24.03.2017 - 20:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Lebenshilfe baut im Auftrag des VLAB für Steinwald Vogel-Kinderstuben Kästen für Käuze

Während die Vögel derzeit voll mit dem Brut- und Nistbetrieb beschäftigt sind, schaffen fleißige Helfer bereits Wohnraum, damit der Nachwuchs im Steinwald sesshaft werden kann. Das Projekt "Wiederansiedelung des Habichtskauzes" läuft auf vollen Touren.

Die Mitarbeiter Patrick Lang und Stefan Kuchenreuther bauen mit weiteren Kollegen in der Schreinerei der Lebenshilfe in Marktredwitz Nistkästen für die Habichtskäuze. Schreinermeister Norbert Egeter und VLAB-Geschäftsführer Andreas Schmiedinger (von links) schauen beim Werkstattbesuch den Mitarbeitern über die Schulter.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Der Habichtskauz ist mit einer Größe von bis zu über 60 Zentimetern nach dem Uhu die zweitgrößte Eulenart in Bayern. Seit etwa 90 Jahren gilt der Vogel in der Region als ausgestorben. Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) ist fest entschlossen, dies zu ändern. Die Mitglieder haben sich die Rückkehr der großen Käuze auf die Fahnen geschrieben.

Viele Kontakte geknüpft

Billig wird das nicht. Darüber ist sich Vorsitzender Johannes Bradtka im Klaren. Allein für die ersten fünf Jahre sind etwa 650 000 Euro an Kosten veranschlagt. Für 2017 ist die Finanzierung mittlerweile in trockenen Tüchern, auch weil viele Mitglieder des VLAB aus der Oberpfalz und Oberfranken das Projekt mit Rat und Tat unterstützen. "Trotzdem wird man wohl zeitweise auf eine zusätzliche hauptamtliche Kraft nicht verzichten können", urteilt VLAB-Geschäftsführer Diplom-Agrarbiologe Andreas Schmiedinger aus Nagel.

Bei ihm laufen die Fäden für die Umsetzung zusammen. Schmiedinger war die vergangenen Monate nicht untätig und hat bereits die Fühler zu zahlreichen Züchtern ausgestreckt, die bereit sind, junge Habichtskäuze abzugeben. Der Geschäftsführer ist guter Dinge, dass das Projekt bereits im ersten Jahr richtig ins Rollen kommt, zumal auch renommierte Einrichtungen das Projekt unterstützen wollen. Der Nationalpark Bayerischer Wald, in dem bereits seit Jahren erfolgreich ein Auswilderungsprojekt läuft, ist ebenso eingebunden wie beispielsweise der Nürnberger Tiergarten oder der Opel-Zoo im Taunus. Der Mann vom VLAB: "Unsere Partner und Züchter kommen aus ganz Deutschland."

Bis zu sechs Eier

Die Zahl der Eier im Gelege der sehr standorttreuen Habichtskäuze schwankt zwischen eins und sechs. Es ist deshalb sehr schwierig vorauszusagen, wie viele Käuzlein der VLAB im ersten Projektjahr wirklich in die Freiheit entlassen kann. Nach 28 Bruttagen schlüpfen die Jungen. Der VLAB rechnet damit, dass es Mitte Mai soweit sein wird. Im Juni sollen die Jungvögel in den Steinwald umziehen - zuerst in Voliere und dann von dort in die freie Natur. Die Suche nach geeigneten Standorten für die Voliere(n) läuft demnächst an. Wichtig ist, dass sich die Jungvögel dort abgeschirmt an das Leben in freier Natur gewöhnen können. Dazu gehört auch, dass die jungen Käuze lernen, selbst Mäuse und andere Kleintiere zu fangen.

Als Kinderstuben lässt der VLAB große Holzkästen, die marder- und waschbärensicher in etwa sechs Meter Höhe aufgehängt werden, anfertigen. Der Auftrag dafür ging an den Verein Lebenshilfe Marktredwitz-Selb-Wunsiedel. Dort laufen die Arbeiten auf vollen Touren. Ende März sollen die letzten fertig sein. Kosten für den VLAB pro Eulenkasten: knapp 70 Euro.

"Für unsere Werkstätte ist das ein wunderschöner Auftrag. Wir haben schon viele andere Nistkästen gebaut, aber noch nie so große", freut sich stellvertretender Werkstattleiter Andreas Weiß. Der Mann von der Lebenshilfe rechnet damit, dass die "Schnellen Brüter" bis Ende März fertig sind. Weitere Behausungen steuert der Staatsforstbetrieb Fichtelberg bei. Rund 60 Nistkästen sollen es am Ende sein. Schmiedinger kündigt an, dass sie bis August in einem Radius von etwa 25 Kilometern rund um das geheim gehaltene Auswilderungszentrum im Steinwald in den Wäldern hängen werden.

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Weitere Informationen:

www.landschaft-artenschutz.de/

Erfahrungen aus dem Bayerischen Wald

Entscheidend für den Erfolg des Projekts wird sein, dass die Vögel im Steinwald nach dem Entlassen in die Freiheit gute Nistmöglichkeiten vorfinden. Hier gibt es für den VLAB noch einiges zu tun. Im Steinwald stünden viel zu wenig abgestorbene Bäume, die den Vögeln geeignete Nistmöglichkeiten bieten könnten, weiß Schmiedinger.

Der VLAB macht sich bei seinem Wiederansiedlungsprojekt auch die Erfahrungen aus dem Bayerischen Wald zunutze. "Es hat sich gezeigt, das der Habichtskauz keine an drei Seiten geschlossenen Nistkästen will", weiß Schmiedinger. Die Behausungen der Lebenshilfe haben deshalb an drei Seiten Öffnungen. Außerdem sollen sie vor dem Aufhängen noch einen dunklen Anstrich bekommen, dessen Farbe der von Todholz ähnelt.

Platz für eine kleine Kamera wird ebenfalls vorhanden sein, da Webcams ständig Bilder von den Habichtskauz-Familien liefern sollen. Der VLAB will möglichst viele Bilddaten für die Auswertung des Projekts sammeln. "Das wird kein 08/15-Projekt", verspricht der VLAB-Geschäftsführer, der sich sicher ist, dass die Auswilderung jede Menge Material für die weitere wissenschaftliche Erforschung der Eulenart liefern wird.

Als Hilfe für Waldbesitzer hat der VLAB eine Kriterienliste erstellt, mit der Forstwirte die idealen Habichtskauz-Nistplätze herausfinden können. So ist es zum Beispiel wichtig, dass das Einflugloch in Richtung Südosten auf eine Wiese, eine Kahlfläche oder eine sonstige Bestandslücke ausgerichtet wird. Auch ein Tümpel oder eine Moorfläche sollte in der Nähe sein, und der nächste Nistplatz des Uhus sollte mindestens drei Kilometer entfernt sein. (wb)

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