Windkraft in Gramlhof
Eine Entscheidung, zwei Kläger

Vermischtes
Erbendorf
02.01.2017
351
2

Kurz vor Jahresende hat das Landratsamt Tirschenreuth "Ja" gesagt: Am 30. Dezember erging der Genehmigungsbescheid für die Windkraftanlage bei Gramlhof. Das Amt rechnet nun mit einer Klage der Gegner - und der Planer.

Nach mehr als sieben Jahren Planungs- und Vorarbeit erging am 30. Dezember der Genehmigungsbescheid. Dies bestätigt die zuständige Abteilungsleiterin im Landratsamt, Regina Kestel. Schon im August hatte sich eine Genehmigung abgezeichnet, weil sich die Prüfung umweltrechtlicher Belange hinausgezögert habe, gab es die Zustimmung erst jetzt.

Dass mit der Genehmigung der Fall erledigt ist, glaubt Kestel nicht. "Bisher gab es gegen jeden Bescheid zu Windkraftanlagen im Landkreis Klage", erklärt Kestel. Dabei war es egal, ob das Landratsamt genehmigte oder ablehnte, die jeweils andere Seite ging dagegen vor. Allerdings habe es bisher nur einen Fall gegeben, bei dem das Verwaltungsgericht die Entscheidung des Landratsamts aufhob.

Beim Gramlhofer Windrad kann sich Kestel vorstellen, dass beide Seiten Klage einreichen: Die Gegner gegen die Genehmigung, die Antragsteller gegen die Auflagen. Laut Bescheid darf die Anlage von 1. Mai bis 31. August tagsüber nicht laufen. Grund sei der Schutz des Wespenbussards. Zudem muss die Anlage in den Sommermonaten nachts still stehen, um Fledermäuse nicht zu gefährden. Diese Auflage gilt bis zu einer Windgeschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde. Bläst der Wind heftiger, fliegen Fledermäuse nicht, dann könnte die Anlage laufen.

Tatsächlich behalten sich auf Nachfrage beide Seiten den Gang zum Verwaltungsgericht vor. Siegfried Wieder von der Frodersreuther Bürgerinitiative möchte zunächst die Akten einsehen, kann sich aber vorstellen, gegen die Genehmigung vorgehen. Dabei wäre die BI auf Unterstützung des Erbendorfer VLAB angewiesen, weil dieser Verein über Verbandsklagerecht verfügt. Gespräche hierüber habe es bereits gegeben. Juristische Schritte behalten sich auch die Planer vor, wie Thomas Strauß von der Grenzlandwind GmbH bestätigt. "Grundsätzlich sind wir froh, dass die Erlaubnis erteilt ist."

Strauß zweifelt aber, dass die Anlage tatsächlich Tiere gefährdet und verweist auf eigene Gutachten. Spätestens wenn das Windrad steht, werde der Wespenbussard das Gebiet meiden, dann müsste die Auflage auf den Prüfstand. Bis zur endgültigen Entscheidung dürfte also noch Zeit vergehen, mindestens eineinhalb Jahre schätzt Regina Kestel. Die Erfahrung zeige, dass nach dem Verwaltungsgericht nicht Schluss ist. In der Regel geht es vor dem Verwaltungsgerichtshof weiter.

Enercon E-82 E2Etwa 350 Meter südlich des kleinen Weilers Gramlhof soll eine Windenergieanlage vom Typ Enercon E-82 E2 entstehen. Der Hersteller gibt für das Windrad eine installierte Leistung von 2300 Kilowatt an. Die Nabenhöhe beträgt dabei 109 Meter, der Rotordurchmesser soll 82 Meter erreichen.
2 Kommentare
232
Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 03.01.2017 | 01:06  
10
Siegfried Wieder aus Erbendorf | 04.01.2017 | 11:13  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.