25.07.2017 - 17:14 Uhr
ErbendorfOberpfalz

VLAB wildert Eulen aus Der Kauz ist raus

Fast 100 Jahre "ohne" sind vorbei. Der Habichtskauz ist zurück in der Nordoberpfalz, seit einigen Wochen lebten sechs Tiere in einer Voliere. Nun sind sie frei.

Ein letztes Bild in der Voliere. Inzwischen haben er und seine fünf Mitkäuze den Käfig verlassen. Bild: exb
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

In der Oberpfalz gibt es wieder freilebende Habichtskäuze. Am Montag hat ein Helfer des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) gegen 20 Uhr das Dach der Auswilderungsvoliere irgendwo in den Wäldern der Region geöffnet. Für diesen Moment hat der Verein in den vergangenen beiden Jahren viel Zeit und Geld investiert.

Rund vier Wochen verbrachten die sechs jungen Vögel in der Voliere. In der Zeit sollten die Tiere wachsen, ihr Gefieder ausbilden und den Kontakt zum Menschen wieder abgewöhnen. Nach der Geburt im Nationalpark Bayerischer Wald beziehungsweise im Opel-Zoo im Taunus kamen sie bei Untersuchungen, Impfungen und natürlich beim Transport immer wieder mit Menschen in Kontakt. "Deshalb haben wir für die Voliere einen geheimen und sehr versteckten Platz im Wald ausgesucht", sagt VLAB-Vorsitzender Johannes Bradtka. Niemand sollte zufällig an der Voliere vorbeikommen und die Tiere stören.

Der Aufwand habe sich gelohnt. Im Frühjahr hatte den Verein noch die Nachricht erreicht, dass mehrere für das Projekt vorgesehene Kauzküken früh verendet waren. Mit den sechs verbliebenen Tieren ging nun aber alles gut. "Nur die ersten beiden Tage in der Voliere haben sie wenig gefressen", erklärt Bradtka. Als die Vögel den Reisestress verdaut hatten, langten sie kräftig zu. Wasser und Mäuse servierte ihnen ihr Betreuer jeden Abend. Mit der Zeit ließen sie immer häufiger die toten Nager liegen. In der Voliere gab es eine sogenannte Mäuseburg, dort konnten die Käuze das Jagen üben und das klappte immer besser. Auch das Gefieder habe sich vollständig ausgebildet, sei trocken geworden, wie es in der Fachsprache heißt. "Unser Volierenbetreuer hat uns berichtet, dass die Käuze mit den Schnäbeln geklappert haben, wenn er sich ihnen genähert hat", berichtet Bradtka. Die Zeit für die Freiheit war gekommen.

Als sich nun am Montag die Voliere öffnete, verschwanden die Tiere nicht sofort. "An den Platz haben sie sich in den vergangenen Wochen schließlich gewöhnt", sagt Bradtka. Etwa eine Stunde habe es gedauert, bis der erste tapfere Kauz in die Freiheit flog. "Dann folgten drei weitere neugierige Eulen. Der Rest fraß sich an den Mäusen der Mäuseburg noch schnell satt", beschreibt Johannes Bradtka diese Momente.

Für seinen Verein ist die Arbeit damit längst nicht getan. In den nächsten Tagen wird an der Voliere weiterhin Futter ausgelegt. Vermutlich halten sich die Tiere die erste Zeit in der Umgebung auf. Das Fressen am vertrauten Ort soll ihnen die ersten Tage in Freiheit erleichtern. Später werden sich die Tiere im Umkreis von etwa 30 bis 50 Kilometer niederlassen. 70 Nistkästen hat der VLAB angebracht, so dass die sechs Tiere einen Unterschlupf haben, auch wenn sie nicht sofort eine passende Baumhöhle finden. "Wir werden kontrollieren, wohin sich die Eulen ausbreiten, um dann dort gezielt die Lebensräume zu verbessern." 2017 sei ein gutes Mäusejahr, das werde den Habichtskäuzen die Rückkehr nach Nordbayern erleichtern. "Vielleicht schon im Herbst werden wir eine zweite Voliere aufbauen", gibt Bradtka die Planung bekannt. Dann könne der Verein 2018 die doppelte Kauzzahl zurück ins wilde Nordbayern bringen.

Das Projekt stemmt der Verein ohne öffentliche Mittel, ein finanzieller Kraftakt. Die Rückansiedlung ist für zehn Jahre angelegt. Der VLAB kalkuliert dafür mit Kosten von 650 000 Euro. Zuschüsse haben bisher private Träger wie die Heinz-Sielmann-stiftung oder der Deutsche Faklenorden gewährt. Über weitere Spenden für das Habichtskauzprojekt wäre der VLAB dankbar.

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Weitere Informationen:

https://www.landschaft-artenschutz.de/

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