15.10.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Augustiner-Pater Jeremias Kiesl referierte in Eschenbach über Martin Luther „Das Ur-Katholische wiederentdecken“

"Vor 50 Jahren hätte man wohl einen solchen Vortrag noch gar nicht halten können!" Pater Jeremias Kiesl referiert in Eschenbach über Martin Luther. Und damit über jemanden, "bei dem man als Katholik über Jahrhunderte nichts Positives finden konnte und durfte". Das hat sich mittlerweile geändert.

Pater Jeremias Kiesl. Bild: stg
von Holger Stiegler (STG)Profil

Die Volkshochschule Eschenbach hatte zum Thema "Luther - Augustiner und Reformator" ins Malzhaus eingeladen. Mit Pater Jeremias Kiesl, der aus dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab stammt, konnte dazu der passende Referent gewonnen werden: Selbst Augustiner, ist er in Erfurt tätig, wo auch Luther den Weg zu den Augustiner gefunden hatte. "Auch mein Orden hat einen Riesenweg zurückgelegt", so Pater Jeremias mit Blick auf die Einschätzung Martin Luthers.

Generell sei es aber schon "eine gewisse Tragik", dass 400 Jahre lang nicht zwischen Katholiken und Lutheranern gesprochen wurde. "In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich viel getan, ein Schritt jagt den anderen", so der Pater. Genauso gebe es aber bis heute auch Gegensätze und es müsse akzeptiert werden, dass diese nicht aus der Welt zu räumen sind.

Bei der historischen Betrachtung des Reformators stellte Kiesl fest, "dass Luther nicht das Licht anmachte". So war Luther 1483 in eine Übergangszeit des Niedergangs und Aufbruchs hineingeboren worden. "Forderungen nach einer grundlegenden Reform der Kirche waren allgegenwärtig", betonte der Referent und nannte beispielsweise die Synode von Sevilla (1478) oder die Ordensreform der heiligen Theresa von Ávila und des heiligen Johannes von Gott.

Die Augustiner hatten für Luther eine große Anziehungskraft, wie Pater Jeremias schilderte: In Erfurt wurde er geprägt durch die Nikolai-Kirche (Gottesdienst und Predigt). Es bestand die Aussicht auf eine eigene Bibel (im Noviziat). Die Verbindung von Bildung und Seelsorge war Anfang des 16. Jahrhunderts besonders bei den Augustinern in Erfurt zu finden, eine theologische Ausbildung und eine Karriere waren allein durch den Orden denkbar.

Pater Jeremias Kiesl ließ einzelne Lebensstationen Luthers Revue passieren und beleuchtete dessen theologische Ansichten. "Luther wollte das Ur-Katholische wieder entdecken", so der Augustiner. Es sei nicht Ziel gewesen eine eigene, spezielle "Reform-Kirche" zu gründen. Luther sei, so der Referent, kein "Ökumeniker" gewesen, genauso wenig wie seine Gegner. Pater Jeremias erinnerte daran, dass mindestens seit 1520 Luther den Papst und "seine" Kirche für reformunfähig hielt. 1521 traf ihn der Bann, seitdem polemisierte Luther gegen Papst als den "Antichrist". Eine Dialogunfähigkeit attestierte Pater Jeremias Luther auch gegenüber Juden, Muslimen und Täufern.

Und trotzdem, so der Referent, könne Luther Impulse für die Ökumene heute geben, nämlich vor allem vor allem in der Gottesfrage. Hier greifen Katholiken und Protestanten das Anliegen Luthers und seiner Reformversuche auf. Ausführlich erläuterte Pater Jeremias dies am Beispiel des Treffens der EKD mit Papst Benedikt XVI. im Erfurter Evangelischen Augustinerkloster im September 2011. Anhand praktischer Beispiele aus seiner Arbeit in Erfurt zeigte der Referent Wege auf, wie Ökumene funktionieren kann.

Luther wollte das Ur-Katholische wieder entdecken.Pater Jeremias Kiesl
In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich viel getan.Pater Jeremias Kiesl über die Ökumene
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