27.09.2017 - 13:30 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Workshop des Netzwerks Inklusion Inklusion macht Arbeit

Die Eingliederung von Menschen mit Behinderung in Schule und Beruf hat heutzutage einen hohen Stellenwert. Das war nicht immer so. Ein Workshop in Erbendorf will weitere wichtige Weichen stellen.

Christina Ponader, Projektleiterin des Netzwerks Inklusion des Landkreises Tirschenreuth
von Jochen NeumannProfil

"Inklusion und Arbeit." Dieses Thema stand im Mittelpunkt eines ganztägigen Workshops des Netzwerks Inklusion im Landkreis Tirschenreuth. Mit dem Lied "Das Leben ist bunt genug" eröffneten die Quersinger unter der Leitung von Angelika Hederer die Tagesordnung. "Nicht nur das Leben ist bunt, auch eine bunt gemischte Gruppe ist heute hier vertreten", freute sich die Projektleiterin Christina Ponader. So waren Integrationsdienste, Nachbarschaftshilfen, Selbsthilfegruppen, der VdK, Behindertenbeauftragte sowie der Vorstand der Lebenshilfe des Landkreises gekommen. "Inklusion hat heute einen anderen Stellenwert als vor 15 Jahren", sagte stellvertretender Landrat Roland Grillmeier. "Wir haben festgestellt, dass es nicht nur einen Weg gibt, sondern viele." Er bekräftigte, dass Inklusion notwendig sei. Dabei verwies Grillmeier auf die vielen kommunalen Bauhöfe sowie die Behindertenwerkstätten mit ihren Außenarbeitsplätzen, in denen Menschen mit Behinderung beschäftigt seien.

"Inklusion bedeutet, Menschen mit Behinderung einzugliedern", so der stellvertretende Landrat. Für ihn sei es ein zukunftsentscheidendes Thema. Wer sich mit Inklusion beschäftige, habe einen anderen Blick auf die Umwelt. "Integration und Barrierefreiheit kosten zwar Geld, aber das können wir uns in Deutschland Gott sei Dank leisten", so Grillmeier. "Inklusion ist der richtige Weg, auch für die Arbeitswelt." Abschließend wies Grillmeier darauf hin, dass das Projekt Netzwerk Inklusion im kommenden Jahr ausläuft. "Es wird jetzt versucht die Weichen zu stellen, um diese erfolgreiche Arbeit fortzusetzen", so der stellvertretende Landrat. "Denn sie ist mittlerweile zu einem Markenzeichen unseres Landkreises geworden."

Bürgermeister Hans Donko brachte das Aribo-Hotel ins Gespräch, das als Integrationsbetrieb geführt werde. "Gut 30 Prozent der Mitarbeiter sind hier Menschen mit Behinderung." Es klappe hervorragend, die Gäste seien positiv überrascht.. Donko appellierte an alle Betriebe: "Haben Sie keine Scheu, auch gehandikapte Mitarbeiter einzustellen."

Professor Dr. Reinhard Markowetz von der Ludwig-Maximilians-Universität München, der das Projekt Netzwerk Inklusion bereits seit 2011 begleitet, ging in seinem Eröffnungsvortrag auf die Frage ein, wie sich die Inklusion in Bayern und Deutschland entwickelt hat: "Vieles wird aufgebaut, Neues kommt hinzu." Gute Lebensbedingungen für Menschen mit und ohne Behinderungen zu schaffen, dafür lohne sich der Weg.

Die über 50 Teilnehmer nahmen die vielfältigen Workshop-Angebote rege wahr. So befasste sich Dr. Angelika Magiros von der Bundesvereinigung Lebenshilfe mit dem Thema "Menschen mit Behinderung im Ehrenamt." Sie stellte fest, dass im Landkreis Tirschenreuth die "Inklusion im Ehrenamt" und "Inklusion in der Arbeit" zwei schwesterliche Aufgaben seien auf dem Weg zur vollen gesellschaftlichen Teilhabe.

"Qualifizierungsbausteine als Möglichkeiten inklusionsförderlicher beruflicher Bildung", beleuchtete Mathias Schulz von der Akademie Hofgut Himmelreich. Als erfolgreicher Bildungsträger hat sich diese gemeinnützige Gesellschaft in der Qualifizierung von jungen Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen im Hotel- und Gaststättenbereich, in der Hauswirtschaft und in Hausmeisterdiensten etabliert. Schulz zeigte auf, wie wichtig solche Qualifizierungsbausteine als Teil einer Ausbildung oder als Anerkennung von Kompetenzen seien.

Gesa Kobs vom Institut für Inklusive Bildung in Kiel führte aus, wie Menschen mit Behinderung nach einer dreijährigen Vollzeit-Qualifizierung Bildungsfachkräfte werden. "Sie sind dann Experten in eigener Sache und führen als qualifizierte Bildungsfachkräfte an Fach- und Hochschulen praxisnahe Lehrveranstaltungen durch", so Kobs. Andere Leitungskräfte können sie für die spezifischen Fähigkeiten und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen sensibilisieren. Nicht zuletzt stellten Peter Fleischmann vom St.-Michaels-Werk in Grafenwöhr und Frank Baumgartner vom BBW St. Franziskus Abensberg die Inklusion und sonderpädagogische Fachlichkeit vor.

Integration und Barrierefreiheit kosten zwar Geld, aber das können wir uns in Deutschland Gott sei Dank leisten.Roland Grillmeier

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