13.10.2017 - 20:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Auf den Spuren der Reformation Mit Glockengeläut und Litanei ins Simultaneum

500 Jahre Reformation. Die evangelischen Gemeinden am südlichen Steinwald begehen dieses Gedenken mit einem Reformations-Konzert am Samstag, 28. Oktober, in der Martin-Luther-Kirche in Erbendorf sowie am Reformationstag mit Festgottesdiensten in den Kirchengemeinden.

Per Los erhielten die Protestanten 1663 den Pfarrhof am Kaiserberg zugesprochen, wo sich heute der evangelische Kindergarten befindet. Die Katholiken mussten sich seinerzeit nach etwas anderem umsehen. Bild: njn
von Jochen NeumannProfil

Die heute gelebte Ökumene zwischen katholischen und evangelischen Christen rund um Erbendorf begann mit der Einführung des Simultaneums vor über 350 Jahren als ein zartes Pflänzchen. Luthers Thesenanschlag 1517 in Wittenberg, Bauernkriege, politische Glaubenskämpfe und der 30-jährige Krieg. Der Westfälische Friede im Jahr 1648 war kein Friede im eigentlichen Sinn des Wortes. Denn der Streit zwischen beiden Konfessionen loderte im Amt Parkstein, zu dem Erbendorf und Wildenreuth zählte, erneut wieder auf. Herzog Christian August von Sulzbach verlangte auf den Friedensvertrag für sein Land den Religionszustand von 1624, die evangelisch-lutherische Konfession. Die Folge war, dass katholische Geistliche weichen mussten.

Mit dem katholische Herzog Wolfgang von Neuburg, Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz und Herzog Christian August von Sulzbach hatte das Amt Parkstein nach dem Westfälischen Frieden drei Landesherren. Nachdem Christian August im Jahre 1656 zur katholischen Kirche übertrat, war nur noch der pfälzische Kurfürst Gegner des katholischen Glaubens.

Der Streit zwischen ihm und dem Neuburger Herzog wurde im Kölner Vergleich 1652 dahingehend entschieden, dass der Kurfürst auf seine Ansprüche im Amt Parkstein verzichtet und dafür von Neuburg 200 000 Gulden zugesprochen erhält. Diese Zahlung zögerte sich aber gut zehn Jahre hinaus, was natürlich wieder Streitereien hervorrief.

Erst durch den Heidelberger Vergleich vom 22. November 1662 wurde dieser Streit endgültig erledigt. Damit wurde der Herzog von Neuburg gleichberechtigter Gemeinschaftsherr des Amtes Parkstein neben Herzog Christian August von Sulzbach. Im Interesse der unterdrückten katholischen Bevölkerung ließ der Herzog von Neuburg im folgenden Jahr in Kirche und Schule das Simultaneum einführen.

Die Einführung des Simultaneums im Amt Parkstein führte im Auftrag seines Fürsten der neuburgische Oberkanzler Franz von Giese. Am 30. April 1663 kam er mit dem Landrichter von Wevel zu Parkstein in Begleitung von zehn bewaffneten Reitern nach Wildenreuth. Einzig der Hofmarksbesitzer Erdmann Ernst von Pudewels (heute von Podewils) wehrte sich gegen die Annahme des Simultaneums mit dem Hinweis, dass Wildenreuth ein markgräflich bayreutherisches Lehensgut ist und kein einziger Einwohner der katholischen Religion zugetan sei.

Der Protest wurde aber von der Kommission nicht beachtet und die Simultanisierung vollzogen, als der Oberkanzler, der Landrichter, die bewaffneten Begleiter mit einem Kapuziner aus Parkstein mit dem Mesner und einem Ministranten in die Kirche kamen, am Altar die Litanei gesungen und die Glocken geläutet haben. Damit wurde das Simultaneum für eingeführt erklärt. Dann reiste die Kommission wieder ab.

Erst am 8. Mai 1663, nachmittags um drei Uhr, kam die Kommission mit dem neuburgischen Landrichter von Weveld von Parkstein sowie dem neuburgischen Pfleger von Rummel aus Weiden und deren Gefolge nach Thumsenreuth. Dort verlangten sie vom Hofmarksherrn von Lindenfels die Kirchenschlüssel. Mit dem Hinweis, dass die Pfarrei "sein erkauftes Eigentum" sei, händigte er die Schlüssel nur unter Protest aus. Letztendlich sperrte der protestantische Schulmeister die Kirchentüre auf. Gleich danach ging es für die Kommission weiter nach Krummennaab und Erbendorf. Damit war auch in diesen Orten das Simultaneum vollzogen.

Damit verloren die katholischen Pfarreien Thumsenreuth mit Friedenfels, Krummennaab und Wildenreuth, die seit der Reformation mit protestantischen Geistlichen besetzt waren, ihre Selbständigkeit und wurden Filialen der katholischen Pfarrei Erbendorf. Übrigens wurde mit Krummennaab 1663 auch Reuth bei Erbendorf samt Premenreuth der Pfarrei in Erbendorf zugeteilt.

In Erbendorf schickte die Kommission noch am Abend des 8. Mai 1663 zum Kammerer und Pfarrer Frieser in Kastl bei Kemnath, um dessen Kaplan Gottfried Blümbl als katholischen Priester nach Erbendorf zu holen. Denn Blümbl war Benediktinerpater und zugleich als guter Prediger bekannt. Bereits am Morgen des 9. Mai wurde er Pfarrprovisor.

Der bisherige Pfarrhof am Kaiserberg, in dessen Gebäude sich heute der evangelische Kindergarten befindet, fiel durch Los dem protestantischen Geistlichen zu. Pfarrer Blümbl musste in der Zwischenzeit in einem Bürgerhaus wohnen. Denn die Propstei in der Pfarrgasse war zwar als neuer katholischer Pfarrhof vorgesehen, konnte aber wegen Baufälligkeit vorerst nicht bezogen werden. Welche Auswirkungen das Simultaneum nicht nur auf die Kirche, sondern auch auf öffentliche Verwaltung und die Bürger hatte, ist eine andere Geschichte, die demnächst hier im Neuen Tag erzählt wird.

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