14.03.2018 - 20:00 Uhr
Erbendorf

Fachvortrag des Verbandes der landwirtschaftlichen Fachbildung Energiewende in Haus und Hof

Sonne und nachwachsende Brennstoffe: Landwirten stehen zur Energiewende zahlreiche regenerative Ressourcen zur Verfügung. Wie sieht die Zukunft aus?

Zahlreiche Hofbesitzer fanden sich zum Fachvortrag "Energiewende in Haus und Hof" in der Stadthalle Erbendorf ein. Referent war der Almesbacher Landwirtschaftsdirektor Helmut Konrad (stehend).
von Jochen NeumannProfil

Beim Fachvortrag "Energiewende in Haus und Hof" des Verbandes der landwirtschaftlichen Fachbildung referierte der Almesbacher Landwirtschaftsdirektor Helmut Konrad über dieses Thema und machte den Landwirten Mut: "Sie sichert das Einkommen des Betriebs unabhängig vom Milchpreis."

Leitender Landwirtschaftsdirektor Wolfgang Wenisch vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten aus Tirschenreuth freute sich über den zahlreichen Besuch in der Stadthalle Erbendorf. Für den Fachvortrag des Verbands der landwirtschaftlichen Fachbildung Tirschenreuth (VlF) hieß er vor allem den Referenten des Abends willkommen.

Mehrere Möglichkeiten

Wenisch wies darauf hin, dass das Gut Almesbach eine Vorreiterrolle bei der Energiewende in ganz Bayern spiele. "Sprit vom Acker, Wärme aus dem Wald, Strom vom Dach und aus dem Speicher sowie Strom und Wärme aus Reststoffen - das spiegle die Möglichkeiten der Landwirtschaft wieder."

"Der energieautarke Bauernhof ist möglich", stellte Landwirtschaftsdirektor Konrad zu Beginn seines Vortrags fest. Für die Energiewende habe das Staatsgut Almesbach in den vergangenen 13 Jahren viel getan. "Noch 2005 benötigten wir zur Deckung unseres Energiebedarfs von rund 1,25 Gigawattstunden im Jahr 48 Prozent Heizöl, 30 Prozent Diesel und 22 Prozent Strom."

Im Einzelnen führte Konrad auf, was das Staatsgut in den Folgejahren zur Energiewende beigetragen hat. So wurde im Jahr 2006 eine Hackschnitzelheizung eingebaut. "Allein schon die CO2-Einsparung liegt hier bei 180 000 Kilogramm", so der Landwirtschaftsdirektor. Zuvor wurden für die Heizleistung 65 000 Liter Heizöl verbraucht.

Noch Nachholbedarf

Im Jahr 2010 wurde ein Rapsölschlepper angeschafft. "Er läuft zwar gut, doch gibt es hier noch Nachholbedarf auch hinsichtlich der Unterhaltung der Maschine." Überaus positiv sieht Konrad aber den Ausbau der Photovoltaikanlage in Jahr 2011. "Jährlich produzieren wir 250 000 Kilowattstunden Strom." Er merkte aber an, dass es sich hierbei um eine "fluktuative" Erzeugung handelt. "Denn ohne Sonne geht nichts."

Deshalb bilde die Photovoltaikanlage den Schwerpunkt der Eigenversorgung. Ein zusätzliche Biogasanlage, die mit Gülle, Mist sowie Mais betrieben werde, könne über einen Generator mehr als 600 000 Kilowattstunden Strom erzeugen. "Damit werden aus regenerativen Energien über 260 Prozent des Eigenbedarfs an Strom produziert." Der Überschuss werde ins Netz eingespeist. Ein Pluspunkt der Anlage sei zudem, dass das Staatsgut zu jedem Zeitpunkt Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz sei.

"Auch über die Speicherung von Energie haben wir uns Gedanken gemacht", so der Landwirtschaftsdirektor. Um die Spitzen bei der Stromerzeugung aus Photovoltaik abzufangen, verfüge der Betrieb über Blei-Akkus mit 31 Kilowattstunden und 5 Kilowattstunden-Lithium-Ionen-Batterien. Insgesamt sei ein Speichervermögen von 90 Kilowattstunden vorhanden.

Für die Zukunft hat das Staatsgut Almesbach nach Aussage von Konrad noch einiges vor. So soll die Photovoltaik-Anlage mit einem Lastmanagementsystem optimiert werden. "Damit können Maschinen und Anlagen je nach Stromproduktivität hinzu- oder weggeschaltet werden."

Wichtig für Helmut Konrad ist auch der Einsatz von Elektrofahrzeugen im Betrieb. "Mit selbsterzeugtem Strom können diese Fahrzeuge aufgeladen werden." Dabei sprach er vom Einsatz von Elektro-Mischwagen bei der Fütterung, eines Elektro-Hofladers und von Elektro-Autos.

Viele Ressourcen

"Dem Hofbesitzer stehen zur Energiewende zahlreiche regenerative Ressourcen zur Verfügung", stellte er abschließend fest. Damit leisten die Landwirte auch einen Beitrag zur Energiewende. "Ein weiterer wesentlicher Punkt ist es, dass die vom Landwirt erzeugte Energie ins Netz eingespeist werden kann und sein Einkommen damit sichern kann", so Konrad.

Den anwesenden Teilnehmern gab der Landwirtschaftsdirektor den Rat mit auf den Weg, ihre Höfe einem Energiecheck zu unterziehen. Er wies auch auf zahlreiche Förderungen von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizient hin. "Wichtig ist es, ein individuelles energetisches Gesamtbetriebskonzept zu erarbeiten", stellte Landwirtschaftsdirektor Konrad fest. "Denn eine Energiewende kann es nur im ländlichen Raum geben, weil entsprechende Flächen vorhanden sind."

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