26.01.2017 - 17:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Windrad bei Frodersreuth landet vor Gericht Beide Seiten kündigen Klage an

Das geplante Windrad bei Frodersreuth wird gerichtsmassig. Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) klagt beim Verwaltungsgericht in Regensburg gegen die vom Landkreis Tirschenreuth erteilte Baugenehmigung. Auch die Gegenseite will den Rechtsweg beschreiten. Sie ist mit den Auflagen nicht einverstanden.

Das rund 350 Meter hinter dem Anwesen Gramlhof geplante Windrad wird nun das Verwaltungsgericht in Regensburg beschäftigen. Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) macht von der Möglichkeit der Verbandsklage gegen die Baugenehmigung Gebrauch. Bild: wb
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Frodersreuth. Für das Landratsamt in Tirschenreuth ist dies keine Überraschung. "Bisher gab es gegen jeden Bescheid zu Windkraftanlagen im Landkreis Klage, egal ob das Landratsamt genehmigt oder abgelehnt hatte", so die zuständige Abteilungsleiterin Regina Kestel Anfang Januar nach der Erteilung des Bescheids.

Viele seltene Arten

Sie behält Recht. Weder der Bauherr noch die Gegner des Projekts sind mit der getroffenen Entscheidung einverstanden. Der Landesvorsitzende des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern, der Erbendorfer Johannes Bradtka, ist nach eigenen Angaben aus allen Wolken gefallen, als er von der Genehmigung erfuhr. "Damit hat niemand von uns gerechnet." Aufgrund der Vorgespräche sei der Verein fest davon ausgegangen, dass dieses Projekt abgelehnt werde. Schon alleine aus juristischer Sicht hätte die Anlage nie und nimmer genehmigt werden dürfen, schimpft er. Der Vorstand habe deshalb beschlossen, von der Möglichkeit der Verbandsklage Gebrauch zu machen und vor Gericht zu ziehen.

Naturschutzrechtlich sei der Standort ohnehin denkbar ungeeignet. Es gebe dort Wespenbussard, Schwarzstorch, Fischadler und andere schützenswerte Arten. Von den an die Genehmigung geknüpften Auflagen, dass das Windrad von 31. Mai bis 31. August zum Schutz des Wespenbussards nicht laufen darf und wegen der Fledermäuse in den Sommermonaten auch nachts zeitweise still stehen soll, hält Bradtka nicht viel. "Das bringt in der Praxis gar nichts." Er vermutet dahinter eine "Salamitaktik" zugunsten der Betreiber. Solche Abschaltzeiten könnten gemäß Genehmigungsbescheid nachträglich "modifiziert" werden. Für ihn ist der Bescheid schlicht ein "verspätetes Weihnachtsgeschenk" an die Windradlobby, vor der das Landratsamt eingeknickt sei.

Finanziell unterstützt wird der Verband bei seiner Klage von der Bürgerinitiative "Gegen Windkraft in Frodersreuth", die nach Auskunft von Sprecher Siegfried Wieder von der Genehmigung ebenfalls völlig überrascht wurde. Aufgrund früherer Aussagen aus dem Landratsamt habe jeder mit einer Ablehnung gerechnet. In der BI sind nicht nur Bewohner von Frodersreuth, sondern auch von Glasern und Altenparkstein organisiert. Sie sorgen sich nicht nur um das schöne Landschaftsbild, sondern haben auch Angst vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die Anwohner sehen laut Wieder in der Verbandsklage durch den VLAB die letzte Chance, das Windrad zu verhindern. Der BI-Sprecher: "Wir befürchten, dass irgendwann weitere folgen, wenn erst mal eines steht." Geplant hat die Windkraftanlage die Firma Strauß & Niebauer Windkraftprojekte GbR mit Sitz in Regensburg. Thomas Strauß von der Gesellschaft kündigt ebenfalls eine Klage an. Die wird sich gegen die Abschalt-Auflagen richten, die so nicht hinnehmbar seien. Das Unternehmen rechnet mit etwa drei bis fünf Monaten Bauzeit und würde das Projekt gerne noch heuer realisieren.

Die Windanlage bei Frodersreuth ist nicht die einzige, die den VLAB derzeit beschäftigt. Bradtka und seine Mitstreiter haben festgestellt, dass kurz vor Ablauf des Jahres 2016 auffällig viele Windräder in Bayern genehmigt worden sind. Der Erbendorfer Landesvorsitzende ist sich ziemlich sicher, dass dies daran liegt, dass zum 1. Januar 2017 die EEG-Subventionen eingeschränkt wurden. "Der Druck der Windkraftverbände und ihrer renommierten Anwaltskanzleien auf die Genehmigungsbehörden war sehr hoch." Man könne hier fast schon von Nötigung sprechen. Die Behörden hätten sich in mutmaßlich rechtswidriger Weise den Erwartungen der Interessenverbände und der Projektierer gebeugt. Dagegen werde sein Verband politisch vorgehen, kündigt Bradtka an.

Rotoren weithin sichtbar

Das Windrad bei Frodersreuth (Stadt Erbendorf) soll etwa 150 Meter hoch sein und etwa 350 Meter südlich von Gramlhof auf freier Fläche errichtet werden. Bauherr ist Wendelin Fenzl vom Gramlhof. Das Grundstück, auf dem sich die 82 Meter großen Rotoren auf 109 Metern Nabenhöhe drehen sollen, liegt nahe der Grenze zur Nachbargemeinde Kirchendemenreuth. Aufgrund der exponierten Lage würden die Rotoren - im Gegensatz zu denen der nördlich vom Gramlhof gelegenen Windräder bei Neuenreuth - auch im Landkreis Neustadt weithin sichtbar sein.

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