Augustiner-Pater Jeremias Kiesl referiert am Mittwoch bei der VHS Eschenbach
„Luther war unser Mitbruder“

 
Jeremias Kiesl Bild: stg

Ein Luther-Experte aus der Oberpfalz: Der Augustiner Jeremias Kiesl stammt aus Waldau und spricht am Mittwoch bei der VHS in Eschenbach. Worüber, verrät er im Interview.

"Luther, der Augustiner und Reformator" - so ist ein Vortrag der Volkshochschule am Mittwoch, 11. Oktober, überschrieben. Um 19 Uhr referiert der Augustiner-Pater Jeremias Kiesl im Malzhaus: Der Priester stammt aus Waldau bei Vohenstrauß und ist seit 2013 in Erfurt unter anderem mit dem Auf- und Ausbau der ökumenischen Zusammenarbeit betraut. Zuvor hat sich die Redaktion mit ihm über Luther und die politische Situation in Thüringen unterhalten.

Wie prägte Ihr Orden den späteren Reformator?

Jeremias Kiesl: Luther kam 1501 zum Studium nach Erfurt und wohnte in der nahen Georgenburse. Er kam fast täglich mit Augustinern in Kontakt, wohl vor allem durch die Gottesdienste. Der Student Luther hatte Feuer für die Heilige Schrift gefangen. Da die Augustiner in Erfurt den Novizen ein eigenes Exemplar zur Verfügung stellten, einen sehr guten Ruf als Seelsorger in der Stadt genossen und wissenschaftlich Einiges zu bieten hatten, ist es nicht verwunderlich, dass er 1505 auf die Idee kam, Augustiner zu werden.

Was hat Luther als Augustiner gelernt und beherzigt?

Im Orden fand Martin in Johann von Staupitz einen "Vater", der seine innere Not (Angst) erkannte und mit seelsorglichem Feingefühl Luther begleitete. So förderte er ihn und schickte ihn kurz nach der Priesterweihe 1507 zum Studium nach Wittenberg. 1511 promovierte Luther zum Doktor der Theologie und übernahm im gleichen Jahr die Bibelprofessur von Staupitz'. Die Beschäftigung mit der Bibel half Luther nachhaltig über seine Krise hinweg. Die Entdeckung der Gnade Gottes, die er auch bei seinem Ordensvater Augustinus wiederfand, bewog ihn 1517, seine Thesen zum Ablasshandel zu veröffentlichen. Luther lernte im Orden vor allem die Verbindung von (Bibel-)Wissenschaft und Seelsorge. Außerdem war damals im Orden das Studium der Quellen deutlich weiter verbreitet als anderswo.

Wie stellt sich Ihr Orden dem Erbe der lutherischen Reformation?

Luther war unser Mitbruder. Das verpflichtet uns vielleicht in besonderer Weise zur Ökumene. Unser Erfurter Projekt mit der Evangelischen Reglergemeinde und unsere Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Augustinerkloster ist ein Ausdruck dafür, dass heute Christen nur in Einheit glaubwürdig Zeugnis geben von Jesus Christus, der die Mitte ist. Gerade mit den Lutheranern verbindet uns deutlich mehr als uns trennt.

Welche Schritte der Ökumene mit Lutheranern sind heute möglich - in Erfurt und anderswo?

Wir können fast alles gemeinsam machen. Es gibt aber unterschiedliche Bedürfnisse, denn Glaube hat auch etwas mit Heimat zu tun. Manche Dinge wie beispielsweise Gottesdienste etc. möchte man eben auf die gewohnte Weise feiern. Deshalb ist es gut, dass jede Gemeinde auch ihr eigenes Profil hat und nicht alles vereinheitlicht wird.

Was kann Kirche bewirken mit Blick auf das Wahlergebnis in Thüringen bei der Bundestagswahl?

Das Wahlergebnis zeigt, dass auch viele Christen die AfD gewählt haben. Die Partei konnte sie überzeugen, dass christliche Werte in ihr eine große Rolle spielen. Die Bischöfe beider Kirchen haben das skeptischer gesehen und daraus auch keinen Hehl gemacht. Der hohe Zuspruch für die AfD zeigt aber mindestens zweierlei: Kirchen haben so gut wie keinen Einfluss auf die politische Ausrichtung ihrer Mitglieder. An klarer Kante gegen die AfD hat es eigentlich nicht gefehlt, Bischof Ulrich Neymeyr hat das Licht des Dombeleuchtung ausknipsen lassen, um der AfD nicht die Kulisse des Domes für ihre Parolen zu bieten. Zweitens hat der AfD stark genützt, dass es gerade hier in Mitteldeutschland viele Menschen gibt, die Sorge haben, abgehängt zu werden. In Thüringen hat die rot-rot-grüne Regierung die Aussetzung ihrer Wahlversprechen wie kostenloses Kita-Jahr tatsächlich damit begründet, dass wegen der Flüchtenden kein Geld dafür da sei. Das ist natürlich eine Katastrophe, hat man doch den Menschen die letzten Jahre immer wieder Mäßigung auferlegt.
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