Hobby-Fotografin experimentiert drei Jahre mit gefrorenen Seifenblasen
Der perfekte Augenblick

Die feinen Muster auf der Seifenblase zeigen sich nur kurz. Danach zerplatzt sie wie Glas. Bilder: hfz/Susanne Menzel
Vermischtes
Erbendorf
10.12.2016
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Röthenbach/München. Auf den richtigen Augenblick hat Susanne Menzel drei Jahre lang gewartet. Am ersten Advent ergriff sie ihn. Die Temperatur, der Lichtbruch, die Struktur, die Windgeschwindigkeit, alles stimmte. "Das war narrisch viel Arbeit", sagt sie. Narrisch ist eins ihrer Lieblingsworte.

Die Hobby-Fotografin wartete drei Winter auf das perfekte Bild. Sie blies unzählige Seifenblasen, schoss Hunderte Bilder. Im richtigen Augenblick zeigte das Thermometer minus vier Grad in ihrem Garten im Münchner Stadtteil Alt-Taubing. Windstille. Menzel platzierte vorsichtig eine Seifenblase auf einem verblühten Clematiszweig. Die Blase gefriert. Feine Eisblumen bilden sich auf der Oberfläche. Jetzt muss es schnell gehen. "Irgendwann verschwinden die Eisblumen und die Seifenblase wird grau. Sie zerspringt wie Glas", sagt Menzel. Es ist dunkel, sie beleuchtet ihr Motiv mit einer Taschenlampe. Die Makrokamera mit Stativ hat sie auf Position. Mit dem Fernauslöser fokussiert sie den hauchdünnen Rand der Seifenblase. Die Kamera muss im richtigen Winkel stehen, dass die Eisblumen-Struktur heraus kommt.

40 bis 50 Fotos hat die Hobby-Fotografin an diesem Abend gemacht. Eins davon war perfekt. Menzel schickt das Foto ihrer Mutter, die seit 20 Jahren in Röthenbach am Steinwald lebt. Die entschied: "Das muss in die Zeitung." Auch Menzel will bald "da nauf" in die nördliche Oberpfalz ziehen, zu ihren Eltern und ihrer Oma. Obwohl die 51-Jährige in München geboren ist und einen guten Job am Bundesfinanzhof hat, fühlt sie sich nicht wohl in der Großstadt. Den Röthenbachern, den Dörflern fühlt sie sich näher: "Die Menschen sind nicht so rational und oberflächlich. Sie sind menschlicher, zugänglicher." Wie ihre Mutter vor 20 Jahren ihr Leben in München aufgab und in ihre Röthenbacher Heimat zurück ging, will auch Menzel zurück an den Ort, wo sie alle ihre Ferien verbrachte. Und dem sie sich näher fühlt, als der "narrischen Großstadt". Auch da wartet sie noch auf den richtigen Augenblick.
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