Wie Klöble aus dem Schreiben des Bayerischen Staatsarchivs zitierte, habe Erbendorf in früherer Zeit jahrhundertelang die Bezeichnung Stadt geführt, letztmals nachweislich im Jahre 1812. Schon Wilhelm Gollwitzer stellte in seiner "Geschichte der Stadt Erbendorf" fest, das ab diesem Zeitpunkt Erbendorf namentlich bei der Klassifizierung der Städte und Märkte gemäß dem Gemeinde-Edikt vom Jahre 1818 in der Klasse der Märkte aufgeführt sei, ohne dass hierfür eine Veranlassung vorgelegen hätte. Nach Archivpfleger Jochen Neumann wird man im Stadtarchiv auf der Suche nach alten Freiheitsbriefen oder Stadterhebungsurkunden nicht fündig. "Schuld daran waren die vielen Brände in den früheren Jahrhunderten, die die Urkunden ein Raub der Flammen werden ließen." Darüber berichtet bereits 1480 Pfarrer Michael Preu: "Die stat Erndorff die ist gefreit und auch mit einem ganzen adler den sy zum sigl haben, und domit begabet worden sind von einem römischen Kaiser, dieselben briff und freyheit sind jn alle verprant und haben jetzt dermal khein versigelt briff."
Das Erbendorfer Stadtbuch war nach einer Beschreibung in braunem Leder eingebunden und mit überschlagenen Ringen versehen", sagte Neumann zum Stadtbuch, das im Jahr 1481 neu angelegt wurde. Darin wurden schon alle früheren Rechte und Freiheiten eingetragen. "Doch leider können wir uns heute an diesem Buch nicht mehr erfreuen, denn es ging beim letzten großen Stadtbrand von 1832 in Flammen auf."

Im Jahr 1315 ein Dorf

In der Sonderausstellung im Heimat- und Bergbaumuseum wurden Quellen und teilweise auch Urkunden zusammengetragen, die im Laufe der Stadtgeschichte die einzelnen Bezeichnungen dokumentieren. So wurde Erbendorf im Jahre 1281 als "Markt" geführt, 1315 sogar nur als "Dorf." 1319 war es wieder "Markt", wie auch 1375, und dazwischen im Jahre 1351 "Stadt." Sogar als "Städtchen" ist Erbendorf 1391 aufgeführt. "Dieser Wechsel geht über die ganzen folgenden Jahrhunderte", so der Archivpfleger. Ein Zeitdokument ist ein Notizzettel zur Neuburgischen "Landtafel" von 1562. Darin wird Erbendorf unter den Städten aufgeführt. Die Begründung: "Wiewol Erndorf undern Tittl der Märckht gesetzt worden ist. So wurde Ich doch bericht das es allemal ein Stat gewest und genennt worden sey. Actum Lengfeldt den 5. September ao.59. Hanns Craft von Vestenbergk, Landrichter m.pr."

Am 16. März 1765 schreiben Bürgermeister und Rat, dass der hiesige Markt "mit der Stadtgerechtigkeit begnadet und daher aus allen übrigen Märkten der ansehnlichste dieses Herzogtums" sei. 1812 wurde Erbendorf zuletzt als "Stadt" benannt, dann als Markt bis 1842.

"Übrigens wurde die Stadterhebung 1842 schon einmal gefeiert", stellte Archivpfleger Neumann fest. So fand am 19. September 1942 eine öffentliche Festsitzung im Rathaus statt. So heißt es im Protokoll: "Obwohl dieser geschichtliche Tag Anlaß zu einer größeren Feier gewesen wäre, beschränkte man sich mit Rücksicht auf die jetzigen Kriegsverhältnisse auf eine Festsitzung im Rathaus."

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