Katholische Pfarrei feiert langjährige Ehejubilare
Die Gabe der Rose

Die katholische Pfarrei würdigte beim Erntedankgottesdienst die Erbendorfer Ehejubilare. Bild: njn
Vermischtes
Erbendorf
05.10.2017
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"Dankbar schauen Sie auf Ihre Beziehung: auf eine Liebe, die Ihr Leben in guten und in schlechten Zeiten prägt und erfüllt." Mit diesen Worten würdigte der Erbendorfer Stadtpfarrer Martin Besold alle Ehejubilare der katholischen Pfarrei.

Insgesamt 25 Ehepaaren spendete Besold den Einzelsegen. Im Anschluss lud der Pfarrgemeinderat zu einem Stehempfang im Kolpinghaus ein. Willkommen zu diesem Gottesdienst in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt waren alle Paare, die in diesem Jahr ihren 25., 40., 50., 55., 60. und 65. Hochzeitstag feiern können. "Erntedank heißt, dass wir auch in Dankbarkeit auf alles in unserem Leben schauen", so Besold. "Deshalb danken wir heute für das Zeugnis unserer Ehejubilare." "Zum Erntedankfest und zur Feier des Ehejubiläums gleichermaßen möchte ich Ihnen eine Begebenheit im Leben des Rainer Maria Rilke nahebringen", stieg der Geistliche in die Geschichte ein, wonach der Dichter eine Zeit lang in Paris lebte. Dabei ging er mit seiner Begleiterin allabendlich an einer Bettlerin vorbei. Die Begleiterin legte ihr immer ein Geldstück in die Hände, der Dichter nie.

Eines Tages kam Rilke mit einer Rose. Als er an der Bettlerin vorbei ging, legte er diese Rose in deren ausgestreckten Hände. Die Frau war daraufhin eine Woche lang nicht mehr am Straßenrand zu sehen. "Wovon mag sie die ganzen Tage gelebt haben?", fragte die Begleiterin den Dichter. Und er gab zur Antwort: "Von der Rose!"

"Zwar konnte die Bettlerin von der Rose sicherlich nicht abbeißen und doch war diese Rose für sie etwas Wichtiges, etwas, von dem sie offensichtlich eine Woche lang gezehrt hat", so Pfarrer Besold. "Denn mehr als Besitz ist der Sinn des Lebens wichtig." Erntedank sei der wertschätzende und dankbare Blick auf die Natur, die Schöpfung Gottes. "Sie lädt ein zu einem Wachstum mit Mäßigkeit, wie es Papst Franziskus in seinem Schreiben zum Umweltschutz, der Enzyklika ,Laudato si' schrieb."

"Weniger ist oft mehr", betonte Besold. Notwendig sei ein neuer Lebensstil, der nicht so sehr auf Besitz fixiert sei. "Die Fähigkeit zu tiefer Freude, auch über materiell eher wenig Verwertbares." Diese tiefe Freude habe sich die Bettlerin, der Rilke eine Rose geschenkt hat, bewahrt. "Die Gabe der Rose hat das Herz der Bettlerin genährt und erfüllt." Das Geschenk einer Rose anstatt von Geld zeige einen anderen Lebensstil: "Den Lebensstil der Liebe", so der Pfarrer weiter. Denn in der Liebe werde immer ein Stück von sich selber geschenkt. "In Ihrer Ehe leben Sie diesen Lebensstil der Liebe", sagte Besold. "Die Liebe, die Sie einander schenken, erfüllt Ihre Leben."

Der Erntedankgottesdienst wurde musikalisch vom Zitherclub gestaltet, der seinen verstorbenen Mitgliedern gedachte. Im Anschluss waren die Ehejubilare im festlich dekorierten kleinen Saal des Kolpinghauses eingeladen. Bei guten Gesprächen, Sekt und Häppchen klang der Abend aus. Pfarrer Besold dankte dem Pfarrgemeinderat für die Vorbereitung.
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