22.02.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Kollegiale Bekämpfung ein Muss - Professor Dr. Kai Uwe Totsche spricht beim Imkerverein Gemeinsam gegen Varroa-Milbe

Hauptfach des Naturwissenschaftlers ist die Hydrologie. Aber Professor Dr. Kai Uwe Totsche ist auch praktizierender Imker. Und deshalb hatten ihn die Bienenzüchter für einen Vortrag engagiert. 100 Minuten dauerte die "Vorlesung", mit der er die Zuhörer im überfüllten Kleintierzüchterheim in seinen Bann zog.

Ein Hydrologe spricht bei den Bienenzüchtern: Professor Dr. Kai Uwe Totsche vom Institut für Geowissenschaften und Hydrologie an der Universität Jena war der Gastreferent bei der Frühjahrshauptversammlung des Imkervereins. Bild: gpa
von Georg PaulusProfil

(gpa) Der Professor der Chemisch-Geowissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Leiter des dortigen Instituts für Geowissenschaften und Hydrologie sprach über "Die Ökologie der Honigbiene und die Rolle des Imkers". Ökologie definierte er dabei als "Wechselwirkung von Organismen und Population eines Bienenvolks".

Früher sei jeder Landwirt, "und war der Hof auch noch so klein", Bienenzüchter gewesen, sagte Totsche: "Honigerzeugung war ein Muss." In Zeiten von immer weniger Landwirtschaft schrumpfe leider auch das Interesse an der Imkerei. "Dabei haben die Honigbienen eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem", machte der Referent deutlich: 80 Prozent aller Pflanzen werden von ihnen bestäubt. Es sei deshalb eine sehr große Aufgabe der Imker, sich mit den Aspekten der Pflege und des Schutzes der Honigbienen und ihrer Beziehung zur Landwirtschaft intensiv zu befassen. Totsche zählt dazu Beobachtung der Völkerentwicklung, Temperatur, Bienenruhe, Agressivitätsverhalten und Parasitenbefall.

Als größten Schädling der Honigbiene nannte der Professor die Varroa-Milbe und als Aufgabe jedes verantwortungsvollen Bienenzüchters Kollegialität bei ihrer Bekämpfung. "Kein Imker kann sich aus der Verantwortung schleichen, andere Imker durch unkollegiales Verhalten zu gefährden", stellte er klar. Und: "Es ist der Imker und nicht die Varroa, die ein Volk tötet. Daher ist die Bekämpfung ein Muss für alle." Über 95 Prozent aller Bienenvölker Deutschlands werden laut Totsche sterben, falls diese Aufgabe nicht gelöst werden könne. Dies würde massive Probleme in der Landwirtschaft nach sich ziehen.

Blumenwiesen anlegen

Der Professor hatte aber auch Vorschläge für die Gestaltung der Umwelt des "Biens" parat: etwa Blumenwiesen anlegen, um das Sammeln von Nektar zu erleichtern. Eine Biene bringe im Umkreis von etwa 30 Metern bis zu 1,3 Kilometern Flugradius Ertrag nach Hause, erläuterte er. "Nicht Pflanzenschutzmittel, sondern ihre längeren Flugwege beim Sammeln von Nektar sogen für Verluste." Während im Osten Deutschlands frühere LPG-Agrarflächen am Rand nicht einen Zentimeter für Blumen und Blütenpflanzen hätten, böten Fränkische Schweiz, das Fichtelgebirge und die Oberpfalz Bienen hervorragende Chancen für eine heimatnahe Nahrungsaufnahme. "Große Sonnenblumenfelder sind zwar schön anzuschauen, für die Bienen aber nicht optimal", merkte Totsche allerdings an.

Silphie statt Mais

Als Aufgabenfelder für Imkervereine bezeichnete der Referent am Schluss seines mit großen Beifall bedachten Vortrags die konventionelle Bienenzucht, die Imkerschulung, die Nachwuchsarbeit, die Fachkunde in den Versuchsanstalten Veitshöchheim, die öko-fachkundige Zertifizierung und die Einschaltung von Veterinären sowie vor allem die Kooperation mit der Landwirtschaft und mit forstwirtschaftlichen Betrieben, Imkerpatenschaften und Saatgutkauf.

Er erwähnte auch die Silphie als gute Möglichkeit zum Anlegen einer Blumenweide. Die aus Nordamerika stammende ausdauernde, mehrjährige und bis zu drei Meter hoch wachsende Pflanze sei wegen ihrer großen Biomasseproduktion als Energiepflanze bei Imkern sehr beliebt, zumal Korbblütler für Bienen besonders interessant seien. Da sie von Juni bis September blühe, sei sie vor allem für große Flächen eine Alternative zu Mais.

Imker-Vorsitzender Anton Schönberger dankte Totsche für seine Ausführungen. Eine "Kollekte" unter den Zuhörern diente der Unterstützung seiner Forschungsprojekte.

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