15.10.2017 - 16:46 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern zieht Bilanz nach Wiederansiedlung Kauzprojekt soll durchstarten

Der Habichtskauz ist gut in der alten Heimat angekommen, der erste Sommer des Wiederansiedlungsprojekts in Nordbayern ist gut gelaufen. Trotzdem wollen Johannes Bradtka und seine VLAB-Mitstreiter 2018 einiges ändern.

Ja wo sind sie denn? Einen Habichtskauz konnte Johannes Bradtka (von links) Martina Porzelt von der Heinz-Sielmann-Stiftung nicht zeigen. Trotzdem waren sie und die anderen Begleiter von der Fahrt durch den Steinwald und dem Projekt begeistert. Bilder: Lukas Meister (3)
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Schlecht lief der Sommer für einen der sechs Habichtskäuze: Am 25. August fand ihn ein Jäger schwer verletzt kurz vorm Grenzübergang bei Bärnau. "Vielleicht war es ein Auto, oder ein Lkw. Mit irgendetwas ist das Tier kollidiert", sagt Johannes Bradtka. Der Vorsitzende des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) brachte den Patienten zur Vogelauffangstation von Ferdinand Bär in Regenstauf. Von dort ging es nach München, wo der Trümmerbruch am Flügel operiert wurde.

Dem Tier gehe es inzwischen besser, an ein Leben in Freiheit sei nicht mehr zu denken. Inzwischen ist das Tier wieder in Regenstauf, es soll eine Karriere in der Zucht starten. Bessere Nachrichten gibt es von den weiteren Tieren. "Wir haben Meldungen von Waldarbeitern und Förstern über Sichtungen", berichtet Bradkta. Zwischen Pechbrunn und Erbendorf seien die Tiere unterwegs.

Kommendes Jahr möchte der Verein genauer wissen, wo sich "seine"Käuze aufhalten, dazu werden die neuen Jungvögel vor der Auswilderung mit Telemetriesender ausstatten. Die zwei Gramm schweren Sender erlauben es, die Tiere via GPS zu verfolgen. Diese Sender sind nicht die einzige Änderung. Das Jahr 2017 sei auch eine Art Versuch gewesen. 2018 soll das Projekt wachsen. Der Verein möchte mehr Tiere auswildern, eine zweite Voliere im Steinwald aufbauen. Dort verbringen die Tiere einige Wochen, um sich an die Umgebung zu ge- und vom Menschen zu entwöhnen. Bisher musste der Helfer zum Füttern dieses Gehege betreten, künftig sollen die Tiere von außen versorgt werden.

Ausbauen möcht der Verein auch die Öffentlichkeitsarbeit. "Bisher waren wir vorsichtig, haben die Tiere abgeschottet." Die Erfahrung zeige, dass die Vögel gar nicht so empfindlich sind. "Das haben uns Experten bestätigt." Deshalb soll es kommendes Jahr eine Medientag geben. Das Interesse ist da. Der Nordoberpfälzer Habichtskauz schaffte es deutschlandweit in Zeitungen, auch in der ARD hatten Bradkta und die Käuze einen Auftritt. Und auch die Fachwelt beobachtet das Projekt: Der Berliner Tiergarten wolle sich einbringen, hat angeboten, im kommenden Jahr Jungtiere zur Verfügung zu stellen.

Sorgenfrei sei der Verein jedoch nicht, das Projekt ist teuer. "Alleine die Nahrung für einen Kauz kostet 250 Euro pro Saison", rechnet Bradtka vor. Und dies sei eher ein kleiner Posten. "Für die Telemetrie-Ausrüstung kalkulieren wir mit 50 000 Euro." Bradtka ist seinen Unterstützern deshalb dankbar. Geld und Hilfe gibt es von der Güterverwaltung Friedenfels, den Forstbetrieben Waldsassen, Fichtelberg und Schnaittenbach und dem Forstrevier Fuchsmühl der Stadt Augsburg, dem Nationalpark Bayerischer Wald, dem Opel Zoo Kronberg im Taunus, dem Deutsche Falkenorden und der Heinz-Sielmann-Stiftung. Von letzterer war vergangene Woche Martina Porzelt im Steinwald, um sich über das Projekt zu informieren. Beim Besuch stellte Bradtka unter anderem die Brutkästen vor, von denen der VLAB rund 70 in der Region angebracht hat.

Porzelt erfuhr, dass 2018 30 weitere Kästen hinzukommen sollen. Der Besuch lief gut, eine weitere Förderung sei wahrscheinlich. Etwas enttäuscht ist Bradtka vom Freistaat Bayern und seinen regionalen Körperschaften. "Wir bekommen Geld aus Hamburg und Köln, aber keinen Cent von den Oberpfälzer Landkreisen." Dabei sei das Projekt auch Werbung für die Region. Bei der Landesgartenschau in Würzburg stelle der VLAB das Projekt im kommenden Jahr vor, das bedeute auch PR für die Region. "Aber im eigene Land zählt der Prophet nichts", sagt Bradtka.

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