27.02.2018 - 17:00 Uhr
Erbendorf

Bei regenerative Energien ist Stadt gut aufgestellt Energiewende vorantreiben

"Es liegt in unserer Hand, einen Beitrag für die Zukunft zu leisten und sich von den Schwankungen der Energiepreise und Energiepolitik unabhängig zu machen." Dies stellte zweiter Bürgermeister Johannes Reger zur Energiewirtschaft der Stadt fest. "Die Stadt ist in Sachen erneuerbarer Energien breit aufgestellt und setzt damit ein Zeichen in Sachen Umweltschutz."

Zweiter Bürgermeister Johannes Reger lobt die ökologisch orientierte Energiepolitik der Stadt. Bild: njn
von Jochen NeumannProfil

Photovoltaik, Fernwärme und Fahren mit Strom hat sich die Stadt seit Jahren auf ihre Fahnen geschrieben. "Wir wollen auf langfristige Sicht energieautark werden", bekräftigt zweiter Bürgermeister Johannes Reger. Doch der Weg dahin ist seiner Meinung nach angesichts des billigen Rohöls und der derzeitigen Diskussion um die Umwelt- und Energiepolitik noch lang.

"Die Medien und auch die Wahlkämpfe sind derzeit geprägt von Schlagzeilen um Stickoxidausstöße von Dieselfahrzeugen und der Frage nach einem Verbot von Verbrennungsmotoren in den nächsten Jahrzehnten", so Reger. "Die günstigen Öl- und Gaspreise machen auch Spritfresser wieder salonfähig und lassen das Interesse an der Energiewende in der Öffentlichkeit sinken."

"Die Frage nach regenerativen Energien ist nicht neu", weiß Reger. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg kam es mit der Abtretung des Saarlandes an Frankreich und der Besetzung des Ruhrgebiets 1923 zu einer Energiekrise in Deutschland, weil viele Kohlevorkommen nicht mehr zugänglich waren. "Zur Lösung dieser Krise entstanden die ersten Denkansätze zur Solarthermie, Photovoltaik und Nutzung der Meeresströmung." Die damals gewonnenen wissenschaftlichen Daten seien noch heute gültige Grundlagen zur Gewinnung von Windenergie. "Aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen ist es in Bayern aber bis auf die bereits genehmigten Anlagen mit Neubauten von Großwindanlagen ruhig geworden."

Privater Verbrauch

"Der derzeitig größte Hebel zur Energiewende liegt im privaten Stromverbrauch", bestätigte Reger. Bedingt durch den deutschlandweit moderaten Zubau der Photovoltaik seien die Einspeisevergütungen im Verhältnis zu den Gestehungskosten wirtschaftlich geblieben. Als augenscheinliches Beispiel nannte der zweite Bürgermeister die Batteriespeicher. "Sie haben sich in ihrer Technik, Steuerung und im Preis soweit entwickelt, dass sie schon heute wirtschaftlich betrieben werden können." Denn hatte ein 10-Kilowattspeicher vor zwei Jahren noch die Größe eines Wandschranks, ist dieser mittlerweile auf Bierkistengröße geschrumpft.

"In Verbindung mit der Absenkung der Grundlast durch moderne Kühlgeräte und Heizungspumpen ist eine nahezu vollständige Eigenversorgung von März bis September möglich", so Reger. Ausnahmen seien Verbrauchsspitzen und der schwer kalkulierbare Eigenstromanteil in den Wintermonaten. "Technisch gesehen ist damit die Energiewende, wenn sie in allen Haushalten konsequent umgesetzt werden würde, auch eine Energierevolution im privaten Bereich", ist sich der zweite Bürgermeister sicher. Reger wies in diesem Zusammenhang auf Beratungsmöglichkeiten hin, wie private Haushalte ihre Energieeffizienz verbessern können. "An diesem Donnerstag, 1. März, findet im Kulturspeicher des Rathauses wieder eine kostenlose Beratung zu diesem Thema statt."

Energie mit Effizienz

Mitarbeiter des Energie-Technologischen Zentrums Nordoberpfalz (etz Nordoberpfalz) unterstützen bei Fragen rund um den eigenen Energieverbrauch, energieeffiziente Sanierung, Energiesparmaßnahmen und Fördermöglichkeiten. Eine Anmeldung ist telefonisch unter 0961/ 4802929-0 oder per E-Mail info[at]etz-nordoberpfalz[dot]de möglich. Nähere Informationen sowie Angaben über mitzubringende Unterlagen auf www.etz-nordoberpfalz.de.

"Noch ausbaufähig"

"Erbendorf ist mit seinen Haushaltungen und Betrieben bereits heute in der Lage, die Hälfte des gesamten Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien abzudecken", so Reger. Ein Energiemix aus Wind- und Wasserkraft, Solar, Photovoltaik und Biomasse. "Und es ist alles noch ausbaufähig." Ein Musterbeispiel sei für Reger das städtische Fernwärmenetz. "Wir verfügen über ein Bio-Gas-Blockheizkraftwerk und ein Palmöl-Blockheizkraftwerk, die neben Fernwärme auch Strom erzeugen." Mit der Fernwärme werden sämtliche öffentlichen Gebäude der Stadt sowie Privathaushalte und Betriebe mit Wärme versorgt.

Der Energiefachwirt und Bauamtsleiter der Stadt, Dieter Döppl, nannte auch Zahlen. So werden in der Fernwärmeerzeugung derzeit knapp über 100 Anschlüsse im Stadtgebiet beliefert. "Insgesamt werden durch die zwei Blockheizkraftwerke rund 4,5 Millionen Kilowattstunden Wärme und circa 3,8 Millionen Kilowattstunden Strom, die ins Netz eingespeist werden, erzeugt." Er erinnerte daran, dass das Fernwärmenetz schon seit zehn Jahren betrieben wird. "Die erste Lieferung von Wärme erfolgte im November 2007 in das neue Wohngebiet Brückelpoint."

Döppl wies in diesem Zusammenhang auch auf die Nachhaltigkeit der Wärmeversorgung durch die Stadtwerke hin. "Unsere Blockheizkraftwerke erreichen durch Kraft-Wärme-Kopplung einen wesentlich höheren Gesamtwirkungsgrad als beispielsweise mit einer Einzelheizung in einem Gebäude möglich ist."

"Zudem setzen die Stadtwerke in den zwei Blockheizkraftwerken ausschließlich nachhaltig produzierte Brennstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen ein", bestätigte der Energiefachwirt. "Es wird eine effiziente Ausnutzung des eingesetzten Energieträgers und damit eine Schonung der natürlichen Ressourcen ermöglicht." Nicht zuletzt leiste der hohe Wirkungsgrad der Anlagen und der Verzicht auf fossile Brennstoffe einen Beitrag zur Erhaltung der nur begrenzt verfügbaren Bestände und zur Vermeidung von klimaschädlichem Kohlendioxid.

Strom für 80 Haushalte

Dazu kommen noch die städtischen Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden. Beispielsweise wurden am vergangenen Sonntag rund 1045 Kilowattstunden erzeugt. "Damit können 80 Haushalte mit Strom versorgt werden", rechnete Reger vor. Insgesamt liegt die Gesamtleistung bei rund 420 Kilowattpeak. "Zur weiteren Energieeinsparung haben die Stadtwerke vor Jahren das Straßenbeleuchtungsnetz der Eon erworben", so Döppl. "Mit der Umrüstung auf Energiesparbeleuchtung konnte eine Energieeinsparung von rund 49 Prozent erzielt werden."

Wie zweiter Bürgermeister Johannes Reger noch anmerkte, befinde sich im Fuhrpark der Stadt ein Elektrofahrzeug, das mit grünem Strom aus den eigenen Anlagen aufgeladen werden kann. "Ein weiteres E-Auto soll demnächst noch kommen", so Reger.

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