Die "Gollwitzer-Saga"

Autor Gerd Scherm liest am Dienstag ab 19 Uhr im Kulturspeicher des Rathauses aus seiner Gollwitzer-Saga. Auch Friderike Gollwitzer, Tochter des Erbendorfer Ehrenbürgers Wilhelm Gollwitzer, wird dabei sein. Bild: njn
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Erbendorf
04.12.2016
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Eine Familie mit vielen Facetten: Die Gollwitzers brachten Physiknobelpreisträger und Köpfe der Studentenbewegung hervor. Auch für die Stadt Erbendorf ist der Name von Bedeutung. Von welcher, zeigt eine Lesung am Dienstag.

"Die dunkle Mühle" oder "Die Saga der Familie Gollwitzer." So lautet der Titel des Episodenromans, mit dem Gerd Scherm die Familiengeschichte aufarbeitet. Die Stadt lädt am Dienstag, 6. Dezember, um 19 Uhr zur Autorenlesung in den Kulturspeicher des Rathauses ein.

Beim Namen Gollwitzer denken ältere Erbendorfer vor allem an Wilhelm Gollwitzer. Der gebürtige Weidener war von 1928 bis 1956 Lehrer in Erbendorf. 1967 legte er die "Geschichte der Stadt Erbendorf" vor. Damit knüpfte er an die Chronik von Josef Höser aus dem Jahr 1926 an. Die Stadt würdigte Gollwitzers Wirken als Lehrer, Schulleiter und Chronist im Jahr 1967 mit den Ehrenbürgerrechten.

Jahre später stieß Wilhelms Tochter Friederike Gollwitzer auf Lebensaufzeichnungen des 1868 geborenen Großvaters. Wilhelms Vater hatte sie auf gebrauchten Briefumschlägen und altem Packpapier aufgeschrieben. Die Erinnerungen wurden für Friederike Startpunkt einer Expedition in die Vergangenheit, auf der sie ihr Freund, der Autor Gerd Scherm, begleitete.

Die Reise führt in eine dunkle Mühle in der Oberpfalz, auf die kargen Höhen des Böhmerwaldes und nach Flossenbürg, an die Ufer des Eriesees in Ohio, in ein Pfarrhaus in Lindau-Reutin und nach Berlin-Dahlem. Dabei erfuhren die beiden viel über das karge bäuerliche Leben im 19. Jahrhundert, sie stoßen auf Auswandererschicksale im Zwischendeck eines Überseeschiffes und in der neuen Welt in Cleveland.

Sie entdecken ein Familien-Tabu: den Gollwitzer-Sohn und verdrängten Physik-Nobelpreisträger Johannes Stark, dessen Aufstieg und Fall. Sie finden Zeugnisse der Anbiederung der Evangelischen Kirche an den Nationalsozialismus ebenso wie des Widerstands der "Bekennenden Kirche". Friederike folgt den Spuren ihres Onkels, des Querdenkers und Theologen Helmut Gollwitzer, von seinen Anfängen über die kritische Haltung im Dritten Reich bis zu seinem Engagement in den Studentenprotesten von 1968.

Über acht Jahre hat Gerd Scherm an diesem Projekt gearbeitet. Er durchforstete Archive ebenso wie Passagierlisten von Schiffen, private Aufzeichnungen und persönliche Erinnerungen von Beteiligten. Und er hat die Rechercheergebnisse in die Episoden des Romans eingebettet.

Bei der Autorenlesung lesen Friderike Gollwitzer und Gerd Scherm am Dienstag ab 19 Uhr im Kulturspeicher des Rathauses aus dem Buch. Musikalisch umrahmt wird der Abend durch den Zitherclub Erbendorf. Der Eintritt ist frei.
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