VLAB siedelt Habichtskäuze wieder an
Sechs Käuze für den Steinwald

Ein ganz junger Oberpfälzer: Nach 100 Jahren leben seit Mittwoch wieder Habichtskäuze in der nördlichen Oberpfalz. Derzeit halten sich die Tiere noch Volieren auf, in etwa vier Wochen werden sie ausgewildert. Bild: exb
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Erbendorf
29.06.2017
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In solchen Transportkisten traten die jungen Tiere die Reise aus dem Bayerischen Wald und dem Taunus in den Steinwald an.

Die nördliche Oberpfalz ist bekannt für ihre kauzige Typen. Dieses Exemplar ist aber ein Besonderes: Fast 100 Jahre hat er sich rar gemacht, dank des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern ist der Habichtskauz seit Mittwoch zurück.

Sechs kleinen Habichtskäuze sind in der Voliere: VLAB-Mitglieder haben sie vom Opel-Zoo in Kronberg/Taunus und dem Nationalpark Bayerischer Wald abgeholt und zur Eingewöhnung in den Steinwald gebracht. "Sobald sie sich an den Lebensraum und die ihnen artgemäße Jagd auf Mäuse gewöhnt haben, sollen sie Ende Juli bis Anfang August freigelassen werden", erklärt VLAB-Vorsitzender Johannes Bradtka.

Er gehe davon aus, dass sich die Tiere in einem Radius von rund 50 Kilometer um das Auswilderungsgebiet verbreiten. Sehr wichtig sei dafür, die Jungtiere nicht auf den Menschen zu prägen. Eine Besichtigung der Voliere ist daher nicht möglich, der Standort bleibt geheim. Helfer des VLAB bringen inzwischen vierzig Brutkästen an, die in einer Behindertenwerkstatt angefertigt wurden. Für weitere 30 Kästen hat der Forstbetrieb Fichtelberg der Bayerischen Staatsforsten die Verantwortung übernommen.

An dem Projekt arbeitet der VLAB seit zwei Jahren, kurz vor dem Start musste der Verein einen Rückschlag hinnehmen: Ein Züchter und Kooperationspartner des Habichtskauz-Projektes rief in der Geschäftsstelle in Erbendorf an und teilte mit, dass zwei noch ganz junge Habichtskäuze nicht mehr am Leben sind. "Wir waren über den Tod der Tiere sehr traurig, beinahe entsetzt", berichtet Bradtka. Würden noch mehr Tiere sterben? Würde der Projektbeginn gefährdet? Der Vorsitzende ist nun besonders froh, dass das Projekt nun mit sechs Tieren starten kann.

Weitere Tiere folgen

In den kommenden Jahren sollen weitere junge Käuze den "Pionieren" folgen und irgendwann eine stabile, sich selbst tragende Population begründen. "Das wäre eine kleine Sensation", erklärt Bradtka. Bisher gebe es in Bayern nur eine Kleinpopulation am und im Nationalpark Bayerischer Wald. Der Bestand dort sei von anderen Habichtskäuzen isoliert und vom Aussterben bedroht. Über den dünn besiedelten und waldreichen Grenzkamm des Oberpfälzer Waldes kann sich die Art verbreiten. Die Tiere im Norden der Oberpfalz könnten so zum wertvollen Puffer gegen bedrohliche Bestandsschwankungen für das Vorkommen im Bayerischen Wald werden.

Der Habichtskauz soll zudem als Leitart für andere Artengruppen dienen, um die Biodiversität und die Lebensräume der Nordbayerischen Kultur- und Waldlandschaften verbessern. Bis nach Sachsen, Thüringen und Tschechien soll das Tier wirken. Als "Schirmart" könne der Kauz zudem anderen gefährdeten, aber weniger öffentlichkeitswirksamen Artengruppen helfen. Bradtka nennt in diesem Zusammenhang Pilze, Insekten und Moose - sie sollen Aufmerksamkeit und Schutz durch den Kauz erhalten.

Das VLAB-Habichtskauzprojekt ist über einen Zeitraum von zehn Jahren mit einem Budget von rund 650 000 Euro kalkuliert. "Es ist außerhalb eines Nationalparks für Deutschland bisher einmalig", erklärt Bradtka. Zufrieden ist der Erbendorfer Förster, dass die Wiedereinbürgerung auf breite Akzeptanz stößt, zahlreiche Organisationen und Unternehmen unterstützen die Arbeit.

Bekannter Schirmherr

Als Schirmherr begleitet Andreas Kieling das Projekt. Der Naturfotograf und Tierfilmer ist bekannt durch Reportagen und Aufnahmen in Tageszeitungen und Magazinen wie "Geo" und "Stern". Seine Filme sind auf dem National Geographic Channel zu sehen. Dem deutschen Publikum ist er durch die ZDF-Serie "Terra X: Kieling - Expeditionen zu den Letzten ihrer Art" bekannt. Für den ARD-Dreiteiler "Abenteuer Erde - Yukon River" wurde er mit dem Panda Award, dem Oscar des Tierfilms ausgezeichnet.
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