27.10.2017 - 16:10 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Melissa Kara nimmt an Misswahl teil Hübsch angekommen

Eine spontane Idee könnte zur Erfüllung ihres Kindheitswunsches führen - wenn Melissa Kara am 4. November "Miss Turkuaz" wird. Und damit zum Symbol einer ganzen türkischen Generation.

"Das Studium geht vor." Zitat: Melissa Kara
von Elisabeth Schätzler Kontakt Profil

Unter 400 türkischstämmigen Bewerberinnen aus ganz Europa war die Erbendorferin eine von 50 jungen Damen, die es ins Casting geschafft haben. In Ludwigshafen musste sich die 23-Jährige in Abend- und Bademode präsentieren sowie Fragen in einem Interview beantworten. Drei Tage später kam der Anruf, dass sie sich für das Finale in Marl in Nordrhein-Westfalen qualifiziert hat. Ob sie überrascht war, dass sie es geschafft hat? "Ganz ehrlich? Ich habe es schon erwartet", lacht Melissa etwas schüchtern.

Geboren ist sie in Weiden, mit ihren Eltern und ihrem Bruder lebt sie in Erbendorf. Die Familie unterstützt die Studentin bei ihrem Vorhaben. "Ich habe mit meinen Eltern gesprochen", erzählt Melissa. "Und sie gaben mir ihr Einverständnis." Auch ihr ein Jahr älterer Bruder steht hinter ihr. "Der ist aufgeregter als ich", erzählt die hübsche Brünette mit den braunen Augen.

Passendes Gesamtbild

Überhaupt macht die 23-Jährige einen lockeren und gelassenen Eindruck. Zwar sei es schon immer ein Kindheitswunsch von ihr gewesen, bei einer Misswahl mitzumachen. Die Entscheidung, sich für die "Miss Turkuaz" zu bewerben, sei aber spontan gewesen. Obwohl sie keinerlei Modelerfahrung hat, hat sie es auf Anhieb ins Finale der Misswahl geschafft. "Das Studium geht aber vor", betont sie immer wieder. Bei der Misswahl möchte sie "Spaß haben, etwas erleben und den Kindheitswunsch erfüllen".

Und weil sie sich den realisieren will, machte sich die 23-Jährige im Internet auf die Suche und stieß dabei auf die Seite des Schönheitswettbewerbs. Für die Bewerbung musste sie ein Porträtbild sowie ein Ganzkörper- und ein Bikinifoto einschicken. Dazu kamen noch drei Seiten mit Fragen wie: Warum bewirbst du dich und wieso willst du gewinnen? Ihre Antwort: "Mein Gesamtbild würde passen", sagt sie selbstbewusst. Mit der Jury in Ludwigshafen hat sie sich auf Türkisch unterhalten.

Ein Teil der Misswahl ist das Motto "Meet the difference" ("Treffe den Unterschied"). Dabei geht es laut der Erbendorferin hauptsächlich um Integration, darum Vorurteile zu beheben und einen Einblick zu geben. "Es soll zeigen, dass die Türken der dritten und vierten Generation hier gut angekommen sind." Und genau das verkörpert Melissa.

Ihre Eltern sind Türken, ihre Mutter ist hier in Erbendorf geboren, der Vater in der Türkei. Ihr Bruder und sie kamen in Deutschland zur Welt. Melissa studiert an der OTH in Weiden Internationales Technologiemanagement. Sie lernt Russisch, viele ihrer Kommilitonen sind aus Russland. An der Hochschule hat sie ein Bewerbervideo gedreht, das am Finalabend gezeigt wird. Für die OTH als Kulisse hat sie sich ganz bewusst entschieden: Schließlich absolviere sie ein "multikulturelles Studium mit einer multikulturellen Klasse": "Ich will zeigen, dass wir gut miteinander leben" - und zwar trotz der kulturellen Unterschiede. Ihr Auslandssemester würde sie am liebsten in der Türkei machen, sie muss dort nur einen Betrieb finden, der international tätig ist. Vielleicht ist ihr da ein eventueller Gewinn der Misswahl eine Hilfe?

Diesen Sonntag fängt das Camp an, bei dem sich Melissa und ihre Mitstreiterinnen auf das Finale vorbereiten. Schon bei der Vorentscheidung hat sie die Jury mit ihrer lockeren und ehrlichen Art überzeugt. Schließlich hat sie dort auch kein Geheimnis daraus gemacht, dass ihr Studium vorgeht. "Ich will niemandem den Platz wegnehmen", sagt Melissa. Dass sie kommende Woche keine Vorlesungen hat, spielt ihr in die Karten: Somit kann sie ohne schlechtes Gewissen an dem Schönheitswettbewerb teilnehmen. "Eine Vorlesung wollte ich auf keinen Fall verpassen." Wenn sie gewinnt, wäre eine Absprache bezüglich irgendwelcher Termine möglich. An der Hochschule möchte sie nichts versäumen.

Modelvertrag für zwei Jahre

Während der Vorbereitung im Camp in Gelsenkirchen steht unter anderem Sport auf dem Programm. Das ist für Melissa aber kein Problem: Sie geht regelmäßig ins Fitnessstudio, um fit zu bleiben. Außerdem werden die Kandidatinnen auf den Umgang mit der Presse vorbereitet. Am Finaltag steht ihnen ein Stylist zur Seite, der die jungen Damen schminkt und frisiert. Das Abendkleid bekommen die Frauen vom Veranstalter gestellt, ebenso die Bademode. Jede der Teilnehmerinnen trägt den gleichen Badeanzug oder Bikini.

Was sonst noch auf Melissa zukommt, weiß sie noch nicht genau. "Ich denke, das werden sie uns beim Camp sagen", sagt sie cool, zuckt mit den Schultern und lacht. Wenn sie gewinnt, bekommt sie einen Modelvertrag. Vom Rest lässt sie sich überraschen. "Ich bin allgemein ein lockerer Typ. Auch bei Prüfungen bin ich sehr gelassen, ich bin dafür dann schließlich gut vorbereitet." Das scheint auch auf den Schönheitswettbewerb zuzutreffen. Am 4. November weiß sie, ob sie das Symbol einer ganzen türkischen Generation sein wird. Sollte es nicht klappen, wird sie es nächstes Jahr nicht noch einmal versuchen. "Ich mache das aus Spaß und damit ich es erlebt habe", sagt sie.

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Weitere Informationen:

www.missturkuaz.com/

Das Studium geht vor.Melissa Kara

Der Wettbewerb

Bis 5. Oktober konnten sich 18- bis 26-jährige türkischstämmige junge Frauen aus ganz Europa bewerben. Danach folgten die Castings in Gelsenkirchen und Ludwigshafen. Am Sonntag geht es für die 20 Finalistinnen nach Gelsenkirchen, wo sie sich auf das Finale vorbereiten.

Anspruch der "Miss Turkuaz"-Wahl ist laut Internetauftritt, mehr zu sein als ein Schönheitswettbewerb. Nicht nur die äußerliche Schönheit soll überzeugen, sondern Selbstbewusstsein, Intelligenz und ein starker Charakter. Für alle Kandidatinnen gilt es, die in Europa lebenden Türkinnen zu repräsentieren. Neben den oben genannten Punkten zählt auch das Verantwortungsbewusstsein für Andere. Nur so könnten die Veranstalter von allen "Miss Turkuaz"-Titelträgerinnen erwarten, ihrer Aufgabe gerecht zu werden, ein Vorbild für Andere zu sein. Seit 2010 ist die Gewinnerin auch "Miss Turkuaz Europe".

Im Internet heißt es weiter: "So wird eine Türkin nun das junge, motivierte und 'schöne' Symbol der in Europa lebenden, türkischstämmigen Generation sein." Als diese sei sie gelungenes Beispiel der Ankunft der heutigen Generation - "fernab von Diskussionen und Streitgesprächen". (esc)

Kriterien

Laut Internetauftritt des Schönheitswettbewerbs sind alle weiblichen ledigen und kinderlosen türkischstämmigen Personen mit Wohnsitz in Europa teilnahmeberechtigt. Die Bewerberin selbst kann eine Staatsangehörigkeit des Landes besitzen, in dem sie lebt, mindestens ein Elternteil muss jedoch türkischer Abstammung sein. Zum Zeitpunkt der Wahl selbst muss die Bewerberin mindestens 17 und darf höchstens 26 Jahre alt sein. (esc)

Ziel

Auf die negative Medienberichterstattung über türkischstämmige Frauen sollte mit der Schönheit und dem Erfolg dieser Frauen und erstmalig in einem Wettbewerb geantwortet werden: "Jede Menge Beispiele junger Frauen mit türkischen Wurzeln, die in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, sollten eine andere Art des Beweises für Integration und Erfolg sein", heißt es im Internet. Wichtig war auch das Logo, das drei Elemente vereint: einen "Nazar Boncugu" (Glücksbringer, der vor dem bösen Blick schützen soll), eine Tulpe symbolisch für die Türkei sowie die Farben Schwarz-Rot-Gold für Deutschland. (esc)

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