25.02.2018 - 20:00 Uhr
Erbendorf

Kaufhaus Baier mit langer Tradition Mit Kolonialwaren fing alles an

Es ist das älteste Einzelhandelsgeschäft in Niederbayern und der Oberpfalz. In der vierten Generation wird das Erbendorfer Kaufhaus Baier als Familienunternehmen geführt. 1862 begann die Erfolgsgeschichte, die nun wohl endet. Isabella Baier möchte aufhören - etwas Hoffnung bleibt aber.

Seit seiner Gründung 1862 befindet sich das Kaufhaus Baier am Marktplatz.in Erbendorf.
von Jochen NeumannProfil

Im stattlichen Bürgerhaus am Marktplatz 1 gründete Familie Kost ihre Kolonialwarenhandlung: Neben Lebensmitteln des täglichen Bedarfs gab es Tabak, Kaffee, Reis und Kakao. Im Laufe der Zeit kamen Eisenwaren hinzu. Im Jahre 1889 heiratete Christoph Baier die Geschäftsführerin und Tochter des Hauses, Margarethe Kost.

1896 erschien im Kaufhaus Baier die erste Ansichtskarte von Erbendorf. Im Hintergebäude befand sich das sogenannte "Magazin" als Lager für alles, was das Geschäft über die Ladentheke verkaufte. Ein schwarzer Tag für Baier war der 26. August 1899. Im Stadel des Lindneranwesens (heute steht dort das Rathaus) brach ein Feuer aus, das auf das Magazin übergriff und es in Schutt und Asche legte. Noch im selben Jahr entstand ein großzügiges Magazin. Nach dem Ersten Weltkrieg in der Zeit der Inflation beherbergte das Kaufhaus Baier eine Niederlassung der Bayerischen Vereinsbank, die nach 1923 wieder verschwand. Im Jahr 1932 schloss sich das Kaufhaus dem Edeka-Verbund an. Nach 50 Jahren als Geschäftsführung übergab Christoph Baier an den damals 40-jährigen Sohn Karl. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er von 1945 bis 1946 Bürgermeister und über 20 Jahre Aufsichtsratsvorsitzender bei Edeka Marktredwitz. 1974 übernahm Tochter Isabella Baier. Groß gefeiert wurde 1987 das 125. Firmenjubiläum. Für dieses Ereignis wurde auch der Laden neu gestaltet.

Was zur Gründerzeit galt, gilt auch heute im Kaufhaus Baier. Hier ist viel erhältlich, was es anderswo nicht gibt. Kunden schätzen, dass viele Lebensmittel aus der Region angeboten werden. Alleinstehende freut, dass im Kaufhaus Baier auch kleinere Mengen zu bekommen sind. Wie lange der letzte Tante-Emma-Laden der Stadt geöffnet bleibt, ist absehbar. Inhaberin Isabella Baier möchte altersbedingt schließen. Ein Datum steht noch nicht fest. Noch sei nicht ganz ausgeschlossen, ob es nicht doch weiter geht. Bis dahin ist "Total-Räumungsverkauf" angesagt.

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