05.09.2017 - 20:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Vor 65 Jahren: Feierliche Einweihung des Kreiskrankenhauses Vom Kreiskrankenhaus zur Steinwald-Klinik

65 Jahre ist es her, dass das neue Kreiskrankenhaus in Erbendorf feierlich eingeweiht wurde. Die Bevölkerung war eingeladen, das Werk zu besichtigen. Die Einrichtung war aber nicht das einzige Krankenhaus in der Geschichte der Steinwaldstadt. Die Kranken- und Armenpflege reicht viel weiter zurück.

Das Erbendorfer Krankenhaus kurz nach seiner Fertigstellung. Repro: njn
von Jochen NeumannProfil

Eng mit der über 900-jährigen Geschichte Erbendorfs ist das Krankenwesen verbunden. War es anfangs die Kirche, die für die Armen und Kranken sorgte, ging die Verantwortung im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr auf die Kommune über. Im ausgehenden 19. und 20. Jahrhundert war es der Landkreis, der sich vor allem um das Krankenhauswesen annahm.

Hospital der Mönche

Benediktinermönche des Klosters Michelfeld waren es, die im 12. Jahrhundert auf dem Platz des ehemaligen Pfarrhofs in der Pfarrgasse eine Propstei mit einer Kapelle errichteten, die dem heiligen Johannes geweiht war. Verbunden war diese klösterliche Niederlassung mit einem Hospital, das die Mönche für die Bewohner des Ortes betrieben.

Doch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts muss das Hospital durch die Benediktiner bereits eingestellt worden sein, da die Stadt nach einer Urkunde aus dem Jahr 1435 einen "Siechkobel" gegenüber der Windischkapelle in der heutigen Tirschenreuther Straße unterhielt. Damit ging die Kranken- und Armenpflege auf die Kommune über. Ein "Bürgerspital" wird in Erbendorf 1626 genannt. Getragen wurde diese Einrichtung von einer Bürgerspitalstiftung. Ins Leben gerufen wurde die Stiftung durch Vermächtnisse von Bürgern. Interessant ist, dass sie sich in zwei Bereiche teilte: In eine Bürgerunterstützungsanstalt und in eine Bürgerkrankenpflege. In Erstere konnten sich vermögende Bürger ab dem 50. Lebensjahr "einkaufen".

Seinen Standort hatte das Bürgerspital am Mühlbühl. Die Straße erhielt dadurch ihren Namen "Spitalgasse". Bis zum Brand im Jahre 1835, bei dem ein Teil der Häuser dieses Viertels ein Raub der Flammen wurde, war das Spital im Hause der Spitalgasse 8. Der damalige Markt Erbendorf kaufte daraufhin eine in der Nähe befindliche Brandstätte (Spitalgasse 12) und baute das Bürgerspital größer auf. Noch heute ist das sanierte Gebäude, das sich mittlerweile in Privatbesitz befindet, äußerlich in seinem ursprünglichen Zustand.

Wie einer alten "Hausordnung" für das Bürgerspital zu entnehmen ist, waren im oberen Stockwerk zwei Zimmer als "Krankenstuben" bestimmt. Wörtlich heißt es in der Hausordnung von 1853: "... die eine für männliche und die andere für weibliche Kranke". Aber noch mehr ist aus ihr zu erfahren. So wird geregelt, wer die Krankenpflege übernimmt. Dazu heißt es: "... wird von den gesunden und hierzu tauglichen Stiftsgenossen und dem Hausvater und seiner Hausfrau geleistet...". Verpflegung wurde entweder auf "Rechnung von Wohltätern" oder zur "Verpflegung verpflichteter Verwandter" geleistet sowie vom "Hausvater" - heute würde man Hausmeister sagen - der die Vergütung vom Lokal-Armenfond erhielt.

Vier weitere Stuben des Bürgerspitals waren für "gesunde, bejahrtere, würdige arme oder bemittelte Bürger hiesiger Stadt bestimmt". In der Hausordnung war geregelt, dass die Bewohner des Bürgerspitals jeden Tag mit Gebeten beginnen und schließen mussten. Auch wurden die Insassen aufgefordert, die wöchentlichen Messen und den Sonntagsgottesdienst regelmäßig zu besuchen.

Wenige Jahrzehnte nach dem Bau herrschte im Spital bereits Platzmangel. 1864 machte sich daher das Bezirksamt Kemnath bereits Gedanken zum Bau eines neuen Krankenhauses und beauftragte den Stadtmagistrat, einen geeigneten Platz für ein "Distriktskrankenhaus" zu finden. Gleich vier mögliche Standorte wurden gefunden, die sich an der Bräugasse, in der heutigen Färbergasse und in der Tirschenreuther Straße befanden.

Kein Blick zum Friedhof

Ein weiterer Standort in der Bergwerkstraße gleich vis-a-vis des Friedhofs wurde vom Bezirksamt gleich abgelehnt. Wie die Akten berichten, lagen Zweifel vor, dass der Blick der Kranken aus dem Fenster auf den Friedhof nicht gerade der Gesundung diene.

Da vorläufig ein Krankenhausneubau aufgrund ungelöster Grundstücksfragen nicht zustande kam, beschloss der Stadtmagistrat Erbendorf 1868, die Errichtung eines "Interims-Krankenhauses für den Distrikt Erbendorf" im ersten Stock des Bürgerspitals am Mühlbühl. Bewegung in den Krankenhausbau kam wieder zwei Jahre später. Bezirksamt und Stadt einigten sich auf das Anwesen Nr. 2 a des Türmers Wolfgang Biller in der heutigen Färberstraße. Nach einer Aktennotiz des Stadtsekretärs Hastler vom 17. Juni 1870 wurde der Anbau zum Distriktskrankenhaus Erbendorf versteigert und die Bauarbeiten konnten beginnen. Zudem wurde das Haus des Türmers für 3000 Gulden angekauft.

Nichts mehr zu sehen

Einige Monate später, im März 1871, wurden die notwendigsten Einrichtungsgegenstände angeschafft. Als Krankenwärter wurde die ledige Anna Träger und ihr Stiefbruder Anton Windisch angestellt. Die Eröffnung des Krankenhauses fand am 1. April 1871 statt. Einige Jahre später wurde der nördliche Gebäudeteil (Haus Nr. 2 b) hinzugekauft, so dass die ganze Häuserzeile als Krankenhaus genutzt werden konnte. Heute ist von diesem ursprünglichen Bau nichts mehr zu sehen, denn dieser wurde Mitte der 1990er Jahre abgebrochen, um Platz für den Neubau des BRK-Senioren- und Pflegewohnheims zu schaffen.

Wurden im Distriktskrankenhaus die Kranken anfangs von weltlichem Personal umsorgt, kamen 1895 drei Franziskanerinnen aus dem Kloster Mallersdorf, die die Krankenpflege übernahmen. Jährlich wurden im Schnitt rund 150 Kranke behandelt. Chirurgische Eingriffe nahmen die Ärzte vor Ort vor.

Doch genügte die Einrichtung vor allem in den 1930er Jahren den Anforderungen der Zeit nicht mehr. In einer Beschreibung des Gebäudes heißt es wortwörtlich: "Dieses Haus entsprach jedoch nicht mehr einer neuzeitlichen Krankenanstalt. Abgesehen von dem äußerst schlechten äußeren Eindruck, waren Krankenzimmer und Wirtschaftsräume höchst unpraktisch angelegt und eingerichtet. So war zum Beispiel der Operationssaal nur durch den Frauensaal zu erreichen. Wegen der engen Gänge konnte man mit der Krankentrage nicht in den Männersaal gelangen. Infektionsabteilung, Badeeinrichtung, neuzeitliches Instrumentarium oder Zentralheizung fehlten vollständig. Die vorhandenen 24 Betten reichten bei weitem nicht mehr aus."

Noch unerträglicher wurde es zum Ende des Zweiten Weltkrieges und in den Nachkriegsjahren. Bedingt durch die Flüchtlinge aus den östlichen Gebieten wurden bis zu 450 Kranke jährlich behandelt.

"Erbendorf fördern"

Anfang 1947 erhielt der Stadtrat darüber Kenntnis, dass der Vertrag des Kreiskrankenhauses Neustadt a.d. Waldnaab mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse Weiden von dieser gekündigt wurde. Unter anderem fordert die Kasse, das Distriktkrankenhaus in Erbendorf ebenfalls "aufzulassen". Das rief die Erbendorfer mit ihrer Forderung auf den Plan, der Landkreis solle den geplanten Neubau des Krankenhauses Neustadt zurückzustellen, um das bisher stark vernachlässigte Kreiskrankenhaus Erbendorf zu fördern. In einem diesbezüglichen Schreiben an den Landrat heißt es: "Es ist eine Verpflichtung des Kreises, sich ... mehr um das Krankenhaus Erbendorf mit seinen altmodischen und unzulänglichen Räumlichkeiten, dessen Inneneinrichtung sehr primitiv und dessen Instrumentarium verbesserungsbedürftig ist und dem auch eine Infektionsabteilung fehlt, zu kümmern."

Nach Prüfung der Frage, ob ein Neubau oder Umbau zweckmäßiger ist, entschied sich der Stadtrat nach Rücksprache mit dem "derzeitigen Krankenhausarzt" Dr. Nils Baron von Stromberg für einen Neubau. Aufgrund eines Beschlusses des Stadtrats wurde noch im Februar 1947 ein Neubau beim Landratsamt Neustadt/WN beantragt. Es dauert zwar einige Monate, doch bei einer Besichtigung des Kreisausschusses des Landkreises Neustadt sprachen sich deren Mitglieder für einen Neubau aus.

Verhandlungen scheitern

Ursprünglich beschloss der Stadtrat im November 1949, den Baugrund unterhalb des alten Kreiskrankenhauses für einen Neubau zur Verfügung zu stellen. Doch die entsprechenden Grundstücksverhandlungen mit den Eigentümern scheiterten. Die Stadt kaufte daher im Frühjahr 1950 von den Eheleuten Schreyer ein rund 2,75 Tagwerk großes Grundstück an der Bräugasse und brachte dies als Kapital in den Krankenhausneubau mit ein.

Am 8. Mai 1951 fand die Grundsteinlegung statt. In der am gleichen Tag stattgefundenen abendlichen Stadtratssitzung verlas Bürgermeister Andreas Liedl eine Abschrift der Urkunde, die eingemauert wurde. Inhaltlich wurde unter anderem auf die "hervorragende Mitwirkung des Landtagsabgeordneten Josef Schraml" hingewiesen. Nach rund einem Jahr Bauzeit konnte schließlich am 30./31. August 1952 das neu errichtete Kreiskrankenhaus Erbendorf feierlich eingeweiht werden.

Premiere in Bayern

Bevor der eigentliche Betrieb am 20. Oktober 1952 eröffnet wurde, schaffte der Landkreis kurz zuvor einen "Sankawagen" für das Kreiskrankenhaus Erbendorf an, an dem sich die Stadt mit einem Zuschuss in Höhe von 1000 Mark beteiligte. Die Erbendorfer hatten nun ein modernes Krankenhaus. Übrigens war es das erste vom Freistaat Bayern nach dem Krieg finanzierte und gebaute Krankenhaus.

In der Zeit der Einweihung und Betriebseröffnung ließ man natürlich alle hochleben, die die Vorarbeit zum Bau des Hauses leisteten. Dies war der Erbendorfer Landtagsabgeordnete Josef Schraml (Zierderbeck) vom Kreistag Neustadt, die beiden Kreisfraktionsvorsitzenden Otto Thomas (CSU) und Hans Müller (SPD), beide ebenfalls Erbendorfer, sowie Landrat Christian Kreuzer. Ein Dank galt nicht zuletzt den beiden Architekten Wilhelm und Josef Bauer. Das bisherige Gebäude des Distriktskrankenhauses in der Färberstraße wurde nach Umbaumaßnahmen am 7. April 1953 als "Kreisaltersheim" eingeweiht.

Es war im Jahre 1972 ...

Im damaligen Landkreis Neustadt bestanden mit dem Erbendorfer Haus und dem in Neustadt zwei Kreiskrankenhäuser. In Erbendorf fand alles statt - von Geburten bis zu schwereren Operationen. Doch dann kam das Jahr 1972. Die Stadt Erbendorf wurde mit umliegenden Gemeinden aus dem Landkreis Neustadt herausgelöst und dem neuen Landkreis Tirschenreuth zugeschlagen. Neben Erbendorf gab es nun drei weitere Kreiskrankenhäuser in Kemnath, Waldsassen und Tirschenreuth.

Erste Einschnitte im Erbendorfer Hause waren bereits wenige Jahre später bemerkbar. Ende 1976 wurde die Gynäkologie und die Entbindungsstation nach Kemnath verlegt. Das Kreiskrankenhaus wurde für Innere Medizin genutzt. Ebenso war ein vermehrter Bettenabbau mit Verlagerung nach Kemnath festzustellen. Im 40. Jahre ihres Bestehens wurde der Krankenhausbetrieb 1992 eingestellt. Dieser Entscheidung des Kreistages ging ein heftiger Protest der Erbendorfer Bürger und Politiker voraus. Höhepunkt war in diesem Jahr eine Live-Podiumsdiskussion des Bayerischen Rundfunks aus dem Kolpinghaus um das Pro und Contra eines Erhalts.

Das Haus wurde nach An- und Umbaumaßnahmen einer neuen Verwendung zugeführt. Seit 1996 das ehemalige Kreiskrankenhaus Erbendorf eine geriatrische Klinik, die "Steinwald-Klinik".

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