21.08.2017 - 17:42 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Informationsgespräch mit MdB Albert Rupprecht im Caritas-Altenheim Lücken im Pflegesystem

"Wir wünschen uns, dass unsere Pflege-Auszubildenden weiterhin parallel zur Schulausbildung studieren können." Diese fromme Forderung formulierte Dr. Robert Seitz vom Caritasverband Regensburg im Gespräch mit Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht.

Albert Rupprecht (Zweiter von links) besuchte das Caritas-Altenheim in Erbendorf und sprach mit (von links) Dr. Robert Seitz vom Caritasverband, Trägervereinsvorsitzendem Johannes Reger, Chefin Eveline Gerstl-Seidl und Wohnbereichsleiterin Katja Müller. Bild: njn
von Jochen NeumannProfil

Neben der "generalistischen Ausbildung" wurde auch die Finanzierung der Altenpflegeeinrichtungen angesprochen. In der "Zoigl-Stub'n" im Caritas-Altenheim St. Marien saßen Entscheidungsträger zum Informationsaustausch zusammen. Heimleiterin Eveline Gerstl-Seidl freute sich über den Besuch aus Berlin. Weiterer Gast war der CSU-Ortsvorsitzende und Vorsitzende des Trägervereins des Berufsbildungszentrums (BBZ).

Die "generalistische Ausbildung", eine Zusammenlegung der Ausbildungsinhalte von Krankenpflege und Altenpflege, sorgt nach den Worten des Bundestagsabgeordneten schon lange für hitzige Debatten. Rupprecht bezeichnete das nunmehr verabschiedete Gesetz als "klassischen Kompromiss." Er sei nach wie vor nicht überzeugt davon. Denn für ihn ist die Komplettlösung gerade in ländlich strukturierten Regionen nicht umsetzbar. Wie Rupprecht ausführte, solle mit dem Gesetz die Ausbildung in der Pflege einheitlicher werden. Mit der generalistischen Pflegeausbildung sei es möglich, nach der Ausbildung in allen Versorgungsbereichen zu arbeiten - in der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege. "Gesonderte Abschlüsse würden aber erhalten bleiben.

Sieben Azubis

Heimleiterin Eveline Gerst-Seidl informierte, dass zum 1. September sieben junge Menschen im Caritas-Altenheim ihre Ausbildung beginnen, vier davon in Teilzeit. Sie hob die gute Zusammenarbeit mit dem benachbarten Berufsbildungszentrum hervor. Für BBZ-Trägervereinsvorsitzenden Johannes Reger besteht seitens der Schule noch eine gewisse Unsicherheit. "Der Altenpflegeberuf lebt von den Seiteneinsteigern", meinte Reger. Mit einer drohenden Akademisierung werde genau diesen Leuten der Zugang verwehrt.

Es kann nicht jeder pflegen. Wir stehen hinter einer einheitlichen Pflegeausbildung und der Möglichkeit, im Rahmen einer dualen Ausbildung parallel zu studieren", betonte Dr. Seitz. "Für die Caritas wünschen wir uns, dass unsere Pflege-Azubis weiterhin parallel zur Schulausbildung studieren können", stellte Dr. Robert Seitz fest.
"Der Wunsch der Menschen, möglichst lange den Lebensabend in den eigenen vier Wänden zu verbringen, ist zu respektieren", stellte Dr. Seitz fest. Meist werde ein solcher Wunsch vor Eintritt von Pflegebedürftigkeit und Vereinsamung geäußert. "Ein guter Träger von Pflegeeinrichtungen denkt nicht institutionell für sein Alten- und Pflegeheim, sondern aus der Perspektive der betroffenen Person", sagte Seitz. "Wir schöpfen die gesetzlich möglichen Personalschlüssel aus", stellte er für die Caritas fest. Das bedeute möglichst viel Personal, "auf dessen persönliche, fachliche und sprachliche Qualifikation wir großen Wert legen." "Wir fordern eine bessere öffentliche Refinanzierung für die stationäre Pflege", betonte Seitz. Die einseitige Förderung des ambulantisierten Bereichs führe nach seinen Worten zu einer illegitimen Verschwendung öffentlicher Mittel durch eine Belastung der Sozialbudgets für Pflege- und Krankenversicherung. "Die Pflegereform ruft den Gewinnmaximierer auf den Plan, der in betriebswirtschaftlichen Seminaren erfährt, wie er am geschicktesten die Sozialkassen plündert."

"Massive Schieflage"

Seitz machte dies an einem Beispiel deutlich. So seien die öffentlichen Mittel bei ambulantisierter Versorgung mehr als doppelt so hoch belastet wie stationär (zum Beispiel im dritten Pflegegrad: 3173 Euro gegenüber 1262 Euro). Eine massive Schieflage bestehe in den Bereichen Behandlungspflege und "einrichtungseinheitlicher Eigenanteil".

"Alten- und Pflegeheime sind Orte, wo Menschen leben - bis zuletzt", stellte Seitz fest. Jährlich sterben dort 300 000 Menschen, wesentlich mehr als zum Beispiel in Hospizen. "Doch bei der Unterstützung durch Sozialkassen klafft eine riesige Lücke." Für einen Platz im Hospiz werden monatlich rund 10 000 Euro bereitgestellt, während die Pflegekasse für die Betreuung im Alten- und Pflegeheim im höchsten Pflegegrad nur 2000 zugesteht.

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