Pfarrer Martin Besold über seine Arbeit in der Adventszeit
Eigentlich stets im Dienst

In dieser Woche brütete Pfarrer Martin Besold an seinem Arbeitsplatz im Pfarramt über der Weihnachtspredigt. Bilder: njn (2)
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Erbendorf
23.12.2016
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Pfarrer Martin Besold freut sich jedes Jahr auf den Advent. Die Wochen der Vorbereitung auf Weihnachten seien "eine wunderbare Zeit". Doch dem Erbendorfer Seelsorger geht es wie vielen anderen Geistlichen und einem Großteil seiner Schäfchen: So richtig Gelegenheit zum Verschnaufen ist erst nach den Feiertagen.

"Definitiv" beginne die Vorbereitung auf Weihnachten mit dem ersten Adventssonntag, erklärt Besold. Doch schon vorher seien einige Dinge zu erledigen. Mit den Ruhestandspfarrern Martin Neumaier, Hans Bayer und Siegfried Wölfel sowie Direktor Manfred Strigl vom Haus Johannisthal spreche er die Gottesdienste in den Filialkirchen und Altenheimen ab. Auch die Rorate an den vier Freitagen in der Adventszeit, das Krippenspiel und die Familiengottesdienste müssten mit Gemeindereferentin Roswitha Heining und Praktikant Stefan Knott geplant werden. "Man überlegt sich zudem, welchen Akzent man an Weihnachten setzen kann", so zum Beispiel, wie der Adventskranz ausschauen könnte. "Das wird schon im Oktober ausgemacht." Dieses Mal seien die Kerzen rot statt lila. Zudem befinde sich der Kranz heuer an der Seite im Altarraum.

Die "gängigen Messen sind im Advent immer im Angebot", berichtet der Seelsorger. Dazu kommen ein Bußgottesdienst und in diesem Jahr erstmals ein Kindermusical am zweiten Advent, kurz vor Weihnachten Beichten, bei denen Ruhestandspfarrer Franz Winklmann mithilft, und freitags das Rorate um 6 Uhr, jeweils mit rund 100 Besuchern, schätzt Besold, der seit sechs Jahren seelsorgerisch in der Pfarrei Erbendorf wirkt. Er denke, dass das Gotteshaus in den "staden" Tagen voller ist. "Advent ist für die meisten eine besondere Zeit, in der man an Gott denkt, sich besinnt und überlegt: , Was war denn in dem Jahr?'" Dies brauche der Mensch eigentlich auch in allen anderen Monaten - sich in der Familie zusammenzusetzen oder vor einer Kerze zu sitzen. Daher ist der 38-Jährige vom Brauch des Frauentragens, "das in die Familien reingeht, um sich zu Hause auf Weihnachten vorzubereiten", so angetan.

Im Kalender hat der frühere Ebnather aber auch die Termine von Jahresabschlussveranstaltungen einiger kirchlicher Vereine und Organisationen stehen. Die Kolpingfamilie, der Frauen- und Mütterverein sowie der Pfarrgemeinderat gestalteten ihre Adventsfeiern mit Gebeten und Liedern "als eine Art Andacht".

Trotz einiger zusätzlicher Termine "gibt es schon freie Abende", verrät Besold. "In den Advent legt man nicht großartig Sitzungen, zum Beispiel der Kirchenverwaltung. Das versucht man schon rauszulassen." Besonders vor Weihnachten möchte Besold "hauptsächlich Seelsorger sein". "Es ist eine Zeit, in der sich die Menschen nach Gemeinschaft und Ansprache sehnen." Daher gebe es entsprechende Angebote, bei denen die Menschen zusammenkommen und wo sie eine "Heimat" finden könnten. Besold erwähnt hier exemplarisch ökumenische Gottesdienste und die Weihnachtsfeiern in den Altenheimen sowie in der Geriatrie. Für Personen, die allein seien oder andere Probleme haben, sei eine Gemeinschaft wichtig. Vor allem nach einem Trauerfall "ist es gut, Anschluss zu suchen".

Dabei gehen die wenigsten den Weg über den Seelsorger, wenn sie Ansprache benötigen. "Es rufen nicht mehr an als sonst", meint Besold. "Viele trauen sich nicht, zum Pfarrer zu gehen" und wählten lieber die Nummer der Telefonseelsorge. "Das ist anonymer", vermutet der Geistliche.

Bis zum Heiligen Abend hat Besold "in den meisten Fällen" seine Vorbereitungen auf Weihnachten abgeschlossen. Heuer etwas entspannter als sonst, denn durch den "längstmöglichen Advent in diesem Jahr war dafür relativ viel Zeit. Das ist für einen Pfarrer etwas sehr schönes, obwohl durch den Wegfall von Feiertagen nicht unbedingt arbeitnehmerfreundlich", lacht der 38-Jährige.

Auch wenn er in seiner Gemeinde auf zahlreiche "Leute, die wahnsinnig viel helfen" zurückgreifen kann, kommt er ums Schrieben der Predigt für die Christmette irgendwann nicht mehr herum. Sie hat er während dieser Woche verfasst, am Freitag noch den Adventsgottesdienst für die Schulen zelebriert.

Heute beginnt sein Tag um 11 Uhr mit der Probe der Ministranten, um 16 Uhr folgt die Kinderkrippenfeier. Während die Messe in Wäldern um 17 Uhr Direktor Strigl zelebriert, versucht er einmal "Stille zu halten und den Baum anzuzünden", bevor um 22 Uhr die Glocken der Pfarrkirche zur Christmette läuten. Sie ist für Besold immer etwas besonderes, schon seit seiner Zeit als Diakon, als er erstmals das Weihnachtsevangelium ("eine großartige Erzählung") verkünden durfte. Er schätzt außerdem die Atmosphäre durch die Lichter in der abgedunkelten Kirche, "die zu Herzen geht".

Erst Glühwein, dann Bett

Nach der Christmette verkaufe die Jugend auf dem Kirchplatz noch Glühwein. Da werde er mit den Gläubigen noch etwas zusammenstehen und dann zu Bett gehen, weil er am ersten Weihnachtsfeiertag "um 8.30 Uhr wieder zum Gottesdienst antreten muss". Ein weiterer folgt um 10.30 Uhr. Am zweiten Weihnachtsfeiertag möchte Besold bei seinen Eltern in Ebnath zur Feier mit den Geschwistern samt deren Familien vorbeischauen. Am Abend um 19 Uhr lauscht er dann bereits wieder dem Weihnachtskonzert der Kirchenmusik in der Pfarrkirche. "Man ist halt irgendwie immer im Dienst."

"Keine große Predigt mehr" schreibt Besold für den zweiten Weihnachtsfeiertag. Er werde etwas zum Stephanstag, an den der erste Märtyrer gefeiert werde, sagen. Das sei aber nicht mehr weihnachtlich. "Da stehen drastische Sachen in den Lesungen, das muss man bedenken."

Advent ist für die meisten eine besondere Zeit, in der man an Gott denkt, sich besinnt und überlegt: "Was war denn in dem Jahr?"Pfarrer Martin Besold
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