11.04.2018 - 20:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Freie Wähler feiern 70-jähriges mit Festabend Von den Überparteilichen zu den Freien Wählern

"Um die Zukunft der Freien Wähler in Erbendorf ist mir gar nicht bange", stellte Ortsvorsitzender Rolf Hanauer beim Jubiläumsabend zum "70-Jährigen" fest. Er kündigte demnächst die Gründung der "Jungen Freien Wähler"in der Steinwaldstadt an.

Kreisvorsitzende Gisela Kastner beim Jubiläumsabend der Freien Wähler Erbendorf.
von Jochen NeumannProfil

Erbendorf
. (njn) Höhepunkt beim Festabend der Freien Wähler im Hotel Steinwaldhaus war die Festrede des Landesvorsitzenden Hubert Aiwanger (der NT berichtete). Und auch Kollegen von SPD, CSU und CWL waren gekommen.

Hanauer warf einen längeren Blick ins Geschichtsbuch: "Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs und den entbehrungsreichen Jahren danach machte sich bei den Erbendorfer Bürgern ein gewisser Frühlingsgedanke breit." So seien zwischen 1945 und 1948 zahlreiche Parteien gegründet worden. "Viele hatten aber mit einer Partei gar nichts mehr am Hut." Hanauer verwies darauf, dass Bürger zwar kommunal tätig werden wollten, aber ohne eine Partei.

Gestern und heute

Was mit der Gründung der Überparteilichen Wählergemeinschaft begann, setzte sich in der Steinwaldstadt zu den heutigen Freien Wählern fort. 1948 legten 15 politisch Interessierte am 21. März im Gasthof "Zur Post" den Grundstein und stellten gleich eine Kandidatenliste für die Stadtratswahl auf. Hanauer hielt das Protokoll der Gründungssitzung in Händen und verwies darauf, dass der spätere Oberamtsrat Josef Rittinger damals als jüngsten Mitglied zum Schriftführer bestimmt wurde.

Die ersten "Überparteilichen" im 16-köpfigen Gremium waren Fritz Wölfl, Fritz Kritzenthaler und Hans Dumler. 1954 saß Dr. Lieselotte von Stromberg als erste Frau im Erbendorfer Stadtrat. Bürgermeister waren Heinrich Tretter (1955 bis 1958) sowie Richard Kammerer (1961 bis 1978). In Kammerers Amtszeit fielen der Bau des Freibads und der Kläranlage sowie Eingemeindungen im Rahmen der Gebietsreform. Seit 1972 sind die Freien Wähler auch im Kreistag vertreten. Für die Steinwaldstadt engagierten sich unter anderem Georg Lippert, Vater des amtierenden Landrats, Richard Kammerer und später Josef Rittinger. Einer, der ebenfalls der Lokalpolitik den Stempel der Freien Wähler über Jahrzehnte hinweg aufgedrückt hat, ist Dr. Werner Rose. Unter anderem war er von 1978 bis 1996 zweiter Bürgermeister und auch auf Kreisebene tätig. "Gerade Dr. Rose war es, der sich sowohl im Stadtrat als auch im Kreisrat vehement für eine Lösung der Kreiskrankenhausfrage in Erbendorf einsetzte", betonte Hanauer. "Es gelang ihm. Heute ist das Haus als Teil der Kliniken Nordoberpfalz AG unter dem wohlklingenden Namen Steinwald-Klinik das am besten ausgelastete Haus."

Ortsvorsitzender Hanauer erinnerte an die Umbenennung ab 1989 in "Freie Wähler - Überparteiliche Wählergemeinschaft FW/ÜpWG." 1996 beließ man es bei "Freie Wähler." "Bei der Kommunalwahl 1996 wurde der damals parteilose Bürgermeister Hans Donko von den Freien Wählern und der CSU unterstützt", wusste Hanauer.

"Später sah er seine politische Heimat bei der CSU". Ein Jahr später, 1997, seien die Freien Wähler "wegen des Wegfalls der Zugpferde geschwächt gewesen. Denn es vollzog sich ein Generationswechsel mit Rolf Hanauer und Bernhard Schmidt. "Inzwischen haben wir uns aber wieder gut erholt." Besonders freute sich Hanauer, dass die Freien Wähler für die anstehende Landtagswahl mit Bernhard Schmidt einen "Top-Kandidaten" stellen. Zweiter Bürgermeister Johannes Reger ging auf die kommunale Selbstverwaltung ein.

"Am Beispiel der Nachkriegszeit sieht man, dass auch Bürger wieder ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen." Er wies darauf hin, dass die Arbeit im kommunalen Parlament Ideen und Köpfe brauche. "Dazu gehören Diskussionen, verschiedene Meinungen und Entscheidungen", so der zweite Bürgermeister. "Entscheidend ist, dass man nach Diskussionen gemeinsam wieder ein Bier trinken kann." "70 Jahre Freie Wähler, ein beachtliches Alter", lobte Kreisvorsitzende Gisela Kastner. In Erbendorf sei man rührig und engagiert. "Ein lebendiger Verein im Spektrum der Parteien." Besonders freute sie sich, dass es eine aktive Gruppe mit jungen Leuten gebe. "Von ihnen werden wir sicher bald noch mehr hören."

Keine Trägheit

"Erfolg darf nicht in Trägheit münden", stellte Landrat Wolfgang Lippert fest. "Erfolg sollte Ansporn sein, kritisch zu hinterfragen und eigene Ideen einzubringen sowie Anliegen der Bürger ernst zu nehmen." Sein Grußwort nutzte Lippert, auf die aktuellen Geschehnisse im Landkreis einzugehen.

Dabei sprach er die nächsten Baumaßnahmen im schulischen Bereich ebenso an, wie den Tourismus. So sei ein Anstieg von gut 13 Prozent bei den Übernachtungen zu verzeichnen. "Das Aribo-Hotel hat dazu beigetragen." Dem Süd-Ost-Link erteilte er eine Absage.

Ehrungen

Gemeinsam mit Landesvorsitzendem Hubert Aiwanger und Landrat Wolfgang Lippert ehrte Rolf Hannauer treue Mitglieder. So wurde für 50 Jahre-jährige Mitgliedschaft das Urgestein der Freien Wähler, Dr. Werner Rose, ausgezeichnet, der aber leider an diesem Abend nicht anwesend sein konnte. Ebenfalls verhindert war ein weiterer Mitstreiter, der ehemalige Stadtrat Manfred Opitz, der für 40 Jahre geehrt wurde. Ebenfalls vier Jahrzehnte sind Georg Panzer und Johann Mautner dabei. Für 25 Jahre wurden Ortsvorsitzender Rolf Hanauer, Dr. Wolfgang Frank, Therese Hirmer und Andreas Hoffer geehrt.

Entscheidend ist, dass man nach Diskussionen gemeinsam wieder ein Bier trinken kann.Johannes Reger (CS)

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