27.02.2018 - 20:00 Uhr
Erbendorf

Landfrauen feiern 70-jähriges Bestehen Aufgaben haben sich verändert

Der Milchpreis ist mal wieder auf Talfahrt, die Glyphosat-Diskussion rückt die Bauern in ein schlechtes Licht, die Afrikanische Schweinepest kommt immer näher, und neue Düngevorschriften verunsichern den ganzen Berufsstand. Trotzdem macht es Irmgard Zintl Spaß, Kreisbäuerin zu sein.

Kreisbäuerin Irmgard Zintl. Bild: wb
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Erbendorf.
(wb) Mit dem Landfrauentag in der Erbendorfer Stadthalle feiern die Tirschenreuther Bäuerinnen am Donnerstag, 1. März, ab 13 Uhr das 70-jähriges Bestehen ihres Dachverbands. Wir haben Irmgard Zintl vor dem großen Ereignis interviewt.

Frau Zintl, ist Ihnen angesichts der vielen Probleme der Landwirtschaft überhaupt zum Feiern zumute?

Irmgard Zintl: Ja, durchaus. Trotz aller Probleme üben Landwirte einen sehr schönen Beruf aus. Sie arbeiten mit der Natur und mit Tieren und sichern damit die Ernährung der Bevölkerung. Die Landfrauen sind eine engagierte Interessenvertretung im ländlichen Raum. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Erwachsenenbildung, Übernahme öffentlicher Aufgaben im politischen, sozialen und kulturellen Bereich. Bei soviel Fleiß darf durchaus gefeiert werden.

Was waren seinerzeit die Gründe für die Gründung der Landfrauenvereinigung im Bauernverband?

Die Vereinigung wurde 1948, also kurz nach den Krieg, gegründet. Damals, als sich die ersten Landfrauen zu Versammlungen trafen, ging es in erster Linie darum, die Versorgung mit Nahrungsmitteln sicherzustellen.

Und heute ...?

Die Aufgaben haben sich seitdem komplett verändert, es gibt mittlerweile einen Überfluss an Lebensmitteln. Heute setzen sich die Landfrauen für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Nahrung und für die Wertschätzung der Produkte ein.

Wie viele Vollerwerbsbetriebe gibt es im Landkreis Tirschenreuth eigentlich noch?

Wir haben im Landkreis noch 1600 landwirtschaftliche Betriebe. Es sind noch circa 800 im Vollerwerb tätig. Die Vollerwerbsbetriebe werden leider immer weniger und die Betriebe immer größer.

Werden da nicht die Landfrauen auch immer weniger?

Ja, wirklich, wir haben schon Nachwuchsprobleme. Wir versuchen im Landkreis Tirschenreuth, über den Ring junger Landfrauen mit neuen Veranstaltungsideen junge Frauen anzusprechen, sie für unsere Arbeit zu begeistern. Das klappt bisher eigentlich recht gut. Vor allem Do-it-yourself-Kurse kommen aktuell gut an. Die Themen Nähen und Stricken sind wieder "in". Auch mit dem Thema Smoothies können wir viele Frauen erreichen.

Was ist die größte Herausforderung der heutigen Zeit?

Die Bewältigung der umfangreichen Bürokratie. Genau so wichtig ist es aber, der Bevölkerung darzustellen, wie unsere guten, hochwertigen Nahrungsmittel produziert werden, welche Arbeit dahinter steckt. Sorgen bereitet uns auch der große Flächenverbrauch. Flächen, die bebaut werden, sind meist für immer für die Landwirtschaft verloren. Mittlerweile sind wir soweit, dass auch bei uns im Landkreis Tirschenreuth die landwirtschaftlichen Grundstücke knapp werden. Und dann ist da natürlich noch die Afrikanische Schweinepest, die für unsere Schweinemäster und -züchter eine große Gefahr darstellt. Derzeit haben wir rund 330 Betriebe im Landkreis, die Schweine mästen oder züchten. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die Schweinepest bis zu uns vordringt. Das würde verheerende Folgen für unsere Landwirtschaft haben.

Mal ganz ehrlich, ist es heute noch erstrebenswert, Landfrau zu sein? Wenig Freizeit, kaum oder gar kein Urlaub ...

Ja, auf jeden Fall, wie schon gesagt, es ist ein schöner, naturverbundener Beruf. Wir Landrauen organisieren jedes Jahr viele Lehrfahrten, Frühstücke, Versammlungen und auch Kurzkuren. Urlaub ist für uns auch kein Fremdwort mehr. Gott sei dank ist der Zusammenhang in den bäuerlichen Familien groß. Da helfen Alt und Jung noch zusammen und machen freie Tage möglich. Und wenn das mal nicht funktioniert, dann gibt es auch noch Dorfhelfer und Dorfhelferinnen, mit denen sich ein paar Tage überbrücken lassen.

Frau Zintl, Sie sind jetzt seit über einem Jahr Kreisbäuerin und seit etwa neun Monaten auch noch stellvertretende Bezirksbäuerin. Wie sind die ersten Erfahrungen in den beiden Ämtern?

Es sind schon sehr anspruchsvolle, zeitintensive Ämter, da braucht man die Unterstützung der ganzen Familie. Ich habe auch zuverlässige Frauen im Vorstand hinter mir, auf die Verlass ist. Ich mache die Arbeit sehr gerne, man lernt viele Leute kennen, kommt zu den verschiedensten Veranstaltungen. Man wird mit der Zeit auch selbstbewusster.

Wie ist die Stimmung unter den Landwirten?

Momentan eher kritisch, kein Landwirt hat etwas gegen Natur-und Gewässerschutz, aber die neue Düngeverordnung und die damit verbundenen Bürokratie lässt unsere Bauern schon verzweifeln. Die Bauern sollen wieder so produzieren können, dass sie davon leben können.

Irmgard Zintl

Irmgard Zintl ist Kreisbäuerin im Landkreis Tirschenreuth und stellvertretende Bezirksbäuerin in der Oberpfalz. Sie kommt aus Kleinbüchlberg, einem rund 60 Einwohner zählenden Dorf, das zur Stadt Mitterteich gehört. Standbeine ihres Betriebs sind Milchviehhaltung und Biogaserzeugung. Die verheiratet Mutter von drei erwachsenen Kindern (zwei Söhne und eine Tochter) freut sich, dass auf ihrem Hof die nächste Generation bereits eingestiegen ist. Einer der Söhne ist Agrarbetriebswirt und will die Landwirtschaft weiterführen. (wb)

Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die Schweinepest bis zu uns vordringt. Das würde verheerende Folgen für unsere Landwirtschaft haben.Kreisbäuerin Irmgard Zintl

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