07.02.2018 - 20:00 Uhr
Erbendorf

Neue Sonderausstellung im Heimat- und Bergbaumuseum Kleiner Einblick in großes Thema

"Flucht und Vertreibung." Diesem Thema widmet das Heimat- und Bergbaumuseum eine neue Sonderausstellung, die am Sonntag, 11. Februar, eröffnet wird. Sie zeigt einen kleinen Ausschnitt aus der Zeit des Kriegsendes und der Nachkriegsjahre. Unter anderem auch mit Geschichten zur Flucht.

Die Familie Sulzer stellte für die Sonderausstellung einen Sack zur Verfügung mit den Habseligkeiten, mit denen sie nach 1945 in Erbendorf eine neue Existenz aufbaute. Museumsleiter Manfred Klöble ist stolz auf dieses besondere Exponat. Bild; njn
von Jochen NeumannProfil

"Es ist ein überaus großes Thema, das wir in unserer neuen Sonderausstellung nur ansatzweise darstellen können", stellte Museumsleiter Manfred Klöble fest. "Denn über die vorhandenen Dokumente könnte man Bände schreiben." So beschränkt sich die Sonderausstellung auf die Erbendorfer Geschichte und auf bestimmte Themenbereiche.

Angeschnitten werden die Evakuierten aus zerbombten Großstädten, die Flüchtlinge, die in die Steinwaldstadt gekommen sind, und auch die Staatenlosen oder Ausländer, die während des Krieges als Gefangene hier waren oder nach dem Krieg hier gestrandet sind. "Die Liste der Nationalitäten ist lang", bestätigt Klöble.

So wurden im Mai 1946 knapp 120 Ausländer gezählt, deren Versorgung die UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration), die Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen, übernahm. Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den ostdeutschen Gebieten und vor allem aus dem Sudetenland mussten hier ernährt und einquartiert werden. Nach einer Aufstellung von 1949 waren in Erbendorf neben den gut 2300 Einwohnern zusätzlich etwas über 700 Flüchtlinge, Evakuierte und Ausländer ansässig. Die Integration der vielen Neubürger ist aber gelungen. Den Geflüchteten und Heimatvertriebenen ist die wirtschaftliche Entwicklung in den Folgejahren mit zu verdanken.

In der Sonderausstellung sind viele Belege einsehbar, wie die Flüchtlinge anfänglich mit dem Nötigsten versorgt wurden. Da gab es Bezugskarten für Schuhe, Kleidung, selbst für Holzstühle und -tische. Von der örtlichen Porzellanfabrik wurden die Neuankömmlinge sogar mit Geschirr eingedeckt.

Stolz ist Museumsleiter Klöble darüber, in der Ausstellung auch handschriftliche Aufzeichnungen über die Flucht aus dem Sudetenland oder Schlesien zu haben. "Eine Besonderheit unserer Ausstellung ist ein großer Sack mit dem Namen Franz Sulzer", so Klöble. "In ihm befanden sich die ganzen Habseligkeiten, die die Familie Sulzer bei ihrer Vertreibung mit nach Bayern nehmen durfte."

Neben solchen wertvollen Exponaten, Dokumenten und Bildern runden ergänzende Infotafeln die Ausstellung ab. Geöffnet ist am Sonntag, 11. Februar, von 14 bis 16 Uhr.

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