Abstimmung zur Spange Ost
Umgehung bringt zum Denken

Hans Bscherer (links) und Reinhard Wiesent bleiben dabei: Die Umgehung ist gut (Bscherer) bzw. schlecht (Wiesent) für Eschenbach. Bilder: Haidl

Die Onetz-Abstimmung bringt kein klares Ergebnis für oder gegen die Ortsumgehung im Osten Eschenbachs. Eines zeigt sie aber doch: Das Thema beschäftigt die Bürger.

Die Onetz-Abstimmung zur Spange Ost ist beendet. 1902 Stimmen sprachen sich für den Bau der Verbindung zwischen B 470 und der Staatsstraße bei Thomasreuth aus, 2334 mal klickten Onetz-Besucher gegen das 8-Millionen-Euro-Projekt. Über die Aussagekraft dieses Sieges der Gegner lässt sich natürlich streiten, zumal ein Ergebnis von 56 zu 44 Prozent nicht unbedingt klar ist.

Ein Ergebnis lässt sich aber ganz klar ziehen: Das Thema interessiert die Eschenbacher. Das belegen nicht nur die 4282 abgegebenen Stimmen, sondern auch die 7360 Nutzer, die den Onetz-Artikel bis zum Abschluss der Abstimmung am Dienstagvormittag geklickt haben und auch die Diskussion in der "Du bist ein echter Eschenbacher"-Facebook-Gruppe zeigt, dass sich die Bürger mit dem Thema befassen. Das haben auch die Paten der jeweiligen Seite bemerkt. Die Stadträte Hans Bscherer und Reinhard Wiesent stellten zur Abstimmung jeweils die Argumente der beiden Seiten vor, der Freie Wähler Bscherer für die Umgehung, CSU-Stadtrat Wiesent erklärte, was gegen den Straßenbau spricht. "Natürlich" sei er in den vergangenen Tagen immer wieder auf die Umgehung und die Abstimmung angesprochen worden, gibt Bscherer zu.

Dabei habe er Zuspruch erlebt, aber sich auch die Frage anhören müssen: "Was wollt ihr denn damit?" Das Ergebnis der Abstimmung wundere ihn nicht: "Für Gegner ist es bei solchen Aktionen doch immer leichter, Stimmen zu sammeln", findet Bscherer. "Die Befürworter sagen: Wir haben doch einen Stadtratsbeschluss. Was warten die noch." So sieht es auch Bscherer selbst. Zumal es inzwischen bereits vier Beschlüsse sind, in denen sich das Gremium jeweils mit großer Mehrheit für die Straße ausgesprochen hat. "Ich bin überzeugt, dass eine fünfte Abstimmung das selbe Ergebnis bringen würde." Für Bscherer ist eine fünfte Abstimmung nicht nötig: "Es geht hier um ein Zukunftsprojekt. Der Verkehr wird weiter zunehmen."

Den Gewinn werden die Gegner der Umgehung erst dann erkennen, wenn sie die Entlastung tatsächlich bemerken. Das sei bei der neuen Straße am Gymnasium nicht anders gewesen. "Damals waren doch auch viele dagegen, und heute findet es jeder gut." Dass die neue Trasse ein gutes Stück Natur zerstört, wolle er nicht leugnen, sagt Bscherer. Aber manchmal muss man Vor- und Nachteile eben abwägen und in diesem Fall überwiegen die Vorteile. Kompromissmöglichkeiten sieht Bscherer bei der Einmündung in die B 470. "Ich habe nichts gegen einen Kreisverkehr, solange der Verkehr dort rund läuft." Hier wären das Bauamt gefragt, um die entsprechenden Möglichkeiten auszurechnen.

Auch Reinhard Wiesent bleibt nach der Abstimmung bei seiner Meinung, schon alleine deshalb, weil er nicht an die prognostizierten Gesamtkosten glaubt. Die Kostenexplosion staatlicher Baumaßnahmen sei bekannt, sagt Wiesent. "Für die Stadt und damit die Bürger wären mit Sicherheit zwei Millionen Euro fällig, die besser und nachhaltiger eingesetzt werden können."

Nicht durchdacht seien auch die künftigen Verkehrsströme in der Grafenwöhrer und Pressather Straße, urteilte der Thomasreuther. "Die Verkehrsteilnehmer, die in Richtung Speinshart und Kemnath die Staatsstraße 2168 benutzen, werden wie bisher schon die weitaus kürzere Verbindung durch die Stadt nehmen." Auch der Busverkehr und die Staatliche Straßenmeisterei werde diese Trasse weiter uneingeschränkt nutzen. Als Landwirt störe ihn aber besonders die Vernichtung von Grund und Boden durch die Straße. Deshalb ist für den CSU-Stadtrat das letzte Wort noch nicht gesprochen, trotz mehrfacher positiver Abstimmungen im Stadtrat: "Wenn man merkt, dass man einen Fehler gemacht hat, dann ist es keine Schande, eine Entscheidung zu überdenken."

UnterschriftenMarcus Gradl hat die Umfrage in seiner Sicht bestärkt. Das Thema beschäftigt die Eschenbacher, deshalb sollen sie auch mitreden. Er möchte deshalb nun eine Unterschriftensammlung auf den Weg bringen. Rund 300 Bürger müssen sich eintragen, um so eine Bürgerbefragung zu erreichen.


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