07.05.2017 - 20:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Ökumenischer Gottesdienst zum Lutherjahr Trotz Streitgespräch im Grundsatz einig

"Jesus Christus ist es, der uns eint im Glauben." Das stellte der katholische Pfarrer Martin Besold beim "Streitgottesdienst" mit seinem evangelischen Amtsbruder Christoph Zeh in der katholischen Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt fest. Gemeinsam feierten die beiden Kirchen einen ökumenischen Gottesdienst als Beitrag zum Reformationsjahr 2017.

Die Unterschiede zwischen evangelisch und katholisch sprachen im Gottesdienst (von links) Pfarrer Christoph Zeh und Pfarrer Martin Besold an.
von Jochen NeumannProfil

(njn) Gläubige aus der evangelischen Kirchengemeinde und der katholischen Pfarrei konnte Pfarrer Besold begrüßen. Er wies darauf hin, dass diese Mariä-Himmelfahrts-Kirche über 250 Jahre lang Simultankirche war und somit von evangelischen und katholischen gleichermaßen genutzt wurde. "Heute wollen wir ein kleines ökumenisches Zeichen setzen", betonte Besold. "Denn es verbindet uns mehr als uns trennt."

Dankbar für Luther

"Wir Lutheraner sind dankbar auf das, was Martin Luther getan hat", stellte Pfarrer Christoph Zeh fest. "Er gab uns Einsicht in die Freiheit und in das Evangelium." Luther ermöglichte den Umgang mit der Heiligen Schrift und schuf viele noch heute bekannte Gottesdienstlieder.

In der als "Streitgespräch" geführten Predigt gingen die beiden Pfarrer auf das wesentliche der beiden Kirchen ein. So gefiel Pfarrer Christoph Zeh nicht die Auslegung der Worte "Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab." Schon Luther habe gemerkt, dass es alleine auf die Werke nicht ankommt. "Mit Werken alleine können wir uns im Glauben nicht verdienen", antwortete Besold. Trotzdem sei es wichtig, gute Werke zu tun. "Denn ohne Werke könnten wir nichts vom Glauben sehen."

"Bei den Evangelisch ist die Richtung umgedreht", stellte Zeh fest. "Denn zuerst spricht Gott mich gerecht und vergibt mir als armen Sünder." Erst danach entstünden die guten Werke. "Da passt der Bibelspruch 'Ein guter Baum bring gute Früchte', denn bei uns Evangelischen ist es wichtig, dem Glauben und den Worten auch Taten folgen zu lassen." Dennoch, was die Christen insgesamt in die Gesellschaft einbringen sei viel. Als Beispiele nannten beide Pfarrern Misereor oder die Diakonie.

"Am Abendmahl, da scheiden sich die Geister", merkte Pfarrer Zeh in einem weiteren Punkt an. "Kommunion contra Abendmahl, das trennt uns und das ist etwas Schmerzliches", fügte Besold an. "Die Katholiken sind überzeugt, das Jesus Christus in der Kommunion bei uns ist." Besold sah die Eucharistie als Quelle des Lebens. "Daraus lebe ich, da muss ich zur Kirche gehören, voll und ganz." Nach Pfarrer Zeh stehe das Abendmahl im Zentrum der Kirche.

"Gott lädt an seinen Tisch ein und stellt eine Gemeinschaft her." Gerade das Abendmahl sei es, was Gemeinschaft herstelle. "Gott lädt ein, nicht die Kirche", betonte er.
Beim Abendmahl sei bei den Evangelischen auch Christus unter ihnen. "Wir glauben aber nicht, dass er sich in Brot und Wein substanziell verwandelt", bestätigte Zeh. "Wie das genau ist, das bleibt das Geheimnis des Glaubens, das können wir uns nicht erklären."

Besold blieb auf dem Standpunkt, das Jesus Christus gegenwärtig in Brot und Wein sei. "Ich könnte mir deshalb nicht vorstellen, Hostien in die Sakristei zu bringen", so der katholische Pfarrer. "Dafür haben wir einen Tabernakel am Altar."

Die beiden Pfarrer zogen im Gespräch auch einen Vergleich der Sakramente. "Wir evangelische Christen haben mit der Taufe und dem Abendmahl zwei Sakramente, die Katholiken gleich sieben." Nach Besold seien die Sakramente in der katholischen Kirche sichtbare Zeichen für die verschiedenen Stationen im Leben.

Warum die evangelische Kirche mit zwei Sakramenten auskommt, konnte Pfarrer Christoph Zeh verständlich erklären. "Ein Sakrament ist ein Mysterium, in dem sich Gott uns in besonderer Weise zuwendet." Nach Luther sei vor allem mit dem Wort und den Elementen, wie Wasser, Brot und Wein, Gott spürbar. Zudem gehen die beiden Sakramente auf Christus selbst zurück. "Die heutige katholische Kirche ist mit der zur Zeit Luthers nicht zu vergleichen", stellte Zeh fest. Damals sei dem einfachen Volk so viel vorenthalten worden. "Deshalb steht bei den Evangelischen die Predigt, die Auslegung der Heiligen Schrift, im Mittelpunkt."

Gelebte Tradition

"Mittlerweile ist es auch bei den Katholiken angekommen: Wir dürfen die Bibel lesen", so Besold. "Die Bibel ist unsere Grundlage." Nach seinen Worten komme die Schrift aus der Gemeinschaft, die an Jesus Christus glaubt. "Sie ist damals überliefert und aufgeschrieben worden und heute ist sie gelebte Tradition", so der katholische Pfarrer. "Wir tragen sie wie eine Fackel weiter."

"Der Glaube an Christus hat viele Äste und Zweige." Mit diesem Satz sprach Zeh die vielen Dogmen und Entscheidungen im Laufe der Zeit an, die sich auch von der Schrift teilweise entfernt hätten. "Was immer wir aber in der Bibel lesen, in der Mitte steht Jesus Christus." Zu dieser Aussage von Pfarrer Zeh konnte Pfarrer Besold nur zustimmen. "Nur der Weg dahin, der ist etwas verwirrend", so Zeh.

Mittlerweile ist es auch bei den Katholiken angekommen: Wir dürfen die Bibel lesen.Pfarrer Martin Besold

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