28.02.2017 - 18:22 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Smart Farming beim Agrartag - EDV sinnvoll ein- und umsetzen: Technik, die nicht nur Landwirte begeistert

Die EDV spielt in landwirtschaftlichen Betrieben eine immer größere Rolle. Beim 6. Agrarforum erfuhren die Bauern auch, wie Hacker für einen kompletten Ernteausfall sorgen können.

Vorstand Joachim Geyer und Landwirtschaftsbetreuer Christoph Heinl (von links) bedankten sich bei Professor Dr. Patrick Ole Noack (Mitte) von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und bei Rolf Brille von der ProComp GmbH (Zweiter von rechts) für ihre Ausführungen. Rechts: Vorstand Robert Haubner. Bild: mez
von Roman MelznerProfil

(mez) Eingeladen hatte der Ring junger Landwirte mit der Raiffeisenbank Kemnather Land - Steinwald eG. Dr. Patrick Ole Noack, Professor an der Hochschule-Weihenstephan-Triesdorf, berichtete über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft von "Smart Farming". Rolf Brilla, Geschäftsführer der EDV-Firma Procomp, referierte zum Thema IT-Sicherheit.

Bei seinem eindrucksvollen und vor allem leicht verständlichen Vortrag ging der Professor auf die geschichtliche Entwicklung der Technik ein. Diese brachte in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder revolutionäre Veränderungen zum Vorteil der Landwirtschaft mit sich, wobei der Referent auch gekonnt über den Tellerrand hinausblickte. Die landwirtschaftlichen Geräte sind in dieser Zeit immer größer und leistungsstärker geworden. Mittlerweile sind Traktoren so groß, dass sie für die Umwelt und den Straßenverkehr am Limit angekommen sind.

Wissen wiedergewinnen

Zudem waren früher die zu bewirtschaftenden Flächen für den einzelnen Landwirt viel überschaubarer. Dieser wusste, welche Flächen an welchen Stellen ertragreicher und somit beispielsweise dort weniger an Dünger gebraucht werde. Heute hingegen könne der einzelne Landwirt seine Flächen überhaupt nicht mehr alleine bewirtschaften, was nicht selten durch den Einsatz von Lohnunternehmern ausgeglichen wird. Durch deren Arbeit verliert der Bauer aber das Wissen über die tatsächliche Ertragskraft der einzelnen Ernteflächen. Dies kann durch den zielgerichteten Einsatz von modernen EDV-Programmen ausgeglichen werden.

Die Begriffe "Smart Farming", "Farming 4.0" oder "Precision Farming" verwirren dabei oftmals, so der Redner weiter. Im Grunde beziehen sich diese aber immer auf die Weiterentwicklung der EDV, wie sie auch auf anderen Gebieten stattfindet. Ziel ist es dabei, das eigentliche landwirtschaftliche Wissen bei der Bewirtschaftung von Flächen mit der modernen Technik zusammenzuführen und so die großen Maschinen und Traktoren in ihrer Effektivität zu steigern.

Wenn der Computer weiß, an welchen Stellen ein Acker mehr oder auch etwas weniger gedüngt werden muss, steigt beispielsweise der Ertrag bei gleichzeitiger Schonung der Ressourcen, veranschaulichte Noack seine Thesen immer wieder an vielen Praxisbeispielen. Er empfahl, sich aber auch immer erst einmal zurückzulehnen, die Sache genau anzuschauen und immer für sich und seinen Betrieb genau zu prüfen, ob man beim Einsatz der technischen Neuerung den Umsatz steigern oder zumindest die Kosten senken kann. Ebenso kann es aber auch bereits von Vorteil sein, wenn dem Landwirt durch eine technische Neuerung ein Mehrwert entsteht, indem er mehr Zeit für sich, seine Familie oder seinen Betrieb anderweitig gewinnen kann. Sein umfangreiches Wissen demonstrierte der Professor gekonnt und in leicht verständlicher Sprache, als er anschließend auf die Instrumente einging, die in der Landwirtschaft in den letzten Jahren Einzug hielten.

Neue Lenksysteme

Neuerungen im Bereich der Lenksysteme für Traktoren bezeichnete er als praxisreif, welche unabhängig von Feldfrucht und Bodenart im Alltag eingesetzt werden können. Einen Blick über den Tellerrand in die Zukunft wagte der Professor schließlich: Traktoren ohne Führerhaus, die dank GPS gesteuert werden können oder Mess-Sensoren, die beim Düngen den Nährstoffgehalt im Güllefass vor der unmittelbaren Ausbringung messen, damit so wiederum die richtige Dosis an Dünger ausgebracht wird.

Vorstand Joachim Geyer konnte zu diesem Termin neben dem Leiter des Fachzentrums für Milchviehhaltung, Helmut Konrad aus Almesbach, auch den Aufsichtsratsvorsitzenden der Bank, Hubert Kellner, begrüßen. Geyer betonte in seinem Grußwort den Förderauftrag der Genossenschaft gegenüber den Mitgliedern, dem man auch mit diesem mittlerweile sechsten Teil der Vortragsreihe gerecht werde.

 

 

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