01.02.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Nach Verbot durch Nazis: Gesellschaft „Frohsinn“ am 2. Februar 1947 wiedergegründet Vor 70 Jahren dritter Geburtstag

Wechselvoll ist die Geschichte der Gesellschaft "Frohsinn". Ende des 19. Jahrhunderts gegründet folgte auf den Stillstand im Ersten Weltkrieg das Verbot durch die Machthaber im Dritten Reich. Am heutigen Donnerstag sind es 70 Jahre, dass der "Frohsinn" ein zweites Mal "auferstanden" ist.

Das waren noch Zeiten. Etwa um 1900 vermerkt der Schriftführer der Gesellschaft "Frohsinn" in der damals üblichen "Sütterlin"-Schrift unter Punkt II im Protokoll, dass maskierte Mitglieder "bei dem Balle" freien Eintritt haben und Nichtmitglieder 50 Pfennig zahlen müssen. Bild: gpa
von Georg PaulusProfil

"Der 26. September 1880 ist die Geburtsstunde", schreibt Karlheinz Keck in der "Heimat Eschenbach 1980". Josef Grosch und Josef Gradl, beide Soldaten in der Bayerischen Armee, hatten die Idee, in Eschenbach einen Geselligkeitsverein für junge Männer zu gründen. In den Garnisonsstädten hatten sie ein geselliges Leben kennen und schätzen gelernt, wie es die Heimat bis dahin nicht bot: Außer Feuerwehr, Krieger- und Imkerverein gab es nichts.

Wöchentliche Bier-Abende

Am Kirchweihsonntag 1880 trafen sich im Gasthof Höller Burschen, um einen Verein namens "Frohsinn" zur Förderung der Geselligkeit zu gründen. Den Vorstand bildeten Josef Grosch, Josef Gradl und Luitpold Bailer. Wöchentliche Bier-Abende in Gastwirtschaften und Zoiglstuben, Tanzveranstaltungen, Theaterabende, Garten- und Musikfeste standen auf dem Programm. Ungeduldig erwarteten damals die jungen Burschen ihren 18. Geburtstag, um endlich aufgenommen zu werden.

Das ab 1892 geführte Protokollbuch gibt detaillierte Einblicke in das Leben des Vereins, zu dessen erster Belastungsprobe der Erste Weltkrieg wurde. "Nachdem infolge der am 2. August 1914 erfolgten Mobilmachung die meisten Vereinsmitglieder zum Heere einrücken mussten, wurde die Vereinstätigkeit bis auf weiteres eingestellt", steht geschrieben. Acht Mitglieder fielen im Krieg, vier gerieten in Gefangenschaft.

Nur drei Tage nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 wurde im "Gasthof zum Löwen" der erste Gesellschaftsabend veranstaltet. Das Vereinsleben erblühte, fruchtbare Jahre folgten. Doch bald war alles vorbei: 1935 wurde der Geselligkeitsverein von der NSDAP verboten. Nach dem Ende des Dritten Reiches wurde der Neuanfang gewagt. "Männer verschiedenen Alters und aller Berufe waren Mitglieder der Gesellschaft 'Frohsinn', die unpolitisch, trotzdem von der NSDAP verboten wurde." Das hat Friseurmeister Karl Reiß den US-Behörden am 24. Januar 1947 geschrieben. In dem Brief bat er um Genehmigung der "Frohsinn"-Neugründung. Diese wurde auch bald erteilt - mit der Auflage, keine ehemaligen Parteigenossen aufzunehmen.

Bücher gegen Papier

Schon am 2. Februar 1947 fand im Gasthof "Zum Löwen" die Wiedergründung statt. Zum Vorsitzenden wurde Josef Decker gewählt. Es war eine schwere Zeit. Um für Mitgliederlisten sieben Blatt Papier zu erhalten, waren zwei Bücher als Tauschobjekte nötig. Beim ersten Faschingsball am 15. Februar 1947 im Ottoheim hatte der Vorstand für Heizung und Beleuchtung zu sorgen.

Langsam ging es aufwärts. Bei der Josefifeier gab es erstmals die guten "Spitzeln". Müller Stock hatte das Mehl gestiftet, Bäcker Georg Pesch umsonst gebacken. Als Josef Decker 1948 Bürgermeister wurde, übernahm Karl Reiß das Amt des Vorsitzenden. 39 Jahre bis zu seinem Tod am 20. Mai 1987 übte er dieses aus. Zwei seiner Initiativen seien für das kulturelle Leben der Stadt wichtig gewesen, schreibt Karlheinz Keck: im März 1949 die Gründung der "Liedertafel" durch eine Sängergruppe im "Frohsinn" und ebenfalls 1949 das Bilden einer Theatergruppe.

Nächster "Frohsinn"-Vorsitzender war Baptist Groß. Er gab drei großen "F" die Mitschuld an sinkenden Besucherzahlen bei den samstäglichen Gesellschaftsabenden: "Fernsehen, Frauen, Filzpantoffeln". Als Groß 1999 aus Altersgründen auf die Wiederwahl verzichtete, wurde Martin Schusser sein Nachfolger. In seine Amtszeit fiel die Öffnung des bisherigen "Männerclubs" für Frauen.

Erwin Dromann, der 2011 auf den Ehrenpräsidenten folgte, führte regelmäßige sonntägliche Familiennachmittage ein, die dank der vielen weiblichen Mitglieder großen Zulauf haben. Auch Tagestouren sowie Mehrtagesfahrten bringen Schwung in die Gesellschaft. Inzwischen hat der "Frohsinn" 435 Mitglieder - Tendenz "steigend".

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